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Eigentlich habe ich mir nur einen „simplen“ Krimi erwartet. Das Schönbrunner Finale ist aber mehr als das…

Ich muss gestehen, es ist der erste Roman, in dem mir Oberinspector Nechyba begegnet, aber ich bin mir sicher, es wird nicht der einzige bleiben.

Es ist ein außergewöhnlicher Krimi und wie schon erwähnt, es ist mehr als das. Eigentlich sind wir als Leser bei den Morden (ja, es sind mehrere) immer live dabei. Die sonst übliche Frage: „Wer ist der Täter?“ stellt sich hier eigentlich nicht und dennoch ist es spannend zu lesen, wie sich der Oberinspector an die Lösung seines Falls, seiner Fälle herantastet.

Noch besser gefällt mir aber die hervorragend recherchierte Beschreibung von Wien und seiner Bewohner in der Zeit um 1918. Es sind die letzten Tage des 1. Weltkriegs, anfänglich ahnt man schon, dass der Krieg bald sein Ende finden muss und schließlich ist das Ende des Krieges und das Ende der Monarchie da.

Es gibt kaum mehr etwas zu essen in der Großstadt, der Schleichhandel blüht. Desserteure versuchen irgendwo unterzutauchen, um nicht aufzufallen. Auch der Oberinspector hat einen knurrenden Magen und versucht sich ein Stückchen Speck oder Fleisch auf nicht immer „offiziellen“ Wegen zu besorgen. Man kämpft ums Überleben, einem Hofrat gelingt es sogar lebende Hühner aufzutreiben, die er in seiner Herrschaftswohnung zum Entsetzen seiner Frau hält um endlich wieder eine „Eierspeis“ essen zu können.

Es sind diese Beschreibungen, die das Buch ausmachen. Geschichte von damals live vermittelt. Als Leser ist man mitten drinnen im Geschehen, kann sich die Not, Armut und die Stimmung der Bevölkerung gut vorstellen. Besonders schön finde ich aber auch, dass Loibelsberger dem Wiener Dialekt ein Denkmal setzt – mit dem Glossar am Ende des Buches und den Fußnoten ist die Sicherheit gegeben, dass auch Nicht-Wiener die alten Ausdrücke verstehen, für mich war es aber wirklich schön, einmal wieder päulisieren, Schmalz, Tachinierer, Wappler, verzupfen oder Reindl, Bassena, Bahöö, etc zu lesen. Allein deshalb muss man das Buch schon gelesen haben…

Krimi und unterhaltsame Geschichtsstunde über Wien zur Zeit des Kriegsendes: daher doppelt empfehlenswert!

Gerhard Loibelsberger: Schönbrunner Finale
Ein Roman aus Wien im Jahr 1918
ISBN 978-3-8392-2210-2
Gmeiner
www.gmeiner-verlag.de

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