Tief im Westen, wo die Sonne verstaubt… - wer kennt diese Textzeilen des berühmten Sängers und Schauspielers Herbert Grönemeyer nicht? Aber auf Urlaub dorthin fahren? Aber ja doch!

Das Colosseum in Bochum (Foto © Dagmar Postel)

Das Ruhrgebiet ist in Deutschland schon eine besondere Ecke – und Bochum liegt mitten drin. Wobei nicht jeder, der von Gesetz oder Politik zum Bochumer gestempelt wurde, sich auch als Bochumer fühlt. Schließlich ist Wattenscheid Wattenscheid und das schon immer…

Anneliese Brost Musikforum (Foto © Dagmar Postel)
Auch zwischen Essen, der reichen Schwester und der armen Schwester Bochum scheinen gewisse Eifersüchteleien zu bestehen. Und wer hätte schon gedacht, dass mitten im Ruhrgebiet, wo schon immer die Industrie das Sagen hat nun die Kultur voll erblüht. Schon mal vom Klavierfestival Ruhr gehört? Ne? Na dann mach dich auf … Immerhin war hier Gerard Mortier tätig, bevor er nach Salzburg kam, und Intendant am Schauspielhaus Bochum bevor er in Wien die ehrwürdige Burg übernahm? Klaus Peymann – eben.

Chinesischer Garten in Bochum (Foto © Dagmar Postel)
Vielleicht ist es wirklich keine Weltstadt und auch keine Schönheit – im Krieg wurde hier fast alles zerstört – und dennoch: hier ist es viel besser als man glaubt.
Und das wollen wir jetzt einmal beweisen.

Tief im Westen, wo die Sonne verstaubt… - wer kennt diese Textzeilen des berühmten Sängers und Schauspielers Herbert Grönemeyer nicht? Aber auf Urlaub dorthin fahren? Aber ja doch!

Das Colosseum in Bochum (Foto © Dagmar Postel)

Das Ruhrgebiet ist in Deutschland schon eine besondere Ecke – und Bochum liegt mitten drin. Wobei nicht jeder, der von Gesetz oder Politik zum Bochumer gestempelt wurde, sich auch als Bochumer fühlt. Schließlich ist Wattenscheid Wattenscheid und das schon immer…

Anneliese Brost Musikforum (Foto © Dagmar Postel)
Auch zwischen Essen, der reichen Schwester und der armen Schwester Bochum scheinen gewisse Eifersüchteleien zu bestehen. Und wer hätte schon gedacht, dass mitten im Ruhrgebiet, wo schon immer die Industrie das Sagen hat nun die Kultur voll erblüht. Schon mal vom Klavierfestival Ruhr gehört? Ne? Na dann mach dich auf … Immerhin war hier Gerard Mortier tätig, bevor er nach Salzburg kam, und Intendant am Schauspielhaus Bochum bevor er in Wien die ehrwürdige Burg übernahm? Klaus Peymann – eben.

Chinesischer Garten in Bochum (Foto © Dagmar Postel)
Vielleicht ist es wirklich keine Weltstadt und auch keine Schönheit – im Krieg wurde hier fast alles zerstört – und dennoch: hier ist es viel besser als man glaubt.
Und das wollen wir jetzt einmal beweisen.

Geschichte

Das heutige Bochumer Stadtgebiet ist – im Bereich des Oelbachs – schon seit der späten Jungsteinzeit besiedelt.
890 wird der Ort erstmals urkundlich erwähnt, allerdings nimmt man an, dass Karl der Große bereits um 800 südlich der heutigen Propsteikirche, am Schnittpunkt von zwei Handelsstraßen, einen Reichshof anlegen ließ. 1041 findet man eine urkundliche Erwähnung in einem Dokument der Kölner Erzbischöfe unter dem Namen Cofbuokheim und 1321 bestätigt Graf Engelbert II von der Mark die Befugnisse des Schultheißen der Stadt.

St. Marien Kirche Bochum (Foto © Dagmar Postel)
Obwohl die Stadt bereits seit dem 14. Jahrhundert bereits das Recht zum Steinkohleabbau besaß, blieb sie dennoch in erster Linie ein Ackerbaustädtchen und eine innerländische Hansestadt bis ins 19. Jahrhundert hinein.

Bochum (Foto © Dagmar Postel)
1813 wurde die Herrschaft dem Ruhrdepartement des Großherzogstums Berg, später dann dem preußischen Zivilgouvernement zwischen Weser und Rhein übertragen, 1815 kam die Stadt dann ganz zu Preußen und wurde der Provinz Westfalen zugeordnet. Mit dieser Geschichtsentdeckung haben die Wiener Ohren doch wieder einmal Recht bekommen – das Preußische lässt sich in einigen Bochumern auch heute nicht ganz verbergen – wenn es auch bestritten wird.

Bergbaumuseum Bochum (Foto © Dagmar Postel)
1841 beginnt die erste Blütezeit der Stadt, der Aufstieg zur Zechenstadt beginnt, hinter der Stadtgrenze des damals noch selbständigen Hamme wird der erste Schacht der Zeche Präsident in die Tiefe gegraben, die Mergeldecke wird durchstoßen und die erste Tiefbauzeche des westfälischen Teils des Ruhrgebietes wird in Betrieb genommen. Weitere Zechen entstehen – die Stahlindustrie entsteht, wobei der entscheidende Aufstieg und weitere Ausbau in den 1880er Jahren erfolgt: die Kohle wird als Koks veredelt, der für die Stahlerzeugung benötigt wird, Kokereien entstehen auf den Zechengeländen, die inzwischen auch über einen Bahnanschluss verfügen.

Die Spezialität im Ruhrgebiet - die Currywurst (Foto © Dagmar Postel)
1843 errichtet Jakob Mayer eine Fabrik zur Erzeugung von Gussstahl, 1854 – unter finanzieller Beteiligung von Kaufleuten aus Köln – wird der Betrieb in den auch später noch berühmten Bochumer Verein für Bergbau und Gußstahlfabrikation umbenannt und entwickelt sich zu einem führenden Unternehmen im Ruhrgebiet.
Die Zechen florieren und es werden immer mehr Arbeitskräfte benötigt: die Einwohnerzahl von Bochum steigt von 1843 bis 1873 von 4200 auf über 25.000 Menschen. Für die neuen Mitbürger werden Wohnungen in Werksnähe geschaffen, abseits von den traditionellen Wohnbereichen.

Im Bermuda-Dreieck von Bochum (Foto © Dagmar Postel)
Das Wachstum der Stadt entsteht ohne übergeordnete Planung, es gibt keine dazu passende Infrastruktur. Während an den Zechenstandorten Industrieansiedlungen und Werkswohnungen entstehen, betreibt die alt eingesessene Bevölkerung noch immer Landwirtschaft und Ackerbau, die nördlichen und östlichen Vororte wie Langendreer, Werne, Riemke und Hofstede müssen den stärksten Bevölkerungszuwachs verkraften.

Im Bergwerksmuseum (Foto © Dagmar Postel)
1894 wird die erste Straßenbahnlinie in Betrieb genommen und sie verbindet Bochum mit Herne. Den damaligen Betreiber gibt es noch heute: die BoGeStra – die Bochum-Gelsenkirchener Straßenbahnen AG.
Später werden auch Hamme, Hofstede, Grumme und Wiemelhausen eingemeindet und 1905 wird Bochum mit 100.000 Einwohnern zur Großstadt.

Anneliese Brost Musikforum (Foto © Dagmar Postel)
Die Folgen des Ersten Weltkriegs – Arbeitslosigkeit, Streiks, französische Besatzung und Geldentwertung – unterbrechen das weitere Wachstum der Stadt. Erst 1925 bis 1929 stellt sich der Aufschwung wieder ein, jetzt werden Riemke, Langendreer, Stiepel und Querenburg auch eingemeindet.
1938, in der Reichpogromnacht, kommt es auch hier zu Ausschreitungen gegen jüdische Mitbürger, die Synagoge wird in Brand gesteckt, zahlreiche jüdische Einrichtungen und Wohnungen zerstört und die ersten jüdischen Bürger in Konzentrationslager verschleppt. Im Dezember desselben Jahres rettet die jüdische Volksschullehrerin Else Hirsch in insgesamt 10 Kindertransporten nach Niederlande und Großbritannien vielen jüdischen Kindern und Jugendlichen das Leben. Auch Bochumer Kinder anderer verfolgten Gruppen werden von niederländischen Familien aufgenommen und so vor dem Tod bewahrt.

Mehr als 30.000 Menschen werden als Zwangsarbeiter in Bochum und Wattenscheid während des Zweiten Weltkriegs eingesetzt.
Durch die Stahlproduktion steht die Stadt im Fokus der Alliierten: 46 Bombadierungen, überwiegend durch die Royal Air Force mit insgesamt an die 11.595 Tonnen Bomben müssen Stadt und Einwohner überstehen. Immerhin war der Bochumer Verein der drittgrößte Betrieb der Vereinigten Stahlwerke AG.
Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs gehört Bochum zur Britischen Besatzungszone.

