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Leider ist er ja schon lange nicht mehr unter uns: Der Sonnenkönig. Viele seiner Sprüche gefallen mir aber noch immer …

Wolfgang Petritsch: Ich bin der MeinungAuch wenn ich nicht immer seiner Meinung war (von Zwentendorf bis zur UNO-City) und wenn er auch im Alter vielleicht ein wenig zu mürrisch wurde, er war einer der letzten Politiker in Österreich mit Charakter und Charisma. Bei Zwentendorf behaupte ich noch heute, dass ich recht hatte dagegen zu sein und bin auch heute noch gegen eine Energiegewinnung, die zwar auf den ersten Blick „sauber“ ist, beim zweiten Blick jedoch zeigt, dass wir auch heute noch nicht wissen, wie wir mit den Rückständen, die erst in vielen vielen Jahren ihre Gefährlichkeit verlieren, umgehen können und sollen. Für mich ist dieser Umgang daher verantwortungslos. Bei der UNO-City hatte der Meister allerdings Recht…

Österreich hat ihm viel zu verdanken: neben der Schulreform, dem Gratis-Schulbuch, einem Uni-Gesetz, auch die Öffnung der Partei Richtung Künstler und Kirche. Es war eine Aufbruchstimmung während seiner Regierungszeit da, die einfach die ganze Gesellschaft erfasst hatte – etwas war gerade heute in Zeiten der Panikmache vor allem Unbekannten schmerzlich fehlt.

Daher ein paar Sprüche aus dem wunderbaren kleinen, aber feinen Büchlein, die mich auch ein wenig an Zeiten meiner Jugend erinnern.

Gleichzu Beginn eine Empfehlung, die sich gegen alle Spindoktoren richtet:

„Man kann sich nicht eine Gruppe von Hofphilosophen halten, die einem das Denken abnehmen“

Oder eine Einstellung, die sich leider seit Haider verabschiedet hat:
„Ich will einen gewissen Ton in der Politik nicht tolerieren, weil ich alt genug bin, um zu wissen, dass der Ton in der Politik die Musik macht.“

Gerne hätte ich auch gewusst, wie Kreisky in der Flüchtlingskrise reagiert hätte. Immerhin war er nach monatelanger Gestapo-Haft und Folter im September 1938 knapp der Deportation ins KZ entgangen und auf dem Weg ins schwedische Exil, als ihn die dänische Polizei ins nationalsozialistische Wien „zurückschieben wollte.
„Wenn Sie mich jetzt zurückschicken, liefern Sie mich den Leuten aus, denen ich gerade entkommen bin.“

Zwei Zitate muss ich einfach noch bringen – sie sind für die Gegenwart genauso wichtig wie zu Kreiskys Zeiten:
„Man muss verhindern, dass es wieder so wird wie in den 30er Jahren, wo sich die Parteien zum Schaden aller Österreicher auseinandergeschimpft haben.“

Und last but not least – zum Nachdenken für alle – die in Wien vielleicht nicht gerade Müller und Meier heissen:
„Schön tat ma da ausschauen, wenn nicht am Beginn des Jahrhunderts (des 20.Jhts) hunderttausende Tschechen, Slowaken, Ungarn und Polen zu Wienern geworden wären“

Gerne hätte ich noch viele, viele andere Aussprüche zitiert, aber dann müssten Sie ja das Buch nicht mehr kaufen. Es ist ein kleines Büchl, ideal als Geschenk – zum immer wieder darin blättern, nachdenken, schmunzeln.

Manchmal fehlt er mir schon ein bissl – unser Sonnenkönig….

Wolfgang Petritsch: Ich bin der Meinung
Bruno Kreisky – Sprüche und Widersprüche
ueberreuter
ISBN 978-3-8000-7722-9
www.ueberreuter-sachbuch.at

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