Georg Ulrich Henckel Donnersmarck: Der Spediteur GottesEr war ein Spätberufener, der zuerst in seinem weltlichen Leben Wirtschaft studierte, als Spediteur bei einer der größten Speditionsfirmen anheuerte und die Welt bereiste.

Irgendwie behielt er diesen Job auch dann später als Zisterzienser und als Abt bei - allerdings bei einem anderen Chef …

Ulrich Henckel ist eigentlich ein „von“ Donnersmarck. Den Stammbaum seiner Familie kann er lange zurückverfolgen, beim Konzil von Konstanz wurden seine Vorfahren in den Adelsstand erhoben. Die Familie besaß einige Schlösser und große Besitztümer in Schlesien, doch zur Zeit seiner Jugend mussten sie fliehen, seine Eltern und auch dann er mussten ihr Leben – wenn auch mit Hilfe von Freunden aus dem Adel und seiner Familie wieder aufbauen.

Interessant ist auch die Tatsache, dass sich seine Familie im Laufe der Jahre in eine evangelische und eine katholische Linie teilte, gute Voraussetzung für die Ökumene.

Donnersmarck, gläubig erzogen, brauchte keinen besonderen Anlass um schließlich in einen Orden einzutreten, irgendwie merkte er, dass etwas in seinem weltlichen Leben fehlte. Und so wechselte er ziemlich ansatzlos aus dem Speditionsgeschäft von Schenker ins „göttliche“ Speditionsgeschäft. Vieles von seiner Ausbildung konnte er auch hier gut gebrauchen und so prägte er nicht nur als Abt das Stift Heiligenkreuz viele Jahre, sorgte für den Aufschwung des Klosters und auch für Nachwuchs, für den Ausbau und die Anerkennung der Hochschule und krönte seine Laufbahn mit einem Besuch des Papstes in Heiligenkreuz. Heute, als Altabt und sozusagen in Pension lebt er nicht mehr im Stift, ist aber immer wieder dort anzutreffen und nutzt seine „freie“ Zeit für Vorträge, Hilfestellungen für andere Klöster und natürlich auch für seine schriftstellerische Tätigkeit.

Wenn ich auch nicht all seinen Überzeugungen zustimmen kann und mir auch einige wichtige Themen der Kirche der Gegenwart fehlen (so schweigt er zu den Missbrauchsfällen) war es sehr interessant, seinen Lebenslauf zu verfolgen. Obwohl ein Flüchtlingskind, dessen Eltern fast all ihren Besitz verloren, zeigt sich doch, dass es trotz allem für Menschen, die seiner Abstammung entstammen es leichter ist, wieder auf die Beine zu kommen. Auch dies war interessant einmal geschildert zu bekommen.

Das Buch macht auch Lust wieder einmal Heiligenkreuz zu besuchen – und vielleicht kauf ich mir doch noch die CD mit den Gregorianischen Gesängen …

Gregor Ulrich Henckel Donnersmarck: Der Spediteur Gottes
Ein Leben zwischen Welt und Kloster
Carl Ueberreuter Verlag
ISBN 978-3-8000-7706-9
www.uberreuter-sachbuch.at

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