Günther Freitag: Melancholische BilleteureMit seinem Buch „Die Entführung der Anna Netrebko“ beschäftigte sich der Autor mit der Oper und ihren Liebhabern und Fans. Nun widmet er sich dem Wiener Burgtheater …

Günther Freitag scheint in der Wiener Kulturszene beheimatet zu sein, denn nach seinem Vorgänger-Roman, in dem die Wiener Staatsoper doch eine nicht unbedeutende Rolle spielte, widmet er sich nun einer anderen Wiener Kulturinstitution: dem Wiener Burgtheater.

Es ist die Geschichte dreier Menschen, von denen zwei als Billeteure (wie ist hier eigentlich die weibliche Form? Billeteuse?) im Burgtheater arbeiten. Für beide ist es nicht nur Arbeit: schließlich sind sie für die linke Parkettseite verantwortlich. Und das ist jener Bereich, in dem die Kenner sitzen. Beide nehmen daher ihre Arbeit sehr ernst – es geht nicht nur um das Platz anweisen, diese Aufgabe kann nur jemand erfüllen, der sich auch mit den Stücken, den Schauspielern, den Regisseuren beschäftigt. Da wird schon ein ums andere Mal nicht nur untereinander über eine Aufführung diskutiert, sondern auch mit dem Publikum Meinung ausgetauscht.

Fast nebensächlich bekommt der Leser Kenntnis von ihrer Lebensgeschichte, den Eltern, den Hoffnungen, Sehnsüchten und Begierden. Auch an skurrilen Elementen ist das Buch reich: oder wie würden Sie es bezeichnen, wenn Mutter und Sohn mit einem Papagei im Käfig ins Palmenhaus marschieren, damit dieser dort seine „Depressionen“ bekämpfen kann.

Obwohl die Handlung eigentlich ein bisschen dahin plätschert und nichts besonders aufregendes passiert, zwingt der Roman den Leser in seinen Bann und man kann kaum das Lesen beenden. Dazu trägt sicher auch das Wechseln der Erzählperspektive zwischen den Hauptfiguren bei.

Günther Freitag: Melancholische Billeteure
Wieser Verlag
ISBN 978-3-99029-255-6
www.wieser-verlag.com