André Heller: Das Buch vom SüdenAls bekennender Heller-Fan kann ich nur vermelden: Hier ist ein ganz großer Wurf gelungen. Am besten Sie kaufen sich das Hörbuch – hier liest der Meister sein Werk persönlich.

Das Buch vom Süden ist aus vielerlei Sicht zu empfehlen...

Die Erzählweise

Heller ist ein Verführer der Sprache und das ist auch der große Vorteil des Hörbuches. Seine Stimme weist dieses einzigartige Timbre auf (seit Oskar Werner hab ich keine so einzigartige Stimme mehr gehört), er spricht Österreichisch, nicht Deutsch. Es ist kein Dialekt, sondern Hochsprache und zeigt damit die Unterschiede zwischen Deutsch und Österreichisch auf. Die Sprache ist weicher, melodischer und erfreut durch eine andere Ausdrucksweise.

Das Buch wird auch durch seinen Wortschatz in die Geschichte eingehen: wo – im von deutschen Serien und deutscher Synchronisation durchdrungenen Medienreich – finden sich sonst noch diese unzählig viele Möglichkeiten eine Beziehung zwischen zwei Menschen auszudrücken? Wo hört man noch Ausdrücke wie Pantscherl, Friedhofskrauterer, pfutschikato, miachteln oder Pomfineberer? Es ist eine Sprache, die leider immer mehr verloren geht und die nun im Buch vom Süden eine Heimat für das Überleben und das Erinnern gefunden hat.

Die Geschichte

Das Buch vom Süden erzählt die Geschichte von Julian Passauer, der in Wien, in der Wohnung seiner Eltern im Dachgeschoss von Schloss Schönbrunn als Sohn des stellvertretenden Direktors des Naturhistorischen Museums aufwächst. Sein Vater gibt ihm die Sehnsucht nach dem Süden mit, die nicht nur in der Sehnsucht nach Wärme und Meer gipfelt, sondern auch eine andere weltanschauliche Dimension beinhaltet und – so glaube ich jedenfalls – in vielen Wienern innewohnt.

Die Lebensreise von Julian beginnt mit einer Umrundung von Afrika, die er von seinem Vater zur bestandenen Matura erhält. Hier versucht er sich über seine Zukunft klar zu werden, beginnt anschließend ein Studium, bricht es jedoch ab und wird professioneller Pokerspieler, ein „fleissiger Taugenichts“. Schließlich kommt er in den Besitz einer Villa am Gardasee, in der Nähe eines Märchengartens und lernt die Frauen seines Lebens kennen. Und doch – die Liebe zum Süden wird immer stärker …

Heller zeichnet die Figuren klar und ausführlich, mit all ihren vielschichtigen Eigenschaften: es ist bestes Theater im Kopf – man sieht die einzelnen Personen deutlich vor sich. Wer sich mit dem Leben und dem Werk von André Heller ein wenig beschäftigt hat, wird zumindest hie und da versucht sein, einige Parallelen zu seinem Leben zu erkennen. Heller zeigt dem Leser auch die schrecklichen Auswüchse dieser Zeit: So stellt sich beim Besuch eines Konzerts von Hermann Leopoldi stellt sich heraus, dass beide - Vater Passauer und Leopoldi – im KZ Buchenwald gefangen waren. Der Leser wird auch mit den schrecklichen Erinnerungen eines ungarischen Oboisten konfrontiert, einem sporadischen Besucher der Familie Passauer.

Die Geschichte zeichnet auch ein wenig die Sehnsucht, nach alter Größe und k.u.k. Seligkeit aus, nach der guten, alten Zeit wie man in Wien sagen würde. Melancholie und Anekdoten dürfen in einem Werk von André Heller nicht fehlen, aber auch Harmonie, Sinnlichkeit und Lachen kommen nicht zu kurz.

Die Beschreibungen des Gartens erinnern wieder an seine Projekte am Gardasee und jetzt in Marrakesch. Hier wurde das Hörbuch auch aufgenommen.

„Nur im Süden ist Rettung“ – Fangen Sie mit dem Buch vom Süden an und genießen Sie die Stimme von André Heller bei der Lesung des Hörbuches.

André Heller: Das Buch vom Süden (Hörbuch-Download)
Gelesen von André Heller
Lübbe Audio
ISBN 978-3-7857-5315-6
www.luebbe.de

André Heller: Das Buch vom Süden
Zsolnay Verlag
ISBN 978-3-5520-5775-3
www.zsolnay.at