Gerhard Zeillinger: ÜberlebenZeillinger schildert das Leben von Walter Fantl während des Nationalsozialistischen Regimes.

Dieses Buch sollte zur Standardlektüre in unseren Schulen werden. Zeillinger schildert das Leben des Walter Fantl, der gerade mal 14 Jahre alt ist als Hitler in Österreich einmarschiert und wie sich sein Leben erst langsam dann immer schneller zu ändern beginnt.

Mit 18 Jahren wird Fantl nur auf Grund seines Glaubens nach Theresienstadt deportiert, zwei Jahre später mit seinem Vater nach Ausschwitz überstellt. Fantl ist einer der letzten Zeitzeugen, die noch aus erster Hand über die Grausamkeiten erzählen können, Zeillinger schildert dies ohne Pathos, fast teilnahmslos, lässt aber Fantl dazwischen immer wieder zu Wort kommen.

Es begann auch damals so – zuerst mit Worten, dann mit Taten. Immer ein kleiner Schritt weiter, alle, auch die Menschen jüdischen Glaubens konnten sich nicht vorstellen, was da passierte. Gerüchte machten die Runde, doch die meisten entschlossen sich zu spät zu flüchten. Dann wurde ihnen bereits fast alles Hab und Gut konfisziert und alle Länder machten ihre Grenzen dicht: zu viele Migranten, die da hereinstürmen wollten.

Auch damals kam der Schrecken nicht über Nacht, sondern Schritt für Schritt. Auch damals wussten genug Wiener und Wienerinnen, wie ihre jüdischen Nachbarn, vielleicht sogar Freunde behandelt wurden, auch damals wurde eine Gruppe für das „schlechte“ Leben der anderen verantwortlich gemacht. Auch damals war nicht alles schwarz/weiß, aber sehr viel dunkelgrau, auch damals waren die Maßnahmen gegen eine Minderheit zu klein, um die Mehrheit zum Widerstand zu bewegen, und auch damals war es zu spät, als alle das ganze Ausmaß erkannte.
Der Gürtel wird für Walter Fantl das Zeichen seines Überlebenswillens. Er ist das Band, das er all die Jahre umgeschnallt trägt, das Einzige, das ihm als „Besitz“ überbleibt.

Es ist ein wichtiges Buch. Es ist ohne Anklage, es schildert eine individuelle Geschichte und genau das macht es aus, uns eine Ahnung von der damaligen Zeit zu geben. Es zeigt auf, dass sogar in dieser schweren Zeit, Freude, Freundschaft, ja sogar Liebe möglich waren. Und doch ist es unvorstellbar, wenn man liest, was diesen Menschen alles passiert ist.

Ein Zitat von Walter Fantl, das auf der Rückseite des Buches zu lesen ist, kann dies nur ansatzweise veranschaulichen:
„Dann bin ich zu einem Kapo hin und habe gefragt: Was ist mit den anderen? Wo ist mein Vater? Und der schaut mich an und zeigt auf einen der Schornsteine und sagt: Siehst du den Rauch? Das sind die anderen, das ist dein Vater.“

Unbedingt lesenswert.

Gerhard Zeillinger: Überleben
Der Gürtel des Walter Fantl
ISBN 978-3-218-01129-7
Kremayr-Scheriau
www.kremayer-scheriau.at

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