Im niederösterreichischen Waldviertel steht die ehemalige Wasserburg, die auch als Schloss Rogendorf oder Schloss Roggendorf bekannt ist. 2017 ist das neu renovierte Schloss Mittelpunkt der Niederösterreichischen Landesausstellung.

Schloss Pögstall (Foto © Amt der NÖ Landesregierung, Wolfgang Kunerth)
Der Kern des Schlosses geht auf das 13. Jahrhundert zurück und bei den Renovierungsarbeiten in Vorbereitung der Landesausstellung wurde festgestellt, dass noch sehr viel davon erhalten geblieben ist. So stammen die Ostmauern, die Zinnen in voller Höhe bis hin zum Zwinger noch aus dieser Zeit und es konnten zusätzlich noch alle Bauphasen deutlich herausgearbeitet, dargestellt und den jeweiligen Eigentümern zugeordnet werden. Da noch Abrechnungen, Rechnungen der Baumeister, der Künstler vorliegen, können viele Arbeiten sehr gut zugeordnet werden.

Unter Kaspar von Roggendorf erfolgt am Ende des 15. Jahrhunderts der weitere Ausbau des Schlosses. Er baute sich hier eine Residenz auf und begann den Umbau der mittelalterlichen Burg Pöggstall zum Schloss. Während dieser Zeit entstand auch die Schlosskapelle, die heutige Pfarrkirche von Pöggstall, die freistehend neben dem Schloss nach großen Vorbildern gebaut wurde und durch ihre ungewöhnliche Bauform ins Auge sticht.

Schloss Pöggstall (Foto © Amt der NÖ Landesregierung, Wolfgang Kunerth)

Es ist eine zweischiffige Hallenkirche mit geradem Ostabschluss, die man bei der Georgskapelle Friedrichs des III. in Wiener Neustadt ebenso findet, wie im Grundriss der Zisterzienser Stiftskirche von Neuberg an der Mürz. Man könnte daher sagen: Kasper von Rogendorf hat sich neben sein Schloss eine kaiserliche Schlosskapelle bauen lassen. Sicher auch um zu zeigen, wie mächtig und einflussreich die Rogendorfer zu jener Zeit waren.

Bemerkenswert ist auch die eine hölzerne Stube aus der Mitte des 15. Jahrhunderts, die zeigt, wie man in einer Burg im Spätmittelalter gelebt hat.
Lange Zeit gehörte das Schloss den mächtigen Maissauern und von 1795 bis 1919 war es im Besitz des Familienfond der Habsburger, den Kaiserin Maria Theresia und Kaiser Joseph II. mit einem Teil des Vermögens von Kaiser Franz I. zur Versorgung der Familienmitglieder ins Leben gerufen hatten.

Restaurierungsarbeiten auf Schloss Pöggstall (Foto © Katrin Froschauer)
Die Besitzer von Schloss Pöggstall spielten in der allerersten Reihe der Politik mit, sie waren große Diplomaten und Feldherren der Habsburger, kannten das aktuelle Kunstgeschehen, waren in den damaligen Kunstmetropolen in Italien und Niederlande oft zu Besuch. Sie brachten die Ideen und Entwicklungen des Kunstgeschehens mit ins südliche Waldviertel.

Schloss Pöggstall (Foto © Tanja Gruber)

1919 wurde der Familienfonds zugunsten der Republik Österreich enteignet und der Besitz dem Kriegsgeschädigtenfond zugeteilt, 1986 kaufte es die Gemeinde Pöggstall und widmete es musealen und kulturellen Zwecken, so wurde 1988 hier auch das Museum für Rechtsgeschichte untergebracht und für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht, dessen Sammlung im Wesentlichen auf die Objekte des Juristen Hans Liebl zurückgreift, die dem Niederösterreichischen Landesmuseum vermacht wurden. In der Burg befindet sich auch die einzig original erhaltene Folterkammer Österreichs aus dem Jahre 1593, sodass der Besucher auch jene „Verhörmaßnahmen“ kennenlernen kann, die dann in den Geständnisse mündeten, die zur Verurteilung der Delinquenten führte.

Schloss Pöggstall (Foto © NÖ-Landesarchiv, NÖ Institut für Landeskunde, Wolfgang Kunerth)

Kein Wunder also, dass das Schloss die neue Niederösterreichische Landesausstellung 2017 beherbergen wird, die den Titel „Alles was Recht ist“ trägt. Sie blickt auf die Geschichte, aber auch auf die Entwicklung und Zukunft der Rechtsprechung. Wie gestalten wir unsere Welt, im Kleinen wie im Großen? Wie gingen Menschen früher miteinander um, wie sieht es hier und jetzt aus. Soll man sich versöhnen oder vergelten, verfolgen oder vergessen?

Schloss Schanzl (Foto © Katrin Froschauer)

Im Rondell, dem Zentrum von Pöggstall widmet sich aber auch eine eigene Sonderausstellung den sensationellen Erkenntnissen der Bauforschung und den Besitzern von Schloss Pöggstall. Das Rondell, das italienische Einflüsse aus der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts stammt, könnte auch von weiteren Künstlern von Weltformat beeinflusst worden sein. Immerhin ist auch durch einen Briefwechsel bekannt, dass die Rogendorfer auch persönlichen Kontakt mit Albrecht Dürer hatten.

Die Niederösterreichische Landesausstellung läuft vom 1.4.-12.11.2017 in Schloss Pöggstall

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