Vom Kuhhirtenmuseum zur Propsteikirche (Foto © Dagmar Postel)
Langsam entwickelt sich die Stadt zu einem Kulturzentrum des Ruhrgebietes. Bereits seit 1919 ist Bochum Theaterstadt, seit 1988 ist hier auch mit Starlight Express das Musical zu Hause.
1962 eröffnet die Opel AG ihre drei Werke, 1964 entsteht mit dem Ruhrpark das zweite Einkaufszentrum Deutschlands, das auf der grünen Wiese gebaut wurde, noch heute ist es das größte in ganz Deutschland.

Im Bermuda-Dreieck von Bochum (Foto © Dagmar Postel)
1965 wird die Ruhr-Universität gegründet.
1973 schließt mit der Zeche Hannover die letzte Bochumer Zeche, es entstehen große grüne, fast ländlich wirkende Bereiche, die unter anderem bis zur Ruhr und zum Kemnader Stausee reichen und ein wahrer Schatz für die Freizeitgestaltung der Bewohner darstellen. Hier kann man spazieren gehen, joggen, skaten oder einfach in der Wiese chillen und auf Ruhr oder den See blicken.
Der Name
Um 1150 wurde Bochum in Urkunden noch als Bokheim gezeichnet. Aus dem –heim wurde vielerorts später die Endung –um und Bok heißt im Niederdeutschen Buche. Damit kann Bochum als Buchenheim übersetzt werden – ein Wohnort bei den Buchen.

Altes Brauhaus und Rathaus

Die Sehenswürdigkeiten

Das Alte Brauhaus

Vis à vis von der Propsteikirche, in der Großen Beckstraße 7 liegt das Alte Brauhaus Rietkötter. Es ist das älteste Wohnhaus, das in der Innenstadt erhalten geblieben ist und es gehörte im 17. Jahrhundert einer Pfarrer-Familie.

Das Alte Brauhaus (Foto © Dagmar Postel)

Unter seinem Wappen kann man an der Fassade noch die Jahreszahl 1777 erkennen. Dieses Jahr gilt als das Gründungsjahr der Brauerei, die die Familie Rietkötter im 19. Jahrhundert aufkaufte. Heute lässt es sich im Sommer schön im Schatten unter den Bäumen bei einem Glas Bier sitzen.

Das Rathaus

1921 wurde das alte Rathaus zu klein, sodass der Magistrat der Stadt beschloss einen Architektenwettbewerb zum Bau eines neuen Rathauses auszuschreiben. Der Wettbewerb wurde durchgeführt, einige Entwürfe wurden sogar prämiert, allein es wurde nicht gebaut. Als sich schließlich einige Jahre später der Neubau nicht mehr länger aufschieben ließ, gab es eine neue Ausschreibung, es wurden wieder Entwürfe prämiert, aber den Auftrag erhielt kein teilnehmender Architekt, sondern Professor Karl Roth, den man aufgefordert hatte, einen Entwurf außer Konkurrenz einzureichen.

Das Bochumer Rathaus

Die Vorgabe war ein Rathaus zu schaffen, dass den Charakter einer aufstrebenden modernen Industrie-Großstadt betonen sollte, ohne überflüssigen Prunk, aber dennoch in würdiger Ausgestaltung.
Roth war schon damals für seine Rathausbauten in Dresden und Kassel bekannt, er begann mit den Bauarbeiten 1926 und am 20.5.1931 konnte das Rathaus bereits seiner Bestimmung übergeben werden.

Das Bochumer Rathaus (Foto © Dagmar Postel)

Es hat einen streng symmetrischen Grundriss mit einem großen Innenhof in dessen Mitte sich der Saalbau vorschiebt. Im Innenhof finden sich links und rechts vom Saalbau zwei Brunnen, die aus Travertin und Bronze gefertigt sind, der Brunnen der Schönheit auf der linken und der Brunnen des Glücks auf der rechten Seite.

Im Innenhof des Bochumer Rathauses (Foto © Dagmar Postel)

Die kleinen vergoldeten Putten sollen das häusliche Glück symbolisieren, mit Ehering, einem Pantoffel für die Häuslichkeit, einem Apfel für die Fruchtbarkeit und einer leeren Geldbörse für die Sparsamkeit. Eine Putte mit Schale, Pfeife und Seifenblase zeigt aber auch dass alles häusliche Glück Illusion sein kann. die letzte Putte weist mit ihrer Tafel „August Vogel hat mich gemacht“ auf den Schöpfer des Brunnen hin.

Die Putten am Rathausbrunnen (Foto © Dagmar Postel)

Die Lampen, die den Innenhof beleuchten, aber auch die Brunnen und die Geländer erinnern mit ihrem Dekor und Aussehen ein wenig an den Wiener Jugendstil.

Im Innenhof des Bochumer Rathauses (Foto © Dagmar Postel)
Die Außenfassade ist schlicht und streng gehalten, der Sockel besteht aus Granitstein, für die Fassade wurde Muschelkalk verwendet, für das Steindach Schiefer und in den Fluren und Repräsentationsräumen kam Marmor, Kupfer und Bronze zum Einsatz.

Durchgang zum Innenhof (Foto © Dagmar Postel)
Eine Besonderheit stellt das Glockenspiel im Rathausturm dar, das aus 28 Gussstahlglocken, die ein Gewicht von 2.300 Kilo aufweisen, besteht. Es ist das erste aus Gussstahl hergestellte Glockenspiel der Welt. Die schwerste Glocke wiegt 375 und die leichteste vier Kilogramm.

Die große Glocke vor dem Bochumer Rathaus (Foto © Dagmar Postel)

Da das ursprüngliche Glockenspiel im Krieg zerstört wurde, schenkte der Bochumer Verein 1951 der Stadt ein neues Glockenspiel, das nun bekannte Volksmelodien, aber auch Beethovens Freude schöner Götterfunken und Yesterday von den Beatles spielt. Täglich um 8:00, 12.00, 16:00 und 20:00 Uhr – in der Weihnachtszeit noch häufiger – sind diese zu hören. Allerdings muss ich gestehen, dass es mir – obwohl schön ofter in Bochum – noch nie gelungen ist, das Glockenspiel zu hören. Aber das nächste Mal wird darauf geachtet, immerhin wird es von Fachleuten als das beste in Deutschland bewertet, da es den alten, berühmten holländischen Glockenspielen ähnelt.

Innenhof des Rathauses (Foto © Dagmar Postel)

Glocken, insbesondere aus Gussstahl, haben für die Stadt große Bedeutung: erlangten sie doch in der Vergangenheit Weltruhm. Daran erinnert auch die große Glocke vor dem Rathaus, die 1867 bei der Pariser Weltausstellung die Attraktion war, wurde doch mit ihrem Geläut die Veranstaltung eröffnet. Der Bochumer Verein für Bergbau und Gussstahlproduktion, den später die Friedrich Krupp Hüttenwerke übernahmen, hatte sie gegossen und auf dem Werksgelände der Krupp Stahl AG war sie auch lange Zeit nach ihrer Rückkehr von der Pariser Weltausstellung ausgestellt. Erst 1979 schenkte die Krupp AG der Stadt Bochum die Glocke, die einen Durchmesser von 3,13 Metern und ein Gewicht von 15.000 Kilogramm hat. Das sie im Zweiten Weltkrieg beschädigt wurde, kann sie nicht mehr geläutet werden.

Im Innenhof des Rathauses (Foto © Dagmar Postel)
Vielleicht noch ein Hinweis auf die Büste eines berühmten Bochumer Bürgers mit Österreich-Bezug: Graf Heinrich Johann Friedrich Ostermann war bei einem russischen Gesandten als Hauslehrer angestellt und gelangte später nach Petersburg bis an den Hof des Zaren Peter I. Der 1687 geborene Bochumer wurde dessen Geheimschreiber und brachte es zum Reichsvizekanzler, Außenminister, Erzieher von Peter des Großen und 1740 zum Großadmiral. Allerdings verbannte ihn die Zarin Elisabeth wegen seiner Österreich freundlichen Politik nach Sibirien, wo er 1747 in der Verbannung in Beresow starb. Die Büste finden Sie vor dem Kleinen Sitzungssaal im ersten Stockwerk.

Die Propsteikirche St. Peter und Paul

Die Kirche gilt als die älteste Kirche Bochums: bereits um 785 – 800 stand hier vermutlich eine hölzerne Missionskapelle, die Karl der Große in unmittelbarer Nachbarschaft zu seinem Reichshof errichten ließ und die damals allein dem Heiligen Petrus geweiht war.
Im 11.Jahrhundert wurde sie wahrscheinlich neu als Steinbau errichtet, fiel aber 1517 einem verheerenden Stadtbrand zum Opfer, der auch ganz Bochum zerstörte, allein der romanische Chor überstand die Flammen.

Propsteikirche in Bochum (Foto © Dagmar Postel)
Das Gotteshaus wurde als spätgotische Hallenkirche wieder aufgebaut, der romanische Chor eingefügt, das Netzgewölbe 1536 eingebaut und der Turm schließlich 1547 mit 68 Meter Höhe vollendet. Er gilt seitdem als eines der Wahrzeichen der Stadt. Damals gesellte sich auch der Heilige Paul zu Petrus als Pfarrpatron.

Fenster in der Propsteikirche (Foto © Dagmar Postel)

1872-1874 wurde der romanische Chor abgerissen und durch einen neugotischen ersetzt, 1888 wurde die Kirche per päpstliches Dekret in den Rang einer Propsteikirche erhoben.
1920 erlitt die Kirche ebenfalls durch einen Brand wieder erhebliche Schäden.

