Klaus Ranzenberger: Neues vom Onkel FranzDiese Odyssee eines Innviertlers auf seiner Reise ins ferne Wien lässt mich ein bisschen ratlos zurück…

Leider kenne ich nicht den „Einstiegsband“ vom Onkel Franz. Vielleicht muss man das Innviertler Original besser kennen lernen, um seine Art und seine Ansichten zu verstehen – der Wienerin fällt es ein bisschen schwer: Ist das Buch jetzt eine Satire auf die Innviertler? Auf die Wiener? Gesellschaftskritik? Oder einfach eine Ansammlung von Vorurteilen gegen Fehlentwicklungen in der nächsten Generation?

Für mich wird in dieser skurrilen Geschichte ein bisschen alles durcheinander geworfen.

Da ist einmal der Onkel Franz, der ein gutmütiger Innviertler zu sein scheint, zufrieden mit sich und seinem Leben und seiner Tante. Er erbt und muss „auf“ Wien. Dieses „auf“ wird nun in der Geschichte ebenso oft betont (was soll’s – so reden die Menschen dort eben) wie die feindseligen, unhöflichen Beamten der ÖBB und aller Verkehrsmittelbetriebe, derer sich der Onkel Franz bedienen muss. Anscheinend hat der Autor wirklich schlechte Erfahrungen mit diversen Fahrkartenverkäufern, Schaffnern und Buschauffeuren gemacht. Dazu verpasst der arme Innviertler auch ständig seine Züge, was zur Folge hat, dass er nicht nur mit unterschiedlichen öffentlichen Verkehrsmitteln von Österreich Bekanntschaft macht, sondern auch Auto stoppt oder per Zufall von einem Minister (bei dem natürlich die modernen technischen Errungenschaften von Navi über Laptop gerade versagt haben und der mit seinem Chaffeur daher nicht mehr nach Wien zurück findet) über einen Biobauern bis zu einem Syrer, der als Paketfahrer jobbt, jede Menge Vertreter der neuen Generation kennen lernt. Wenige davon können vor dem scharfen Blick des Innviertlers bestehen und so ist es dem Autor möglich, auch gleich das bedingungslose Grundeinkommen, Lieferservice, bargeldloses Bezahlen, Smartphone-Konsum und einige andere „moderne Errungenschaften“ durch den Kakao zu ziehen und zu verdammen. Denn das alles gefällt Onkel Franz natürlich nicht. Allein der Biobauer (ein früherer Banker) und der Syrer werden zu seinen Freunden.

Überrascht hat mich, dass der windige Anwalt aus dem 10. Wiener Gemeindebezirk den Onkel noch am fortgeschrittenen Nachmittag empfängt und ihm auch noch die Chance lässt, über seine Erbschaft nachzudenken. Sehr zuvorkommend, aber schließlich hofft er ja auch den Mann aus dem Bundesland über den Tisch ziehen und seinen Vorteil aus dessen Erbschaft ziehen zu können.
Denn Onkel Franz erbt die Sperrminorität einer Aktiengesellschaft, die an all den „Segnungen“ der Moderne beteiligt ist, für die er wenig bis gar kein Verständnis hat. Der Anwalt rät zum Verkauf – wie gut, dass man einen Freund hat, der ehemals in der Bank gearbeitet hat, der sich in Finanzdingen auskennt und der verspricht, diese Herren alle ein wenig zu ärgern.

So überträgt der Onkel seinem Freund, dem Biobauern die Verwaltung. Was daraus wird, erfahren wir wahrscheinlich im nächsten Band …
Aber lesen Sie selbst.

Klaus Ranzenberger: Neues vom Onkel Franz oder die Odyssee eines Innviertlers
Verlag Anton Pustet
ISBN 978-3-7025-0900-2
www.pustet.at

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