Zum 300.Geburtstag der österreichischen Herrscherin wird eine umfassende Sonderausstellung an vier Standorten vorbereitet, die vom 15.3.-29.11.2017 ihre Pforten öffnen wird.

Maria Theresia kam am 13.5.1717 in Wien zur Welt und wurde zunächst nicht als Thronfolgerin angesehen, man hoffte lange auf einen männlichen Erben. Erst die „Pragmatische Sanktion“ und damit die Unteilbarkeit der habsburgischen Gebiete ebnete ihr auch als Frau den Weg auf den Thron, den sie jedoch mit jahrelangen Kriegen sichern musste.

Bei der Pressekonferenz: Werner Telesko, Elfriede Iby, Georg Riha, Karl Vocelka, Monica Kurzel-Runtscheiner, Franz Sattlecker (Foto © Dieter Nagl für SKB)
40 Jahre lang dauerte ihre Herrschaft, die durch Reformen, Kunstsinnigkeit, Modernisierung, aber auch durch Krieg, Intoleranz und durch ihre Heiratspolitik gekennzeichnet war. Ihre Reformen waren der Grundstein für einen modernen Staat, ihre moralischen Ansichten standen im krassen Gegensatz zur Aufklärung und ihrem Interesse an Kunst und Kultur und ihrem Bedürfnis nach Repräsentation verdanken wir Kunstschätze wie Schloss Schönbrunn. Die Ausstellungen an den vier Standorten – Schloss Hof, Schloss Niederweiden, Hofmobiliendepot und die Wagenburg – werden aber nicht nur Glanz und Gloria der Herrscherin zeigen, sondern sich auch kritisch mit der Person Maria Theresia auseinandersetzen. Ihr Leben wird dabei ebenso beleuchtet wie ihr Mythos hinterfragt.

Schloss Hof

In Österreich größter Schlossanlage stehen die Bündnisse und Feindschaften im Mittelpunkt der Ausstellung. Maria Theresia erwarb das Schloss, um ihren Mann, Kaiser Franz I. Stephan, einen Ort zu schenken, wo er sich von der Last des Regierens erholen konnte. Nach seinem Tod ließ sie allerdings das Schloss im Stil des Klassizismus um- und ausbauen und ihr Witwenappartment dort einrichten. Auch die berühmte, jedoch nicht standesgemäße Hochzeit ihrer Lieblingstochter Maria Christina mit Herzog Albert von Sachsen-Teschen fand 1766 in der Kapelle von Schloss Hof statt.

Schloss Hof außen (Foto © Hertha Hurnaus für SKB)
Die Ausstellung beschäftigt sich mit dem schweren Start Maria Theresias nach dem plötzlichen Tod Karls VI. Die österreichischen Erbfolgekriege gegen Bayern, Sachsen, Preußen und Frankreich prägten die ersten Jahre ihrer Regentschaft und fanden erst im Frieden von 1748 ein Ende. Doch nach einer kurzen Friedensperiode und einem Wechsel in der Bündnispolitik begann 1756 der „Siebenjährige Krieg“, dessen Auswirkungen in Europa und in den Kolonien Amerika und Indien in Schloss Hof thematisiert werden. Als eines der Highlights gilt schon jetzt die österreichische Ratifikationsurkunde des Friedens von Teschen 1779 aus dem Bayrischen Hauptstaatsarchiv, mit der das Innviertel zu Österreich kam.

Schloss Hof, Spielzimmertisch (Foto © Fritz Simak für SKB)
Neben eindrucksvollen Schlachtengemälden sowie Porträts und Büsten berühmter Feldherren kommt aber auch das Elend der einfachen Soldaten zur Sprache, die als Kanonenfutter machtpolitischer Interessen dienten. Auch das Invalidensystem und die Versorgung der Kriegswaisen sind ein Thema.

Schloss Niederweiden

Hier stehen die Reformen und die Modernisierung im Mittelpunkt. Maria Theresia kaufte 1755 das Schloss, das 1693/1694 im Auftrag von Graf Ernst Rüdiger von Starhemberg von Johann Bernhard Fischer von Erlach erbaut wurde. 10 Jahre später wurde es von Nicolaus von Pacassi um- und ausgebaut, wobei der Festsaal in der damals beliebten China-Mode ausgestattet wurde.

