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Ich habe selten einen so schönen Roman gelesen, der eine Liebesgeschichte, die fast schon an einen Krimi erinnert mit der Geschichte eines Landes verquickt.

Es ist die Geschichte einer Italienerin, die eigentlich ihr ganzes Leben zwei Männer liebt, und ja das gibt es. Der eine ist ein Serbe, ein ausgezeichneter Akkordeonspieler, der sich für Kunst und Literatur interessiert – sich sogar mit ihrem Vater ausgezeichnet versteht – und den sie auf einer Reise mit ihrer Freundin in Belgrad kennen lernt.

Und Belgrad bleibt daher eine ihrer Lieblingsstädte. Doch beide wissen nicht so recht was sie aus ihrer Beziehung machen sollen und so kommt es wie es kommen muss: er verlobt sich – ein Kind ist unterwegs, sie hat gerade einen österreichischen Diplomaten kennengelernt und sich in ihn verliebt.

Maddalena gehört etliche Jahre zur High Society – ihr Mann genießt großes Ansehen in seiner Partei, wird als Personalreserve der Partei für hohe Aufgaben gehandelt – allerdings leidet darunter die Familie. Erste Risse tun sich auf.

Als die Entscheidung ansteht, im diplomatischen Dienst nach Belgrad oder nach Brüssel zu gehen, und Christoph, ihr Mann, ihr die Entscheidung überlässt, entscheidet sie sich für Belgrad.
Es ist die Zeit des Auseinanderfallens von Jugoslawien, Menschen, die lange Jahre friedlich unter Tito zusammengelebt haben, fallen nun über einander her. Und Dietmar Gnedt zeichnet die Geschichte des Krieges abseits der Informationen, die wir durch die Medien damals vorgesetzt bekamen. Er beschreibt den Krieg so wie er wirklich war, nicht wie ihn uns das amerikanische Kriegsministerium gezeigt hat. So waren die Bombardements nicht so clean und zielgerichtet, wie uns powerpointartig im Fernsehen vorgeführt wurde, sondern es wurden sehr wohl auch Wohnviertel und Zivilisten getroffen, deren Tod ohne Bedenken von der westlichen Allianz in Betracht gezogen wurden.

(Alle jene, die Freunde oder Bekannte in Belgrad hatten oder haben – die noch dazu damals auch gegen Miloševićs demonstriert haben – werden dies bestätigen können. Wahrscheinlich hätte ein Bruchteil der Kosten genügt, die Anti-Miloševićs-Bewegung zu unterstützen und den Krieg zu verhindern – dies sei allerdings nur hier am Rande erwähnt)

Wie auch immer Christoph wird mehr und mehr in die Wirren hineingezogen, beginnt zu trinken, sein Stern schwindet immer mehr. Irgendwann weiß sich auch Maddalena nicht mehr zu helfen und bittet um seine Abberufung. Die Ehe zerbricht.

Maddalena kehrt nach Italien zurück, erkrankt an Leukämie und muss erfahren, dass sie nicht mehr lange zu leben hat. Da beginnt sie an ihre beiden großen Lieben zu schreiben: an den Österreicher Christoph, an den Serben Lazar – jeweils einen Brief ohne Ende. In der Hoffnung, dass beide – die sich unversöhnlich gegenüberstehen – am Schluss dann doch noch versöhnen.
Doch zuvor kommt es fast noch zu einem Mord und noch vielen Wirren…

Eine großartige Beschreibung der Wirren aus den Lebensbeschreibungen dreier Menschen und eines Landes, das inzwischen in viele Nachfolgestaaten zerfallen ist, die sich teilweise auch noch immer unversöhnlich gegenüber stehen. Cui bono?

Sehr lesenswert!

Dietmar Gnedt: Balkanfieber
Anton Pustet
ISBN 978-3-702-50888-3
www.pustet.at

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