Das Taufbecken in der Propsteikirche von Bochum (Foto © Dagmar Postel)
1935 machte sich in der Kirche Widerstand gegen den Nationalsozialismus breit. Der Redemptoristen-Pater Erwin Görlich, der für seine flammenden Reden bekannt war, engagierte sich gemeinsam mit anderen Ordensbrüdern im Rahmen der Volksmission. Andachten und Gebete sollten der nationalistischen Ideologie den Nährboden entziehen. Diese Handlungen zogen bald die Aufmerksamkeit der Gestapo auf sich und Pater Görlich musste untertauchen.

In der Propsteikirche (Foto © Dagmar Postel)

Die Propsteigemeinde legte daraufhin das Gelübte ab, Gebetswachen einzuführen wenn der Ordensmann seinen Häschern entkommen konnte. Das Unerwartete, fast könnte man es als Wunder bezeichnen, geschah: Görlich konnte sich in Sicherheit bringen, die Gestapo konnte ihn nicht fassen. So wurde am 24.6.1935 das Allerheiligste nach der großen Stadtprozession zum ersten Mal zu Anbetung ausgesetzt und dieser Brauch lebt seitdem – trotz kurzzeitiger Unterbrechung in der Endphase des Zweiten Weltkriegs – fort, sein 1950 in der eigens dafür errichteten Sakramentskapelle.

In der Propsteikirche (Foto © Dagmar Postel)
1944 wurde die Kirche von Bomben getroffen uns schwer zerstört: bis auf das Westjoch stürzten alle Landhausgewölbe und der Dachstuhl ein, Maßwerke und Fenster zerbrachen. Von 1948 bis 1959 dauerte der Wiederaufbau als dreischiffige Hallenkirche in den Formen der westfälischen Gotik mit zwei neuen Kapellen.

Propsteikirche (Foto © Dagmar Postel)
Im Inneren der Kirche befinden sich zahlreiche sehenswerte Kunstwerke. Das älteste ist der um 1175 geschaffene romanische Taustein mit Reliefdarstellungen der Geburt Christi, der Heiligen Drei Könige, des Kindermordes durch Herodes sowie der Taufe und Kreuzigung Christi.

Propsteikirche in Bochum (Foto © Dagmar Postel)
Sehenswert sind auch die drei neugotischen Altäre: In den Hochaltar ist das Bladenhorster Kreuz integriert, das 1352 von Bernhard von Waltrop geschaffen wurde. Der Marienaltar wird von der Ittenbachmadonna beherrscht, ein Werk von Franz Ittenbach, datiert auf 1875. Der Reliquienschrein der Heiligen Perpetua und Felicitas geht auf die Zeit um 1100 zurück und wurde zuletzt 1881 ausgeweitet und die Beweinungsgruppe aus Eichenholz wird auf ungefähr 1520 datiert.

Das Kuhhirten-Denkmal

In Sichtweite der Propsteikirche auf der Bongardstraße steht das Denkmal von Bochums letztem Kuhhirten Fritz Korebusch und seinem Hund. Von 1850 bis 1870 trieb er das Vieh der Bürger auf die sogenannte Vöde, die städtische Weide, dem heutigen Stadtpark und zum Saufen zur Trankgasse.

Das Kuhhirtendenkmal in Bochum (Foto © Dagmar Postel)
Mit der Entwicklung Bochums zur Industriestadt wurde dem Viehtrieb allerdings ein Ende gesetzt, auch die notwendige Überquerung der immer stärker befahrenen Bongardstraße machte immer größere Mühen und so wurde der Viehtrieb 1870 eingestellt und Teile der Vöde 1876 in den Stadtpark umgewandelt.
1908 erinnerte man sich wehmütig an die alten Zeiten und so wurde der Münsteraner Bildhauer Erich Schmiemann mit der Gestaltung des Denkmals beauftragt, das damals auf dem marktplatz errichtet wurde.

Nachdem es im Zweiten Weltkrieg eingeschmolzen wurde, forderten kurz nach Kriegsende Bochumer Bürger die Aufstellung einer Rekonstruktion des alten Kuhhirtendenkmals. Doch es dauerte bis 1962 bis eine geringfügig kleinere Plastik auf einem schlichten Sockel, geschaffen vom Bochumer Bildhauer Walter Kruse an seinem jetzigen Platz aufgestellt wurde.

Kuhhirtendenkmal und Pauluskirche

Die Pauluskirche

Sie ist die älteste protestantische Kirche von Bochum und für mich das Herz der Innenstadt. Beim Flanieren in der Fußgängerzone und auch beim vielen städtischen Veranstaltungen, wie dem Weihnachtsmarkt, pulsiert immer wieder das Leben der Stadt rund um die Kirche.

Die Pauluskirche im Herzen von Bochum (Foto © Dagmar Postel)
Zuerst hatten sich Protestanten und Katholiken nach der Reformation lange, aber nicht immer einvernehmlich die einzige Kirche Bochums, die heutige katholische Propsteikirche geteilt.
Zwischen 1655 und 1659 begann dann die lutherische Gemeinde mit dem Bau eines eigenen Gotteshauses und errichteten das schlichte Renaissancegebäude wurde zwischen 1655 und 1659 errichtet, nachdem der Westfälische Frieden 1648 ein eigenes Gotteshaus für die lutherische Gemeinde in Bochum ermöglichte. Leider fehlten der Gemeinde die finanziellen Mittel für den Bau und so ergingen Spendenaufrufe auch nach Dänemark, Schweden und Holland.

Die Pauluskirche in Bochum (Foto © Dagmar Postel)
Erst 1874 erhielt sie Ihren Namen als Pauluskirche, davor sprach man nur von der größeren evangelischen oder lutherischen Kirche.
Während eines Bombenangriffs am 12.6.1943 wurde die Kirche getroffen und brannte bis auf die Grundmauern nieder. Nach dem Krieg wieder aufgebaut, erhielt sie das heutige, einer mittelalterlichen Dorfkirche ähnliche aussehen. 1949 wurde ihr Turm erhöht, ein kleiner Platz geschaffen und man versuchte die Bauten in der unmittelbaren Nachbarschaft möglichst niedrig zu halten, was aber nicht ganz gelungen ist.

Die Pauluskirche in Bochum (Foto © Dagmar Postel)
Das Innere der Kirche wurde stark verändert. Die modernen Fenster im Altarraum wurden um 1960 vom Bochumer Künstler K. Willy Heyer geschaffen und zeigen Szenen (die Wandlung des Saulus zum Paulus) aus dem Leben des Apostel Paulus, dem Namenspatron der Kirche. 1974 wurde der Innenraum erneut nach Plänen von Kurt Peter Kremer umgestaltet.

Mahnmal des Friedens oder „Die trauernde Alte“

Neben der Kirche steht eine trauernde Frauengestalt aus Basaltlava, die an die Schrecken des Zweiten Weltkrieges und an den schwersten Bombenangriff auf Bochum am 4.11.1944 erinnern soll, Die alte Frau, die – wohl vergeblich – nach jemanden Ausschau hält, ist ein Werk des Kölner Bildhauers Gerhard Marcks und wurde 1955 enthüllt.

Die trauernde Alte vor der Pauluskirche (Foto © Dagmar Postel)

Platz des Europäischen Versprechens und Christuskirche

Die Christuskirche, nicht weit vom Rathaus entfernt, wurde 1877-1878 errichtet, jedoch im Zweiten Weltkrieg bis auf den Turm zerstört. Dieser blieb als Mahnmal stehen und in den 1950ern wurde nach den Plänen von Dieter Öesterlen ein moderner Kirchenbau angefügt.

Die Christuskirche am Platz des Europäischen Versprechens (Foto © Dagmar Postel)
Da der Turm bereits nach dem Ersten Weltkrieg in eine Kriegsheldengedenkhalle umgewidmet worden war, blieb er Jahrzehnte verschlossen. Im Dezember, nach der Neugestaltung des Vorplatzes zum „Platz des Europäischen Versprechens“ wurde der Turm nun wieder der Öffentlichkeit zugänglich gemacht.

Die Christuskirche am Platz des Europäischen Versprechens (Foto © Dagmar Postel)

Der Platz des Europäischen Versprechens ist ein Konzeptkunstwerk von Jochen Gerz. Er soll eine Einladung sein, Europa ein Versprechen zu geben, das jeder für sich behalten kann. An Stelle der Versprechen wurden die Namen der 14.426 Teilnehmer von 2004 bis 2015 in den Steinboden des neuen Platzes eingeschrieben. Sie sind die Autoren des Platzes des europäischen Versprechens.
Den Anstoß zu dem künstlerischen Konzept gab der Turm der Christuskirche und die darin befindliche Liste der Gefallenen des Ersten Weltkriegs, sowie ein Mosaik von 1931 mit einer Liste von 28 „Feindstaaten“ Deutschlands. Der Platz des Europäischen Versprechens soll diesem Zeugnis der Geschichte eine Antwort der Lebenden gegenüberstellen.

Die Christuskirche am Platz des Europäischen Versprechens (Foto © Dagmar Postel)
Der Platz ist Europa gewidmet und der Frage wofür sich heute die Menschen engagieren. Jeder, der eingetragenen Namen ist ein gegebenes Wort und wer in Zukunft auf diesem Platz innehält wird im Meer der fremden Namen die Einladung zum eigenen Beitrag hören – und Europa ein Versprechen geben.