Schloss Niederweiden (Foto © Harald Böhm für SKB)
Zu Beginn der Ausstellung in Schloss Niederweiden wird auf das ständische System und die enormen sozialen Unterschiede eingegangen und gezeigt, welche tiefgreifenden Auswirkungen die Reformen Maria Theresias hatten, die wesentlich nachhaltiger als ihre militärisch-politischen Erfolge oder Niederlagen. Vorgestellt werden auch die Denker ihrer Reformen wie Gerhard von Swieten oder Joseph Leopold von Daun. Schulbänke erinnern an die Einführung der allgemeinen Schulpflicht – viele der damals gegründeten Bildungseinrichtungen existieren noch heute wie das Theresianum, Handelsakademie, Veterinärmedizinische Universität, Montanuniversität oder Kunsthochschulen.

Schloss Niederweiden, Festsaal (Foto © SKB)
Mit ihren Reformen setzte sie wesentliche Schritte zur Modernisierung des Reiches, der Gedanke der Nützlichkeit für das Wohl des Staates und seiner Bevölkerung war an ihrem Handeln klar erkennbar, gleichzeitig aber stand sie als erzkatholische Herrscherin der Aufklärung sehr skeptisch gegenüber.

Hofmobiliendepot – Möbel Museum Wien

Im Hofmobiliendepot widmet man sich der Familie und ihrem Vermächtnis. 1747 setzte Maria Theresia erstmals einen Hofmobilieninspektor ein, der mit der Inventarisierung, Pflege und Instandhaltung des hofärarischen Mobiliars beauftrag war – sie war also auch die Gründerin des heutigen Möbel Museums. Ursprünglich war das Depot auch in Schönbrunn angesiedelt.

Hofmobiliendepot - Möbel Museum Wien (Foto © Edgar Knaack für SKB)
Am Beginn der Sonderausstellung steht eine Begegnung mit der Witwe Maria Theresia, im ersten Teil wird der Mythos, der rund um die Regentin entstand genau analysiert. Ein wichtiges Thema sind hier die vielen Denkmäler, aber auch die literarischen oder musikalischen Erinnerungen, die im 19. Jahrhundert, sowie nach 1945 eine wesentliche Rolle bei der Findung der „österreichische Identität“ spielen.

Der Edelsteinstrauß - Ausschnitt (Foto © SKB)
Aber auch der Familie als politisches Geschäft wird in der Ausstellung thematisiert: Immerhin brauchte Maria Theresia 16 Kinder auf die Welt, von denen zehn das Erwachsenenalter erreichten und die alle – bis auf ihre Lieblingstochter Maria Christina – politisch gewinnbringend verheiratet wurden. Auch auf deren Schicksale wird in der Ausstellung eingegangen.

Kaiserliche Wagenburg Wien

Frauenpower, Lebensfreude und die Zeichen der Macht stehen hier im Mittelpunkt. Das Volk sah seine Herrscher damals meist nur bei den Umzügen im Wagen und so kam der Gestaltung derselben eine große Bedeutung zu. Sie waren Symbole der Macht. Wurden Kutschen von einem Vorgänger oder einem Gegenspieler übernommen, dann wurden die Insignien und Ikonografien der „Fahrzeuge“ an den neuen Herrscher angepasst. Auch für ihre vielen Kinder wurden modische Kutschen gebaut, sodass bei öffentlichen Einzügen die beeindruckende personelle Stärke publikumswirksam zur Schau gestellt werden konnte. In der Ausstellung ist erstmals eine Auffahrt dieser Wägen mit originaler Anspannung zu sehen.

Kaiserliche Wagenburg Wien (Foto © KHM Museumsverband)
Obwohl Maria Theresia ganz selbstverständlich ihre Herrscherrechte in Anspruch nahm, verstand sie sich dabei aber stets als Ausnahme innerhalb einer ansonsten unantastbaren männlichen Weltordnung und verstand es meisterhaft ihre weibliche Identität offen zu leben und dennoch ausgeprägte „männliche“ Herrschertugenden an den Tag zu legen.

Karussellwagen (Foto © KHM - Wagenburg)
Die junge Maria Theresia feierte gerne und ausgelassen. Zu ihren größten Vergnügungen gehörte auch das Reiten, wobei sie auch gerne Herrensättel benutzte. Highlight der Ausstellung wird dabei das barocke Reitzeug der Monarchin sein, das erstmals öffentlich gezeigt wird.

Rokoko-Berline (Foto © KHM - Wagenburg)
Eine enge Verknüpfung von Vergnügen und Politik zeigt das Damenkarussell, das während des ersten österreichischen Erbfolgekrieges subtil wie publikumswirksam zeigte, dass die Herrscherin auch in traditionell männlich-kämpferischen Disziplinen „ihren Mann“ stellen konnte. Eine virtuelle Installation rund um den prächtigen goldenen Karussellwagen wird das einmalige Ereignis für die Besucher erlebbar machen.

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