Ein Buch, das alle Nutzer von Facebook & Co. lesen sollten. Die „Hater“ ganz besonders…

Klaus Oppitz: Die Hinrichtung des Martin P.Klaus Oppitz ist mit diesem Buch ein wahres Meisterwerk gelungen. Eigentlich könnte man sich als Leser zurück lehnen und es wie einen Krimi genießen. Allerdings taucht man beim Lesen immer weiter in die Wirklichkeit ein – und das bringt dann ein sehr reales, unheimliches Gefühl unserer Welt und auch unserer Gemeinschaft mit sich und lässt den Leser dann über die vielzitierten Werte nachdenken.

Es beginnt eigentlich relativ harmlos. Martin ist ein Mann im besten Alter, aber gerade arbeitslos mit wenig Aussicht auf einen neuen Job. Obwohl er sich sehr bemüht wieder Arbeit zu finden, ist sein Selbstbewusstsein – wohl auch durch die vielen Absagen – ziemlich erschüttert. Hilfe seiner Freundin will er nicht annehmen und so führt er ein ziemlich freudloses Leben, das ihn hin und wieder auf Facebook führt, wo er dann auch seinen Frust über Gott und die Welt ablädt.

Als eines Tages ein minderjähriger Flüchtling ein kleines Mädchen im Sandkasten einer Wohnhausanlage ersticht, macht er – wie viele andere auch (und einige Eintragungen im Buch sind leider genauso erschreckend wie jene im richtigen Leben) – seinem Ärger Luft: „Redet ruhig weiter. Ich helfe euch. ich mache das inzwischen für euch. Gebt mir sein Messer und ich schlachte ihn genauso ab wie er das kleine Mädchen.“

Wenn auch dieses Posting nicht mehr ganz nüchtern geschrieben wurde, auch am nächsten Tag entfernt er es nicht. Er genießt die vielen zustimmenden Kommentare und Likes, die er dafür erhalten hat. Dennoch überrascht es ihn wenig später ein ganz besonderes Job-Angebot zu erhalten: Er soll – im Prinzip ganz offiziell und im Namen des Staates – den jungen, nun verurteilten Straftäter beseitigen. Genauso wie er im Post schrieb. Dann wartet nicht nur eine attraktive Geldsumme auf ihn, sondern auch ein unkündbarer Job als Beamter.

Damit ist es für Martin P. Zeit Farbe zu bekennen: Wird er den Vertrag unterschreiben? Wird er den jungen Straftäter töten? Wird er sich mit ihm vorher unterhalten? Und dann ein schönes Leben genießen und die Tat verdrängen? Oder wird er doch davon Abstand nehmen und sich erstmals der wahren Bedeutung und Konsequenz seines Posts bewusst werden?

Das alles sei hier nicht verraten. Nur der Tipp: Unbedingt lesen – auch wenn teilweise beim Lesen der kalte Schweiß ausbricht, weil man merkt, wie nahe man an dieser Fiction in unserer Gesellschaft bereits ist.

Klaus Oppitz: Die Hinrichtung des Martin P.
ISBN 978-3-2018-01180-8
Kremayr-Scheriau
www.kremayr-scheriau.at