Die Christuskirche am Platz des Europäischen Versprechens (Foto © Dagmar Postel)
Die Neugestaltung des Platzes war auch ein Beitrag zur Kulturhauptstadt Europas Ruhrgebiet 2010.

Bermuda3eck, Anneliese Brost Musikforum

Das Bermuda3eck

Jetzt aber weg mit den Gedanken an schreckliche Ereignisse, jetzt geht es in Feierlaune ab in das angesagteste Grätzl der Stadt: Das Bermuda-Dreieck.

Das Bermuda-Dreieck in Bochum (Foto © Dagmar Postel)

Obwohl viel später als die gleichnamige Wiener Ecke entstanden, scheint es mir, dass es an Größe gegenüber seinem Wiener Pendant auf jeden Fall gewonnen hat. Mit über 60 gastronomischen Betrieben zählt es zu den wichtigsten Ausgeh- und Kneipenviertel des Ruhrgebiets, bis zu 30.000 Gäste werden hier pro Tag im Sommer versorgt und wenn es solch große Events wie Bochum Total zum Feiern gibt (jeweils immer am ersten Wochenende der nordrhein-westfälischen Sommerferien), dann können sich bei schönem Wetter schon bis 400.000 Besucher an einem Tag über einander stapeln.

Im Bermuda Dreieck von Bochum (Foto © Dagmar Postel)

Der Ruhri feiert eben gerne. Es sind aber nicht nur die neuen, schicken Lokale, die das Publikum anziehen, sondern auch die eingesessenen Gaststätten, Kneipen, und auch die eine oder andere Würstelbude, wo dann die Currywurst des Hauses mit Pommes stolz als Spezialität serviert wird. Getrunken wird in großer Mehrheit dazu Bier, das natürlich auch Biochums Paradebrauerei – Fiege – stammen muss.

Die Marienkirche und das Anneliese Brost Musikforum Ruhr

Mit ihrem fast 70 Meter hohen neugotischen Spitzhelm sieht man die von 1868 bis 1872 erbaute Kirche schon von weitem. Doch heute widmet sich das Gebäude weltlichen, wenn auch künstlerischen Dingen.

Anneliese Brost Musikforum und die Marienkirche (Foto © Dagmar Postel)

Lange Zeit hatten die Bochumer Symphoniker keine eigene Heimstätte, doch 2016 war es dann soweit: Die ehemalige Marienkirche wurde in ein Foyer für einen wunderbaren Konzertsaal umgewandelt und beeindruckt durch ihre Höhe und Weite den Besucher schon vor dem Konzerterlebnis.

In der Lobby des Anneliese Brost Musikforums (Foto © Dagmar Postel)

Mit der Verbindung der „alten“ Kirche mit dem neuen Konzertsaal ist den Bochumern wieder eine wunderbare Symbiose aus Alt und Neu gelungen, die man auch bei einigen anderen Gebäuden und deren neuer Nutzungsmöglichkeiten entdecken kann. Toll wie hier alte Gebäude bewahrt und mit neuen Adaptionen wieder Leben eingehaucht wird.

Anneliese Brost Musikforum und Marienkirche (Foto © Dagmar Postel)
Marienkirche und Konzertsaal gehören nun zum Anneliese Brost Musikforum Ruhr und sind nun die Heimstätte des bereits 1919 gegründeten Orchesters der Stadt Bochum, das sich seither zu einem der wichtigsten Klangkörper im Westen Deutschland entwickelt hat.

Anneliese Brost Musikforum und Marienkirche (Foto © Dagmar Postel)

Hauptbahnhof, Stadtpark, Bismarckturm, Kortum Park

Terminal und Hauptbahnhof

Einst war es ein Wahrzeichen der Dokumenta in Kassel, die Skulptur des amerikanischen Künstlers Richard Serra, doch dann erstand die Stadt Bochum das Terminal genannte Kunstwerk 1977 und stellte es 1979 an der Kreuzung vor dem Bahnhof auf. Das Terminal, ein Turm aus massivem Corten Stahl, 12 Meter hoch und 100 Tonnen schwer dokumentiert wie nichts anderes die Verflechtung der Stadt mit der Stahlindustrie. Trotzdem erzeugen die Stahlplatten, die wie Teile eines Kartenhauses aneinander gelehnt stehen, den Eindruck einer gewissen Leichtigkeit und sind vielleicht auch ein Sinnbild, dass jede noch so große Industrie bei wirtschaftlichen Veränderungen und Entwicklungen wie ein Kartenhaus zusammenbrechen kann.

Bochumer Hauptbahnhof (Foto © Dagmar Postel)
Der Hauptbahnhof wurde 1957 fertig gestellt, ist denkmalgeschützt und zählt zu den prominentesten Vertretern deutscher Bahnhofsarchitektur. Von seiner ursprünglichen Lage musste er aufwändig um 800 Meter verlegt werden um besser in die zukünftigen Stadtentwicklungspläne zu passen. Das elegant geschwungene Dach der Bahnhofsvorhalle ist in Anlehnung an den Bahnhof Termini in Rom entstanden.

Bochumer Stadtpark

In vielen Köpfen spuckt noch immer das Ruhrgebiet als grau und dreckig mit Schloten und dunklen Häusermauern herum. Die Mauern der Häuser sind auch heute noch vielerorts mit dunklen Klinkern und Ziegeln verkleidet, die Stadt aber ist grün und auch die Luftqualität ist in Ordnung. Wer heute seine weiße Wäsche im Freien trocknen lässt, muss nicht fürchten sie so wie früher grau abnehmen zu müssen.

Dafür sorgen nicht nur die Naherholungsgebiete an der Ruhr, der Kemnader See oder das nahe Heveney, sondern auch Parks mitten in der Stadt.

Eine der ältesten dieser Parks ist der Bochumer Stadtpark, der sich in unmittelbarer Nähe der Innenstadt befindet und 1876 im Stil eines englischen Gartens angelegt wurde. Der Park am Platz der ehemaligen Viehweiden ist der älteste Landschaftsgarten im Ruhrgebiet und seine 311.402 Quadratmeter gehören zu den schönsten in Nordrhein-Westfalen: zeichnet ihn doch nicht nur ein romantischer Gondelteich, Rosengarten und beeindruckende Wasserfontänen aus, sondern auch ein reichhaltiger Baumbestand mit exotischen Laubgehölze wie Götter-, Tulpen-, Trompeten-, Schnur- und Amberbäumen und vielen anderen prächtigen Exemplaren.

Kinder freue sich sicher über einen Besuch im Tiergarten, am Minigolfplatz oder aber auf einen Ausflug zum Abenteuerspielplatz und natürlich im Sommer auf den großen Wasserspielplatz. Natürlich ist auch das 2001 wieder eröffnete Milchhäuschen – jetzt ein Eis-Café – bei Klein und Groß sehr beliebt.

Sehenswert sind auch die modernen Plastiken von Ales Vesely und ein Skulptur von Giuseppe Spagnulo am Parkeingang. Wer möchte kann auch zu den Resten eines großen Kriegerdenkmals beim südwestlichen Eingang spazieren. Im alten Gebäude des Parkhauses ist nun die Gastronomie im Stadtpark untergebracht und der Park selbst wie auch etliche Villen, die sich auf seinem Gelände befinden stehen heute unter Denkmalschutz.

Der Bismarck-Turm

Nach dem Tod von Bismarck 1898 riefen deutsche Studenten im ganzen Land auf „Flammen über ganz Deutschland zu Ehren Bismarcks leuchten zu lassen“ und im ganzen Land Säulen und Türme mit Feuerschalen zu Ehren des Verstorbenen zu errichten. So bildete sich auch in Bochum 1908 ein Ausschuss zum Bau eines Bismarckturms, aus über 650 Entwürfen wurde der des Breslauer Architekten Albrecht Friebe ausgewählt und die Bochumer sammelten 100.000 Mark für den Bau.

Bismarckturm (Foto © Dagmar Postel)

1909 wurde der Grundstein gelegt und am 16.10.1910 wurde eröffnet. Der Bochumer Bismarckturm ist mit 33 Meter das größte Exemplar in Nordrhein-Westfalen. Seine Flammen brannten von 1910 bis in die 20er Jahre. Heute hat man bei schönem Wetter eine gute Sicht auf viele Bochumer Wahrzeichen der Stadt.

Der Kortum Park

Eigentlich ist es einer der ältesten Friedhöfe der Stadt und bei einem Rundgang durch den Park an der Wittener Straße kann man die Bochumer Stadtgeschichte lebendig werden lassen.
Zu Beginn des 19. Jahrhundert wurde der Friedhof zu klein, er wurde geschlossen und damit der heutige Kortum-Park als Parkanlage mit Bäumen, Sträuchern und Blumen angelegt. Zunächst beherrschten die Grabsteine verdienter Bochumer Familien das Bild, auch Carl Arnold Kortum liegt hier im Kreise seiner Angehörigen begraben, auch berühmte Persönlichkeiten aus Bergbau und Industrie kamen dazu. Nach 1872 wurden nur noch die Gruften als Begräbnisstätten genutzt.

