Henning Burk: Hitler, Braunau und ichDas Buch liest sich ein wenig wie eine TV-Dokumentation, zum Teil wie ein Drehbuch, was auch nicht verwundert, wenn man weiß, dass dies eigentlich das angestammte Metier des Autors ist.

Manchmal sieht man direkt den Kameraschnitt zwischen den einzelnen Kapiteln vor Augen. Den Leser erwartet daher nicht eine chronologische Geschichte – weder Hitlers, noch des Autors, noch seiner Urgroßmutter - sondern Einblicke in sein ganz privates Leben, in die Entwicklung und die Geschichte von Braunau und in die Zeit seiner Mutter, Großmutter und Urgroßmutter, seiner Familie.

Es ist ein Blick von außen, den Hennig Burk auf Braunau, aber auch auf Österreich wirft. Henning ist zwar in Braunau geboren, aber bereits als Kind mit seinen Eltern nach Bad Nauheim
„ausgewandert“. Erst später als Erwachsener kam sein Interesse für seine Verwandtschaft in Braunau, für die Stadt, aber auch für die Geschichte seiner Familie während der Zeit des Nationalsozialismus. Und so macht er sich auf den Weg in seine Geburtsstadt um das Schweigen in der Familie zu durchbrechen und um die Stadt und ihre Menschen kennen zu lernen.

Durch sein Buch lernt der Leser daher nicht nur Ausschnitte seines persönlichen Lebens und Empfindens kennen, sondern sieht einiges über die Stadt aus einem anderen Blickwinkel. Auch das Schweigen in seiner Familie über die Zeit im Krieg und danach, wird sicher vielen Lesern älterer Jahrgänge bekannt vorkommen. Auch die Unmöglichkeit das Schicksal, die Schuld oder aber Nichtschuld in der eigenen Verwandtschaft zu klären oder zu diskutieren, wie auch das Entsetzen über das gegenwärtige Wiederaufleben der Ideen, über den Stolz einiger – gar nicht so weniger – für die damaligen Geschehnisse, das Fehlen jeglichen Unrechtseingeständnis wird viele an eigene Erlebnisse erinnern.

Auf jeden Fall ein sehr lesenswertes Buch, bei dem man zwar einige Kapitel braucht, um in „Leseschwung“ zu kommen, das man dann aber ungern weglegt und bis zum Schluss verschlingt. Ein wichtiges Buch.

Henning Burk: Hitler, Braunau und ich
Wie meine Urgroßmutter den Krieg hätte verhindern können
ISBN 978-3-86489-179-3
Westend Verlag
www.westendverlag.de