Es ist wieder einmal die Verbindung einer Biographie mit den geschichtlichen Hintergründen, die mich beim Lesen sehr beeindruckt hat.

Milan Turković: LebensklängeIch lese gern Biographien, schildern sie doch das Leben eines Menschen, prominent oder weniger prominent, seine Überlegungen, die Höhen seines Lebens, aber auch seine Tiefen und wie er sie überwunden hat. Sie können immer wieder Anregungen und Inspirationen für das eigene Handeln geben.

Besonders schön finde ich es – wie in diesem Buch – wenn man dann auch noch einiges an der geschichtlichen Perspektive mitbekommt. Turković schildert in seinem Buch auch die Anfänge seines Lebens in Kroatien, er gibt Einblick in das Leben seiner Mutter, einer Wienerin und zeigt wie schwierig es damals für sie war. Gehörte sie doch nach dem Zweiten Weltkrieg im ehemaligen Jugoslawien zu den Verrätern und so konnte schon ein Liederabend (Tukovićs Mutter war Sängerin) mit Schubertliedern in Deutsch dazu führen im Gefängnis zu landen.

Aber auch nach der Ausreise nach Österreich – also eigentlich wieder daheim – hatte sie es und auch ihr Sohn auf Grund des kroatischen Namens nicht leicht. Turković klang wiederum hier fremd für deutsche/österreichische Ohren.

Dennoch Milan Turković machte seinen Weg in der Musikwelt und lüftet auch hier wieder ein bisschen den Vorhang hinter die Bühne.  Auch hier geht er seinen eigenen Weg und setzt es sich – gegen den Rat vieler - Fagott zu spielen und diese Leidenschaft auch für eine Solokarriere zu nutzen. Es gelingt. Turković wird Solo-Fagottist bei den Wiener Symphonikern und spielt im Concentus Musicus von Nikolaus Harnoncourt, gründet das Ensemble Wien-Berlin und nimmt nun den Leser zu vielen Schauplätzen der Musikwelt mit. Berichtet über seine Enttäuschungen, aber auch über seine Erfolge und erfreut den Leser mit vielen Anekdoten aus dem Musikleben.

Für alle Musikliebhaber und solche, die es werden wollen, ein wunderbares Lesevergnügen.

Milan Turković: Lebensklänge
Eine Erinnerung
ISBN 978-3-85052-383-7
European University Press VerlagsgmbH, Ibera Verlag
www.ibera.at