Tierpark, Planetarium, Sternwarte

Der Tierpark und Fossilium mit den Nordseewelten

Es gibt größere Tierparks in Nordrhein-Westfalen, aber immerhin bietet der Bochumer Tierpark der im Stadtpark nahe der Innenstadt liegt ein Heim für 3.500 Tiere – 350 Arten – aus allen Kontinenten. Und so finden sich Papageienanlagen und Freiluftvolieren, Seehunde, Gibbons, Luchse, Nasenbären, Kattas, Seychellen-Riesenschildkröten, Steinadler, Geier, Störche und viele Wasservögel.

Tierpark Bochum (Foto © Dagmar Postel)
2006 wurde die Erlebnisanlage Nordseewelten mit Dünenlandschaft und Strandkörben eröffnet, im 4.50 Meter tiefen Seehundbecken befinden sich 565.000 Liter Meerwasser und die Besucher können nicht nur von unterschiedlichen Höhenniveaus auf die Tiere blicken, sondern die Seehunde und Pinguine auch unter Wasser beobachten.

Tierpark Bochum (Foto © Dagmar Postel)
Im Aquarien- und Terrarienhaus sieht man seltene Echsen, Schildkröten und Schlangen in einer südamerikanischen Regenwald-Landschaft und in einem nachempfundenen Urwaldfluss sind Glattstirn-Kaimane über und unter Wasser zu beobachten. Süßwasserstechrochen, Seepferdchen, Doktor- und Diskusfische und Knochenhechte sind ebenfalls hier zu Hause.

Tierpark Bochum (Foto © Dagmar Postel)

Lisztaffen, Zwergseiden- und Krallenaffen sind ebenfalls hier zu Hause und im tropischen Korallenriff des Meeresaquariums tummeln sich Korallenfische, Korallen, Seesterne, Seeigel, Seegurken und Schnecken.

Tierpark Bochum (Foto © Dagmar Postel)
Im Fossilium zeigt man die Welt der Dinausaurier und einen umfassenden Einblick in die Tier- und Pflanzenwelt von vor 150 Millionen Jahre und in 55 Vitrinen sind Objekte aus der Jurazeit zu sehen, als Afrika und Europa noch weit auseinander lagen und hier tropisches bis subtropisches Klima herrschte.

Tierpark und Fossilium Bochum
44791 Bochum, Klinikstraße 49
Tel: +49 234 95 02 90
Email: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!
www.tierpark-bochum.de

Das Zeiss-Planetarium

In der Castroper Straße in Bochum befindet sich das Planetarium, das nach den Plänen von Karl-Heinz Schwarze in den Jahren 1962 bis 1964 entstanden ist. Mit einem Durchmesser von rund 20 Metern und seinem Planetar als Kernstück der Anlage kommt es auf eine Projektionsfläche von um die 600m2.

Der zentrale Projektor zeigt den Sternenhimmel wie man ihn von der Erde sehen kann: Der Besucher kann daher am immer wolkenlosen Planetariumshimmel über 9.000 brillante Sterne leuchten sehen. 2010 wurde das Ganzkuppel-Videosystem installiert, das die Kuppel zur Spielfläche des gesamten Universums machen kann: atemberaubende Flüge durch das Sonnensystem bis hin zu fernen Galaxien in die Tiefen des Alls sind möglich, aber auch Landungen auf Planeten und auch die Erde erscheint plötzlich in einem ganz anderen Licht.

Die Sternwarte

in der Sternwarte, nach Ihrem Gründer Professor Heinz Kaminski Kap Kaminski genannt, kann man jeden Freitag zwischen 19:30 und 21:30 die Sterne auf den zahlreichen Teleskopen beobachten. Außerdem befinden sich im Inneren des Radoms eine 20 Meter Parabolantenne und wechselnde Ausstellungen.

Colosseum

Es ist ein Riesenbau, die mächtige Stützmauer im Arkadenstil am Eingang des Kruppgeländes, die seltsam grotesk und doch wieder fast schön an der Alleestraße an eine antike römische Arena erinnert. Mir ist das Bauwerk eigentlich erst bei den Feierlichkeiten zur Kulturhauptstadt Ruhr 2010 aufgefallen, auch die seltsamen Gebilde, die in den Nischen stehen, damals beleuchtet, hatten es mir angetan und so machte ich mich auf die Suche auf der südlichen Seite des Westparks.

Blick auf das Colosseum (Foto © Dagmar Postel)

Das Bauwerk ist wirklich eine riesige Stützmauer, eine Ziegelkonstruktion aus rund 2,8 Millionen Ziegelsteinen, die die Erdmassen eines 16 Meter hohen Plateaus sicherte und früher von der Belegschaft der Kruppwerke auch als Klagemauer bezeichnet wurde.

Colosseum in Bochum (Foto © Dagmar Postel)

Sie musste dem Druck des fast 300 Meter langen und etwa 100 Meter tiefen Hallenkomplexes zweier Siemens-Martin-Stahlwerke standhalten. 1910 wurde der Plan beschlossen hier ein zweites Stahlwerk für Massenstahl zu bauen. Die Bochumer Anlage bestand aus einer Gaserzeugerhalle mit den Generatoren, der 80 Meter langen Mischerhalle, der Ofenhalle und der 120 Meter langen Gießhalle. 1911 wurde mit dem Bau begonnen, ein Jahr später das Werk in Betrieb genommen, das auch 1926 mit einer Leistung von 26.000 Tonnen Stahl monatlich noch als außerordentlich leistungsfähig galt.

Colosseum (Foto © Dagmar Postel)
1983 jedoch kam das endgültige Aus für die Aufbauten und alle Bauwerke wurden auf dem Plateau so gründlich abgetragen, dass heute kaum noch Spuren davon auszumachen sind. Im Inneren des Gebäudes ist das aber anders: hier kann man noch die runden Gemeinschaftswaschbecken auf der linken Seite und die Duschen und Wannen auf der rechten Seite finden. Außerdem waren hier noch Büros und Materiallager untergebracht.

Colosseum (Foto © Dagmar Postel)
Man möchte sich nicht vorstellen, was sich hier zu Kriegszeiten abgespielt hat: im untersten Geschoss findet man noch die Kriechgänge, die im Zweiten Weltkrieg in den Berg getrieben wurden und die bei Luftalarm über Fluchttreppen aus den oberen Hallen erreicht werden konnten. Doch auch bei Alarm musste die Stahlproduktion weitergehen, denn ein Erkalten des flüssigen Stahls hätte die Siemens-Martin-Öfen zerstört. Das bedeutete, dass einige Arbeiter – meistens Fremdarbeiter – auch während der Luftangriffe oben bleiben mussten.

Colosseum (Foto © Dagmar Postel)
Steht man vor dem Gebäude kann man die sieben Stahlskulpturen des Bochumer Künstlers Friedrich Gräsel sehen, die in der Rundbogenfassade präsentiert werden. Sie waren 1994 bereits dort ausgestellt, dann auf einer Wanderausstellung und sind seit 2001 wieder dort platziert. Die Skulpturen bestehen aus industriellen Normteilen, meistens Rundrohren, die zu Stahlstelen zusammengeschweißt und verschiedenfarbig angemalt wurden und in der Dunkelheit in farbigem Glanz erstrahlen.

Colosseum (Foto © Dagmar Postel)
Davor scheint es eine Anlage für Skater zu geben, die unteren Geschosse sind behelfsmäßig mit Gittern gesperrt, die aber sicher niemanden abhalten, wenn er in diesen Bau hinein möchte. Die Mauer bzw. das ganze Bauwerk wirkt baufällig und verfallen obwohl es 2010 nach einer Renovierung wieder eröffnet wurde.

Wünschenswert wäre auch eine Renovierung und Nutzung der unteren Nischen und vielleicht gibt es ja doch irgendwann wieder eine Nutzung dieses Wahrzeichens des Kohle- und Stahlzeitalters der Stadt. Haucht dem Colosseum doch wieder Leben ein…

Jahrhunderthalle Bochum

1902 fand die Düsseldorfer Industrie- und Gewebeausstellung statt, die – nach der letzten großen Weltausstellung in Paris – auch mit über 300 Ausstellungsgebäuden auf 530.000 Quadratmetern inoffiziell auch die „Kleine Weltausstellung“ genannt wurde.

Jahrhunderthalle Bochum (Foto © Dagmar Postel)

Hier mit dabei zu sein und natürlich auch mitzuhalten und all sein Können unter Beweis zu stellen war für den Bochumer Verein damals Ehrensache und so wurde ein prächtiger Bau für die Ausstellung geplant – der Entwurf stammte vom Architekten H. Schumacher, einem Angestellten des Bochumer Vereins - und errichtet, der eher an eine Kirche erinnerte als an ein Fabrikgebäude: 71 Meter lang, 33 Meter breit, dreischiffig, in sechs Joche gegliedert mit einem 70 Meter hohen Glockenturm, in dem drei der berühmten Gussstahlglocken des Bochumer Vereins untergebracht waren und einem kleinen Querschiff im vierten Joch der linken Seitenhalle mit großen, breiten spitzbogigen Fenstern an allen drei Giebeln.

Jahrhunderthalle Bochum (Foto © Dagmar Postel)

Fenster, Eckpfeiler, Pfeiler und Lisenen aus rötlicher Sandsteinnachahmung, die übrigen Wandflächen weiß und ungegliedert, ziegelrot bedeckte „Strebepfeiler“, zahlreiche Fialen mit Helmen, die im grünen Ton oxydierten Kupfers gestrichen waren und in Goldknäufe ausliefen.

