Gertraud Klemm beschreibt in ihrem neuesten Buch nicht nur die österreichische Literaturszene, sondern auch einen durchaus interessanten feministischen Rachefeldzug.

Die Story ist eigentlich schnell zusammengefasst: eine österreichische Schriftstellerin ist gestorben, die nach ihrem Erstlingserfolg um Anerkennung in der Literaturszene gekämpft hat, sich schließlich in die Familie zurückgezogen hat und kurz vor ihrem Tod einen weiteren feministischen Roman vorgelegt hat. Mit diesem neuen Werk hat sie es – als erste Tote – auf die Vorschlagsliste des Deutschen Literaturpreises geschafft.

Ihre Freundin – Elvira Katzenschlager - aus feministischen WG-Tagen soll nun ihren Nachlass sichten. Dabei erinnert sie sich an all die Ungerechtigkeiten, mit denen Helene, die Autorin, in ihrem Leben fertig werden musste. Ungerechtigkeiten, die in erster Linie dadurch entstanden, weil sie eine Frau war.

So bricht Elvira auch das Fernsehinterview ab und begibt sich auf einen kreativen Rachefeldzug, um den Menschen das Leben ihrer Freundin nahe zu bringen und sie aufzurütteln. Station um Station spult sie mit ihrem „Assistenten“, den sie beim Fernsehinterview kennen gelernt hat, ab und beobachtet die Reaktionen darauf…

Es braucht eine gewisse Seitenanzahl bis die Geschichte Fahrt aufnimmt, aber dann möchte man das Buch nicht mehr aus der Hand legen. Ich bin förmlich von Station zu Station mitgereist und habe mich nicht einmal erwischt, nachzudenken ob für Kaiserbad aus dem Buch nicht vielleicht doch Baden bei Wien Pate gestanden hat und wer denn der kleine dicke Kritiker, mit dem Helene ihr ganzes Leben zu kämpfen hatte, in der Realität sein könnte…

Vielleicht komm‘ ich ja noch drauf, Ideen dazu werden gerne entgegengenommen.

Gertraud Klemm: Hippocampus
kremayr&scheriau
ISBN 978-3-218-01177-8
www.kremayr-scheriau.at