Eva Demmerle: Kaiser Karl. Mythos & WirklichkeitEr gilt als der vergessene Kaiser von Österreich-Ungarn und sein Bild ist in der Öffentlichkeit oft von Schwäche und Abneigung geprägt.

Eve Demmerle zeichnet nun in ihrem Buch ein anderes Bild von Österreich letztem Kaiser….

Karl hatte es sicher nicht leicht. Anfänglich weit ab vom Thron, rückte dieser durch die verschiedenen Schicksalsschläge und Entscheidungen immer näher. Durch den Tod von Kronprinz Rudolf, den frühen Tod seines Vaters, der Ermordung des Thronfolgers Franz Ferdinands und dessen Entscheidung für eine morganatischen Heirat mit Sophie von Chotek, die dessen Kinder von der Thronfolge ausschloss, wurde Karl nach der langen Regentschaft Kaiser Franz Joseph II. während des Ersten Weltkrieges zum Kaiser von Österreich. Früh erkannte der junge Herrscher, dass das einzige Heil seines Reiches in einem möglichst schnellen Friedensschluss liegen würde und dennoch wurden alle seine Versuche torpediert. Schließlich musste er Österreich verlassen und auch der zweimalige Versuch einer neuerlichen Machtübernahme als König von Ungarn scheiterte. Karl starb im Alter von nur 35 Jahren 1922 im Exil auf Madeira.

Eva Demmerle zeigt in ihrem Buch nicht nur die politischen Hintergründe seines Handelns auf, sondern bringt dem Leser auch den Mensch Karl näher, erklärt seine Absichten, weist auf seinen Weitblick hin, aber auch auf die Blockierer in seiner Nähe, stellt jene Menschen vor, in denen sich der einstige Herrscher täuschte, die ihn hintergangen. Demmerle zeigt aber auch die Ansätze auf, mit denen der Herrscher die Lager der Bevölkerung verbessern wollte: Arbeiterkammer, Sozialversicherung, Mieterschutz und Arbeiterrechte gehen auf seine Regierung zurück. Zu guter Letzt sollten auch die verschiedenen nationalen Gruppen im Vielvölkerstaat Rechte auf ihre eigene Verwaltung und eigenen Staat erhalten, und so einem demokratisch legitimierten Staatenbund unter dem Doppeladler erhalten bleiben. Die ersten Ideen des heutigen Europas entstanden damals für Mitteleuropa, doch sie scheiterten – an Präsident Wilson und an den Eigeninteressen der unterschiedlichen Nationen. Parallelen zur heutigen Situation tun sich nicht nur bei der Haltung der Ungarn heute wie damals auf.

Es ist ein spannendes Buch, das nicht nur Einblick in die Geschichte der österreich-ungarischen Vergangenheit gibt, sondern auch dem Menschen Karl gerecht wird, der 2004 selig gesprochen wurde.

Eva Demmerle: Kaiser Karl. Mythos & Wirklichkeit
Amalthea
ISBN 978-3-99050-044-6
www.amalthea.at