Jahrhunderthalle Bochum (Foto © Dagmar Postel)

Im Inneren zeigte die Halle eine moderne Stahlkonstruktion aus sieben gelenkig gelagerten Bindern, die mit Pfetten, Dachreitern und Seitenschiffen auch heute noch der Kern und auch den Flair des Hallenkomplexes ausmachen. Denn es war bereits bei der Planung beschlossene Sache, die Halle nach Ausstellungsschluss wieder in Bochum aufzubauen und für die neu einzurichtende Gebläsemaschinenhalle für die Hochöfen zu nutzen.


Die Konstruktion war um die Jahrhundertwende weder neu noch selten, aber nur wenige dieser Bauten bleiben erhalten. Dennoch war die Jahrhunderthalle, die in ihrer Konstruktion eher einer Bahnhofshalle glich als den weniger schmucken „normalen“ Produktionsanlagen von Anfang an etwas Besonderes: vor allem die Stahlkonstruktion im Inneren verlieh ihr einen stimmungsvollen, festlichen, fast vornehmen Charakter.

Dieses Flair hat ihr wahrscheinlich auch das Überleben gesichert: sie wurde 2002 und 2003 denkmalgerecht instand gesetzt und mit einer aufwendigen Bühnentechnik versehen. Gleichzeitig baute man die sogenannte „Hofspange“ an, in der unter anderem die Künstlergarderoben untergebracht sind und das zweigeschossige Foyer, das mit seinem weit auskragenden Dach und der transparenten Fassade einen Teil der Gastronomie und auch den Haupteingang beherbergt.


Auch hier gelang den Verantwortlichen eine hervorragende Symbiose aus alt und neu, Industrie und Kultur. Diese Verbindung scheint in der Gegenwart charakteristisch für das Ruhrgebiet und ganz speziell für Bochum zu sein. Schließlich ist die Jahrhunderthalle seit April 2003 auch das zentrale Festspielhaus der RuhrTriennale und auch andere, bemerkenswerte Aufführungen und Veranstaltungen fanden hier bereits ihre Heimstätte.


Die Jahrhunderthalle ist heute das Zentrum des neu angelegten Westparks, dessen Umwandlung vom ehemaligen Stahlwerk zu einer grünen Oase inmitten der Stadt 1989 begann. In direkter Nachbarschaft zur Bochumer Innenstadt wurden 35 Hektar Brachfläche in die Internationale Bauaustellung Emscher Park damals integriert und bereits damals mögliche Flogenutzungen diskutiert ohne das noch bestehende industriehistorische Erbe des Areals zu verleugnen.


Auch diese Überlegungen und Umsetzungen kann man als geglückt bezeichnen. Egal ob Spaziergänger oder Radfahren, die Verbindung eines wunderbaren Parks mit neu gestalteten Zugängen, Liegewiesen, Aussichtspunkten und Spielplätzen sowie den Verbindungen zu den alten Bauwerken, in denen – auch außerhalb der Jahrhunderthalle – Kulturinitiativen Einzug hielten, spektakuläre Brückenbauwerke und Treppenanlagen die Grünflächen, Wasserflächen und die Gebäude verbinden, versetzen den Besucher in Staunen und laden zum Verweilen und Kennenlernen des Einst und Jetzt ein.

Die Beton- und Stahlfragmente der ehemaligen Hochofenanlagen wirken wie riesige künstlerische Skulpturen, die ehemaligen Kühlbecken des Industriewassersystems wie eine eigenwillige Wasserwelt und der weithin sichtbare Wasserturm des Bochumer Vereins bildet als Landmarke und Bezugspunkt den Mittelpunkt der Fläche. Wer Bochum besucht, sollte den Westpark, die Jahrhunderthalle und die ehemaligen Industriebauten gesehen haben, - auch um eine Vorstellung der einstigen Größe und Wichtigkeit der Stahlproduktion in dieser Stadt zu bekommen.


Mehr über einen Besuch der Jahrhunderthalle und des Westparks finden Sie auch hier: http://www.enricosreisenotizen.eu/index.php/208-die-route-der-industriekultur-%E2%80%93-jahrhunderthalle-bochum

Deutsches Bergbaumuseum

Auch hier muss man als Besucher gewesen sein, um Land und Leute besser verstehen zu können. Bereits 1930 wurde das Bergbau-Museum von der Westfälischen Berggewerkschaftskasse und der Stadt Bochum gegründet. Von weitem sichtbar ist der Förderturm, der nicht nur das Wahrzeichen des Bergbaumuseums ist, sondern auch der Stadt. Dabei stammt das Fördergerüst ursprünglich aus dem Dortmunder Stadtteil Marten und war Teil der Zeche Germania.

Bergbaumuseum in Bochum (Foto © Dagmar Postel)

Es ist 71,4 Meter hoch und 650 Tonnen schwer, stammt aus den Jahren 1938/39 und wurde von Fritz Schupp konstruiert. Bei gutem Wetter hat man einen weiten Blick über Bochum und das Ruhrgebiet: die Aussichtsplattformen befinden sich in einer Höhe von 50 Meter und sind mit dem Aufzug erreichbar, wer auf 62 Meter will, muss die Treppen hochsteigen. Bei schlechtem Wetter und starkem Wind bleibt der Förderturm allerdings für das Publikum aus Sicherheitsgründen geschlossen.

Bergbaumuseum in Bochum (Foto © Dagmar Postel)
Das Museum gehört zu den meistbesuchtesten Museen des Landes. Es gilt als das größte Bergbaumuseum der Welt und ist zugleich Forschungsinstitut für Montanarchäologie und Archäometrie sowie Dokumentationszentrum und Archiv im Bereich der Montangeschichte.

Bergbaumuseum in Bochum (Foto © Dagmar Postel)
12.000m2 ist die Ausstellungsfläche groß, die den Besuchern die Entwicklung des Bergbaus von der vorgeschichtlichen Zeit bis heute näher bringt. Neben den technischen Teil des Bergbaus wird in der Ausstellung auch auf die kulturellen und sozialen Aspekte des Arbeitens unter Tage eingegangen. Zu sehen sind unter anderen ein sieben Tonnen schwerer, wurzelverzweigter Rest des Stammes eines Schuppenbaumes, der aus den Steinkohlenschichten stammt und der eines der größten erhaltenen Objekte seiner Art aus der Karbonzeit ist. Sehenswert ist auch das Original einer Brikettpresse aus 1901 oder eine sogenannte Bobinen-Fördermaschine, die bei der Schachtförderung eingesetzt wurde. Im Maschinenkeller des Museums warten außerdem zahlreiche Bergbaumaschinen die aufgrund ihrer Größe und ihres Gewichtes nicht in den oberen Stockwerken ausgestellt werden können und im Eingangsbereich des Erweiterungsbaus ist ein Schwarzer Diamant mit einem Gewicht von 3,401 Karat ausgestellt, der 2011 von einem Bochumer Juwelier dem Museum geschenkt wurde.

Bergbaumuseum in Bochum (Foto © Dagmar Postel)
Im Untergrund wartet ein originalgetreues Anschauungsbergwerk mit ca. 2.5 km Streckenlänge, die jedoch nicht alle begehbar sind auf die Besucher um Einblicke in die Welt des Bergbaus zu geben. Das System von Strecken und Streben in etwa 20 Metern Tiefe zeigt den Tunnelvortrieb und die Förderung der Kohle, sowie einige Sicherheitsaspekte auf realistische Weise, wobei jedoch vermerkt werden muss, dass diese Strecken nie zum Abbau von Bodenschätzen gedient haben, sondern nur zu Demonstrationszwecken angelegt wurden.

Bergbaumuseum in Bochum (Foto © Dagmar Postel)
Der Besuch des Anschauungsbergwerkes ist für Menschen mit Gehbehinderung oder einem Rollstuhl nur teilweise geeignet. Begleitung und Hilfestellung sind untertage unbedingt notwendig, können jedoch bei vorheriger telefonischer Anmeldung geleistet werden.

Schauspielhaus, Stiepler Dorfkirche

Schauspielhaus Bochum

Für Theater-, aber auch für Konzert- und Opernliebhaber ist das Ruhrgebiet und auch Bochum ein idealer Boden, allein Bochum verfügt über mehr als 20 Theaterspielstätten, von denen ich schon einige besucht habe und eigentlich immer begeistert war.

Das Schauspielhaus Bochum ist eine der renommiertesten Bühnen des Sprechtheaters in Deutschland – 1915 wurde das städtische Theater in dem 1908 gebauten ehemaligen Varietétheater eröffnet. Im Ersten Weltkrieg gastierte hier die städtische Bühne aus Düsseldorf, erst ab 1919 machte sich das Theater mit einem eigenen Ensemble als Shakespeare-Bühne einen Namen. Im Zweiten Weltkrieg wird das Theater fast völlig zerstört und auf den Fundamenten entsteh 1954 nach den Plänen des Architekten Gerhard Graubner das Schauspielhaus wie wir es heute kennen. Das Schauspielhaus Bochum ist nicht nur für eine Reihe von SchauspielerInnen berühmt, sondern auch für seine Intendanten unter denen sich so berühmte Namen wie Peter Zadek, Claus Peymann oder Matthias Hartmann befinden.

