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Der Krimi schildert das Schicksal und den Tod des 12-jährigen Šimon Abeles, dessen Geschichte mit dem plötzlichen Verschwinden des Sohns des Anthropologen Ladislav verquickt wird.

Marek Toman: Die große Neuigkeit vom schrecklichen Mord an Šimon AbelesSchon die Geschichte des Šimon Abeles, der in Prag des 17. Jahrhunderts lebte, ist ein Krimi an sich. Zu jener Zeit verschärfte sich der Druck der Jesuiten und der weltlichen Obrigkeit auf die jüdische Gemeinde. Die Jesuiten versuchten vor allem junge Juden der Gemeinde zum Übertritt zur christlichen Glaubenslehre zu bewegen. Da kam es ihnen gerade recht, dass ein 12jähriger Aspirant, der diesen Schritt wagen wollte, von seinem Vater der christlichen Einflusssphäre wieder entzogen wurde und kurze Zeit danach starb.

War es nun Mord und wenn ja, wer war der Mörder? War es ein schrecklicher Unfall, der mit Totschlag endete? Starb der Junge an einem epileptischen Anfall, wie es seine Familie behauptete?

Oder war es vielleicht ein von den Jesuiten herbeigesehnter Anlassfall, um aus dem natürlichen Tod des jungen Mannes einen Mord wegen seines neuen Glaubens zu konstruieren und so einen Märtyrer aus ihm zu machen.

Toman schildert die Stimmung und die Zeit im damaligen Prag: Die Ängste der Menschen, das Misstrauen zwischen den Andersgläubigen (für mich tauchte da schon wieder eine Parallele zur Gegenwart auf), das nur ein kleiner Teil der Menschen beider Seiten zu überwinden vermochte. Schließlich wird auch noch die Rolle des Buchdrucks und damit der Flugblätter thematisiert, die damals – neu am Markt - für „Information“ der Bevölkerung sorgten und von den Jesuiten auch als „Stimmungsmacher“ eingesetzt wurden. (Auch hier findet sich wieder die Parallele zu den sozialen Medien von heute).

Dieser erste Erzählstrang, der in die Vergangenheit von Prag führt, wird immer wieder unterbrochen von der Gegenwart, in der der Anthropologe Ladislav versucht in der Theynkirche das Grab von Šimon Abeles zu finden, auch um herauszufinden wie er wirklich gestorben ist. Während er von dieser Arbeit sehr gefordert wird, verschwindet plötzlich  sein Sohn Šimon. Wurde er entführt? Ist er weggelaufen und wenn ja warum? Kann ein Computerspiel helfen, ihn wieder zu finden?

Beide Erzählungen verquicken sich in einander und es zeigen sich Parallelen, wobei mir allerdings der „Krimi“, der in der Gegenwart spielt, einiges schuldig bleibt.

Obwohl beide Geschichten mehr oder weniger spannend verlaufen und man gerne weiterliest, wäre es mir fast lieber gewesen, wenn ich zwei Bücher bekommen hätte – eines über den historischen Šimon, das das Schicksal vom ihm – wenn auch nur spekulativ – geklärt hätte und eines über den Šimon der Gegenwart, den man dann mehr in den Mittelpunkt stellen hätte können.

Marek Toman: Die große Neuigkeit vom schrecklichen Mord an Šimon Abeles
Wieser Verlag
ISBN 978-3-99029-324-9
www.wieser-verlag.com

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