Die Stiepeler Dorfkirche

Die Stiepeler Dorfkirche ist mehr als 1000 Jahre alt, ihre Anfänge gehen auf das Jahr 1008 zurück, auf eine kleine, von der „Gräfin“ Imma von Stiepel veranlasste Saalkirche. Imma von Stiepel war immerhin mit Kaiser Heinrich II. und Kaiserin Kunigunde verwandt. Um 1150 wurde die Saalkirche dann von einer romanischen Basilika überbaut, von der bis heute noch das Mittel- und das Querschiff erhalten geblieben sind, auch der Turm ist aus dieser Zeit. Zahlreiche romanische Wand- und Deckenmalereien im Innenraum der Kirche stammen ebenfalls aus dieser Epoche und machen die Dorfkirche zu einem einzigartigen und einmaligen Kulturdenkmal an der Ruhr. Die Malereien wurden 1698 übermalt, 1952 erstmals freigelegt, danach mehrmals restauriert.

In der Nische des linken Querschiffs ist ein schreitender Löwe zu sehen, in der linken Apsis der Bethlehemitische Kindermord und die Darstellung der Flucht nach Ägypten und auf der anschließenden Wand sind romanische Freskomalereien. Der segnende Christus in der Mitte über dem Triumphbogen vor dem Altarraum und Abel mit dem Lamm auf der linken und Kain mit der Ährengarbe auf der rechten Seite sind ebenfalls aus der romanischen Zeit. Das gilt auch für das Symbol der Gotteshand mit personifizierten Darstellungen von Sonne und Mond und die darunter freigelegten Malereien in der Apsis des rechten Querschiffs.

Typisch für Westfalen, in der Stiepeler Kirche aber besonders gut erhalten sind die zusammenhängenden Dekorationsmalereien mit den Ornamentbändern, Marmorierungen, gemalten Teppichen, Lebensbäumen, Tierdarstellungen und den Jünglingen mit Amphoren.

Im 15. Jahrhundert wurde die Dorfkirche zur heutigen Hallenkirche mit dem Anbau der beiden Seitenschiffe und dem Ausbau des Altarraums erweitert. Dabei erfolgte die gotische Ausmalung, die im Altarraum den Drachenkampf des Georgs zeigt und darunter die Darstellung von Jesus im Hause des Pharisäers Simon. An den Wänden sieht man Apostelgestalten und im Gewölbe des Altarraums Jesus als Weltenrichter. Im linken Seitenschiff erkennt man Darstellungen der Paradiesgeschichte und Reste der Darstellung der Geburt Christi.

Zwei steinerne Reliefs sind bemerkenswert, am rechten Pfeiler ein Löwe und am linken Pfeiler ein Drache, als Symbol des Kampfes zwischen Christus und dem Satan. Auch das spätgotische Sakramentshäuschen im Altarraum stammt, ebenso wie der Taufstein in der rechten Apsis aus dem 15. Jahrhundert.
Der Vorraum der Kirche ist in der Regel täglich von 10:00 bis 17:00 Uhr geöffnet. Wer die Kirche im Innenraum besichtigen möchte, erhält den Schlüssel für die verschlossene Glastür im Gemeindebüro.

Evangelische Kirchengemeinde Stiepel
44797 Bochum, Brockhauser Straße 72a-74
Tel: +49 234 79 13 37
Email: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!
www.evkirchebochum.de/stiepel

Zisterzienserkloster

Das Zisterzienserkloster und die Wallfahrtskirche St.Marien

Papst Bonifax VIII. bestätigte per Dekret 1294 Stiepel als Wallfahrtsort, den jährlich an die 40.000 Pilger besuchen und zur Stiepler Wallfahrtskirche St. Marien mit dem Gnadenbild der „Schmerzhaften Mutter“ pilgern.

Die heutige Wallfahrtskirche mit sternförmigem Grundriss wurde 1914/15 auf einer Anhöhe am südlichen Stadtrand von Bochum erbaut und befindet sich ca. 3 km von der Stiepeler Dorfkirche entfernt. Die Pläne der neugotischen Kirche stammen vom Paderborner Architekten Franz Mündelein.

Das Gnadenbild

Die Holzskulptur ist 67cm groß und wird auf die Mitte des 15. Jahrhunderts datiert. Es zeigt die Gottesmutter in einem Ordenshabit der damaligen Zeit mit Hals und Kinn verdeckendem Tuch und einem über die Schulter fallenden Schleier, den Kopf leicht nach links gewendet. Sie stützt ihren toten Sohn, der über ihren Knien liegt, mit der rechten Hand im Nacken, mit ihrer Linken seine linke Hand berührend, ihre Rechte ruht auf seinem Lendentuch.

Die spätgotische Arbeit befand sich ursprünglich in der alten Stiepeler Dorfkirche. Doch nachdem im 17. Jahrhundert die Gemeinde Stiepel zum protestantischen Glauben übertrat, wurde die „Schmerzhafte Mutter“ im Jahre 1825 weitergeschenkt und dann über 100 Jahre an verschiedenen Plätzen im Ruhrgebiet und im Sauerland aufgestellt.

1920 wurde das bis 1908 verschollene Gnadenbild der Schmerzensmutter in feierlicher Prozession von Blankenstein in die neu erbaute katholische Wallfahrtskirche nach Stiepel zurückgeholt und bereits 1921 pilgerten die ersten Gläubigen wieder zu dem bekannten Gnadenbild. 1930 bestätigte der Paderborner Erzbischof wieder die Stiepeler Wallfahrtstradition, die damit auch wieder offiziell anerkannt wurde. Die heutige Farbgebung im Inneren der Kirche wurde 1985 vom Hattinger Künstler Egon Stratmann neu gestaltet.

Die „Schmerzhafte Mutter“ ist das ganze Jahr über Ziel vieler Besucher und Wallfahrer in Stiepel, besonders während der sogenannten Monatswallfahrten am 11. eines jeden Monats.
Die Kirche gehört zum Areal des Zisterzienser-Kloster Stiepel, das 1988 gegründet wurde und ein Priorat des Stifts Heiligenkreuz, einer Zisterzienserabtei in Österreich, ist. Die Gründung des Klosters geht auf eine Initiative des ersten Bischofs des Ruhrbistums, Franz Kardinal Hengsbach zurück.

Die Gebäude des Klosters schließen den Wallfahrtshof U-förmig ein, im Dachgeschoss sind die Mönchszellen untergebracht. Außerdem ist dem Kloster eine verpachtete Gaststätte – der Klosterhof – angegliedert.

Das architektonische Konzept berücksichtige weitgehend den alten Klosterplan des Ordens aus dem Hochmittelalter, der aber in seinem Baustil den modernen Erfordernissen angepasst wurde.
Das Kloster entfaltet sich um Kirche und Kreuzgang und biete insgesamt 16 Mönchen Platz. Um das eigentliche Klostergebäude gruppieren sich im selben Stil die Pilgerhalle zur Aufnahme und Betreuung der Pilgergruppen und das Pfarrheim. Unterhalb des Klosters liegt das Gelände des Klostergartens und der sogenannte Kreuzberg, ein Waldstück mit integriertem, begehbaren Kreuzweg.

Nicht nur sehenswert, sondern auch zu Meditation und Gebet geeignet ist der „Glaubensweg Mariens“: 14 Stationen zeigen Situationen aus dem Leben der Gottesmutter, in denen sie sich dem Beter als „Schwester im Glauben“ erweist. Die farbenfrohen Malereien stammen vom Hattinger Künstler Egon Stratmann, der auch einige Fenster der Kirche gestaltet und wurden in den Jahren 1978/79 gefertigt.

Die Messen in der Kirche wie auch das lateinische Stundengebet der Mönche sind öffentlich zugänglich.

Universitätsstadt, Botanischer und Chinesischer Garten

Hochschul- und Universitätsstadt

Neun Hochschulen bzw. Depandancen davon befinden sich in Bochum, darunter auch die in Querenburg gelegene Ruhr-Universität, die mit über 40.000 Studierenden zu den größten Universitäten von Deutschland zählt.

Universität Bochum (Foto © Dagmar Postel)

Botanischer Garten der Ruhr-Universität und der Chinesische Garten

Wie grün Bochum ist, zeigt sich auch im großen botanischen Garten und im wunderschön gestalteten chinesischen Garten der Stadt. Wenn Sie die Stadt bei gutem Wetter besuchen, sollten Sie einen Besuch auf jeden Fall einplanen.

Botanischer Garten (Foto © Dagmar Postel)
Der Botanische Garten in der Nähe der Universitätsgebäude dient einerseits zu Lehr- und Forschungszwecken der Uni, bietet aber auch den Besuchern einen interessanten Einblick in die verschiedenen Bereich der Botanik. Obwohl jährlich 350.000 Besucher den Garten frequentieren, wirkt er auch an Wochenende kaum überlaufen.

Botanischer Garten (Foto © Dagmar Postel)

Der Rundgang führt zu den verschiedenen Abteilungen wie beispielsweise zur Morphologie, zu den Nutzpflanzen, in das Alpinum oder die Geobotanik. Aber auch wenn Sie sich überhaupt nicht für Botanik interessieren, werden Sie einen Rundgang durch den blühenden Garten genießen.

Chinesischer Garten (Foto © Dagmar Postel)
Als Highlights gelten das Sukkulentenhaus, das Tropenhaus und der original Chinesische Garten, der in Zusammenarbeit mit der Tongji-Universität Shanghai erbaut wurde. Die Anlage wurde im südchinesischen Stil errichtet und wirkt durch die Verwendung der schlichtenMaterialien Naturstein, Wasser, Holz und Ziegel sehr natürlich und poetisch. Nehmen Sie sich Zeit und spüren Sie die besondere Atmosphäre und den Flair, die hier herrschen. Allein durch die Umgebung kommt man zur Ruhe und genießt den Tag.

Chinesischer Garten (Foto © Dagmar Postel)
Wer gerne fotografiert, wird von der Blütenvielfalt und Farbenpracht begeistert sein. Man weiß gar nicht, wo man anfangen soll und aufhören will man eigentlich erst mit dem Einbruch der Dämmerung. Es ist einfach wunderschön.

Chinesischer Garten (Foto © Dagmar Postel)

Haus Kemnade

Haus Kemnade am Kemnader See

Wenige Meter von der Ruhr entfernt, liegt – ein bisschen von Bäumen versteckt – Haus Kemnade. Wobei die Bezeichnung Haus wohl eine Untertreibung darstellt – es ist ein wunderschöne alte Wasserburg, deren Wassergraben allerdings erst 1780 angelegt wurde und eigentlich auch nie zur Verteidigung diente. Haus Kemnade diente immer schon Wohnzwecken und nicht der Verteidigung. Dafür war in dieser Gegend eher die Burg Blankenburg zuständig, deren Baumaterial nach dem Abriss dem Haus Kemnade zu Gute kam.

Haus Kemnade (Foto © Dagmar Postel)

Der Name Kemnade hat seinen Ursprung angeblich im lateinischen „domus caminata“, das ein steinernes Kaminhaus mit Zimmern mit eignen Feuerstellen bezeichnete. Auch das Wort Kemenate – im Wienerischen ebenfalls bekannt – hat hier ihren Ursprung.

Haus Kemnade (Foto © Dagmar Postel)
Bereits 1001 tauchen Informationen über einen Hof Stiepel auf, 1011 wird das Bistum Bremen als Besitzer genannt, dessen Bischof Gerhard II. zur Lippe die Stiepeler Besitzungen in ein Lehen umwandelt und wahrscheinlich seine Verwandtschaft damit belehnt.

Haus Kemnade (Foto © Dagmar Postel)

Die älteste erhaltene Urkunde stammt aus dem Jahre 1393, die Besitzer wechseln ständig. da die männlichen Linien immer wieder aussterben, die Töchter verheiratet werden und so die Herrschaft zu unterschiedlichen Familien wechselt, die man teilweise heute noch an den erhaltenen Wappen erkennen kann: Drücker, Romberg, Recke, Syberg. 1809 hebt Kaiser Napoleon das Lehenswesen auf und die Wasserburg kommt in den persönlichen Besitz seiner Bewohner.

Haus Kemnade (Foto © Dagmar Postel)
1847 stirbt mit Friedrich von Syberg der letzte männliche Erbe, seine Schwester heiratet Friedrich von Berswordt-Wallrabe, dessen Familie bis 1921 Haus Kemnade besitzt, dann kauft es die Stadt Bochum, obwohl die Gegend eigentlich zum Gebiet der Stadt Hattingen gehört und stellt das Gebäude unter Denkmalschutz.

Das bis heute erhalten gebliebene Bauwerk wurde in den Jahren 1602 bis 1704 auf den Grundmauern der 1589 abgebrannten ersten Wasserburg errichtet. Die lange Bauzeit ist den Unterbrechungen diverser Kriege gschuldet, wie dem spanisch-niederländische, oder auch dem Dreißigjährige Krieg, die immer wieder für Unterbrechungen und Verzögerungen sorgten.
So entsteht ein Burghaus aus heimischem Ruhrsandstein, das durch die geschlossene Bauweise und schlichte Gestaltung der Fassaden auffällt.

Haus Kemnade (Foto © Dagmar Postel)
Sehenswert ist der Rittersaal im ersten Obergeschoss mit seiner Stuckdecke und dem großen Renaissance-Wappenkamin und den vier Gobelins aus Tournai aus 1725 mit Szenen aus Don Quichotte. Auch die gotische Kapelle im Erdgeschoss sowie der Kamin im kleinen Saal mit seinen Darstellungen zur Schöpfungsgeschichte gehören zu den Sehenswürdigkeiten.

Im Haus Kemnade finden sich aber auch verschiedene Dauer- und Sonderausstellungen, die Besucher anziehen.

Alte Spardosen

So ist in der Schatzkammer Kemnade die geldgeschichtliche Sammlung der Sparkasse Bochum untergebracht. Wußten Sie, dass WMF – heute mehr für ihre Pfannen und das Besteck bekannt – auch Spardosen (wobei Dosen nur als Überbegriff zu sehen ist) hergestellt hat? Für Wiener gibt es auch einen Bezug zu Makart, jenen Maler der den Festzug zur Silbernen Hochzeit von Kaiserin Sisi und Franz Joseph gestaltet hatte: In der Ausstellung finden sich Kutschen dieses Festzuges als Spardosen, die anscheinend zum damaligen Fest als Souvenir hergestellt wurden.

Haus Kemnade (Foto © Dagmar Postel)

Sammlung alter Musikinstrumente

Im Haus ist auch die Musikinstrumentensammlung von Hans und Hede Grumbt untergebracht, die mit knapp 1800 Stücken die größte Sammlung dieser Art in Nordrhein-Westfalen ist. Viele der schönen Stücke stammen nicht aus Europa, sondern aus Südostasien, Afrika und Lateinamerika, außerdem gibt es 55 historische Klarinetten zu entdecken.

Haus Kemnade (Foto © Dagmar Postel)

Netsuke und Okimono

Diese kleinen Miniaturschnitzereien aus Holz und Elfenbein haben es mir bei meinem Besuch besonders angetan.
Okimono (nach BeyArs.com) sind kleine, oft aufwendig aus Elfenbein geschnitzte Kunstgegenstände zum Aufstellen, die in etwa so groß wie Netsuke sind. diese Netsuke waren eigentlich Gebrauchsgegenstände, die als „Sicherungsknebel“ bei den breiten japanischen Gürteln verhindern sollten, dass daran befestigte Schnüre oder Kordel nicht herausrutschen oder daran befestigte Gegenstände nicht verloren gingen. Sie sind robuster als die Okimono und auch als „Handschmeichler“ bekannt.

Haus Kemnade (Foto © Dagmar Postel)
Im Ausstellungsraum im Haus Kemnade gibt es hunderte davon – man kann sich gar nicht satt sehen und findet immer wieder neue Figuren oder spezielle Details. Unter anderem kann man auch die berühmten drei Affen „ nichts sehen, nichts hören, nichts sagen“ unter den ausgestellten Figuren finden.

Haus Kemnade (Foto © Dagmar Postel)
Heiraten

Im Haus Kemnade ist auch das Standesamt der Stadt Hattingen untergebracht – ein wunderschöner Ort um den Bund fürs Leben zu schließen. Allerdings ist es verboten, beim Sektempfang im Vorraum die Gläser auf den alten Klavieren abzustellen…

Haus Kemnade (Foto © Dagmar Postel)
Zur anschließenden Feier geht es dann am besten ins „Burgrestaurant“, das im Hof der Burg, genauer gesagt zwischen Burg und Wirtschaftsgebäude liegt und sich nicht nur über Hochzeitsgäste, sondern auch über alle Besucher freut, die sich nach dem Besuch der Ausstellungen oder nach einem Spaziergang an der Ruhr hier mit einem Café oder auch einem Pils von Fiege (was sonst?) laben möchten.

Haus Kemnade
45527 Hattingen, An der Kemnade 10
Tel: +49 2324 30 268

Email: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!
www.fv-hauskemnade.de

Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag von 12.00 bis 18.00 Uhr.
Öffentlich fahren Sie mit der Buslinie CE 31 bis Haltestelle Kemnade.

Kemnader See

Es ist ein künstlich angelegter See – hier wird die Ruhr aufgestaut – der vorwiegend der Wasserwirtschaft, aber auch der Erholung der Ruhris (=Bewohner des Ruhrpotts) dient. Die Gegend lädt nicht nur zum Joggen, Radfahren oder Nordic Walken ein. Hier kann man in Ruhe spazieren gehen, das Freizeitbad Heveney besuchen, es gibt in der Nähe einen Golfplatz und auch einen Segelhafen. Eine Beachvolleyballhalle für wettermäßig ungünstige Tage und 2014 wurde ein 12 km langer Skaterrundkurs um den See eröffnet-
Mit einer Gastkarte können auch Besucher im See fischen und mit etwas Glück und Können Aale, Brassen, Karpfen, Rotaugen oder einen Zander erwischen.
Wer es gemütlicher haben will, bucht eine Rundfahrt mit der MS Kemnade oder der MS Schwalbe.

Weitere Info, Bildergalerie und Plan

Weitere Informationen finden Sie bei der
Bochum Touristinformation
Ruhr.Infocenter
44787 Bochum, Huestraße 9

 

 

 

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