Neretva Delta

Die Neretva ist der bedeutendste Fluss in Bosnien und Herzegowina, immerhin liegen 203 km davon in diesem Staat. 22km und das Delta gehören allerdings zu Kroatien.

Der Neretva Fluss
Die Quelle der Neretva befindet sich ungefähr 60 km südlich von Sarajewo bei Držirep in der Gemeinde Gacko südlich des Zelengora Gebirges, in der Nähe der montenegrinischen Grenze und des Sutjeska Nationalparks. Meistens schlängelt sich der Fluss durch Schluchten auf seinem Weg zum Meer, die berühmteste ist vielleicht die Neretva-Schlucht, die sich bis nach Mostar erstreckt. Auch die berühmte Brücke beim Bazar von Mostar führt über die Neretva, der Fluss teilt die Stadt in zwei Teile. Während die Schlucht 1943 Schauplatz des Kampfes zwischen den Achsenmächten und den Partisanen Titos war, markierte der Fluss im Bosnienkrieg bei Mostar einige Zeit die Front zwischen Kroaten und Bosniaken. Zu dieser Zeit wurde die Alte Brücke (Stari most), die die Stadtteile der Katholiken am rechten Ufer mit den Muslimen am linken Ufer seit der osmanischen Zeit verbunden hatte 1993 zerstört und erst wieder 2004 aufgebaut.

Der Neretva Fluss
Nach Mostar öffnet sich die Schlucht zu einer breiteren Ebene, die sich allerdings später bei Einmündung der Buna wieder schließt und sich erst bei Počitelj wieder öffnet. Nach dem Zufluss mehrerer kleiner Nebenflüsse beginnt dann der 40 km lange Unterlauf des Flusses, der die Ebene mit Wasser versorgt und intensiv landwirtschaftlich genutzt wird. Hinter Metković, der Grenzstadt in Kroatien beginnt dann das eigentliche Flussdelta. Einst eine Sumpflandschaft, wurde 1881 begonnen und dann nach 1945 diese in größeren Umfang trocken zu legen und landwirtschaftlich zu nutzen. Durch diese Maßnahmen blieben von den ehemals 12 Flussarmen nur noch drei übrig.

Fauna und Flora

Das Delta ist trotz landwirtschaftlicher Nutzung noch immer ein Vogelparadies, wenn auch ein zerbrechliches auf das achtgegeben werden muss: unterirdische Quellen speisen Deltaseen, es gibt schmale Flusstäler, weite Schilfwälder, Lagunen, nahrungsreiche Hutweiden, Sandbänke, Auwälder und mit Wasserpflanzen bedeckte Seitenarme. Im 20.000 Hektar großen Gebiet leben und rasten über 300 Vogelarten: Sichler, Löffler, Kraniche, Moorenten und die Zwergscharbe. Auf ihren Weg in ihre Sommer- oder Winterquartiere ist das Delta ein überlebensnotwendiger Rastplatz auf der Adria-Zugroute. Silberreiher, Graureiher, Kraniche und Löffler brauchen die offenen Flächen im Delta als Landeplatz vor der Überquerung des Dinarischen Gebirges. Das gesamte Neretva-Delta in Kroatien und der Naturpark Hutovo Blato in Bosnien-Herzegowina sind durch die Ramsar-Konvention geschützt, im kroatischen Teil sind fünf streng geschützte Naturreservate ausgewiesen, diese sind allerdings im Gelände nicht gekennzeichnet.

Das Neretva Delta
All diese Schutzgebiete stehen allerdings in Wettbewerb mit den riesigen Mandarinen-, Gemüse- und Obstplantagen und Gewerbeflächen. Außerdem ist die Vogeljagd im Delta ein großes Problem: rasteten vor 100 Jahren noch hunderttausende Vögel im Delta, sind es jetzt nur noch wenige Hundert.

Im Delta gibt es 34 Arten Süßwasserfische, 100 Arten von Meerwasserfischen, mit einer Vielzahl von Schlangen, Schildkröten, Fröschen, Eidechsen und sonstiger Reptilien und natürlich Insekten in Hülle und Fülle.

Wer mehr über den Schutz von Fauna und Flora erfahren möchte, kann sich hier einen Flyer von Euronatur herunterladen.

Tal der Mandarinen

Heute bezeichnet man das Delta auch als Tal der Mandarinen. Durch die Trockenlegung Ende des 19. Jahrhunderts wurde Teile des Deltas trocken gelegt und in riesige Obst- und Gemüseplantagen umgewandelt. Bewässerungskanäle durchziehen die Landschaft und an manchen Feldern wird sogar Reis angebaut. Das fruchtbare Schwemmland ist er ideale Nährboden für Mandarinen, Orangen, Pfirsiche und Kiwis, - bis zu drei Ernten pro Jahr sind hier möglich. Damit löste die Landwirtschaft den Fischfang, vor allem Aal wurde in der Vergangenheit gefangen, ab.

Mandarinen, wohin man schaut

Man schätzt, dass es im Tal an die 1,4 Millionen Mandarinenbäume gibt, die jedes Jahr mehr als 60 Tonnen Früchte liefern. Die Mandarinenernte ist daher auch immer ein großes Ereignis, bei dem alle Einheimischen, aber auch Touristen, mithelfen. Wenn Sie durch das Delta fahren, können Sie an Mandarinen auch gar nicht vorbei. Viele Stände stehen am Straßenrand, bei denen Sie Mandarinen Säcke weise kaufen können, aber auch Mandarinenlikör, -schnaps oder Marmelade. Ich habe mir einen 10kg Sack mit nach Hause genommen und es entstanden einige köstliche Gläser Mandarinen-Marmelade. Allein schon wie die Früchte duften ist herrlich.

Mandarinen und andere Köstlichkeit
Natürlich findet man auch, je nach Jahreszeit, Äpfel, Zitronen, Kirschen, Wassermelonen und Orangen, aber die Mandarinen bleiben einfach die Haupt-Spezialität.

Geschichte

Im Sumpfgebiet errichteten Griechen um das 5. Jh v.Chr. am Fluss Norin den Ort Narona. Die Siedlung wurde bald zum Handelszentrum, das zwischen den Inseln Hvar, Vis und Korčula und dem Binnenland seinen Geschäften nachging. Die Römer übernahmen ab dem 1. Jh vor Christus die Herrschaft und auch unter ihrer Leitung blühte Narona weiter. Sogar Julius Cäsar soll die Stadt besucht haben und ihr den Ehrentitel Colonia Julia Narona gegeben haben. Später wurde Narona Bischofssitz und wurde zum Verwaltungszentrum von 89 Städten im südlichen Illyrien. Awaren machten Ende des 7. Jahrhundert die Stadt dem Erdboden gleich. Im Sumpfgebiet gibt es nach wie vor zahlreiche archäologische Fundstellen.

Das Neretva Delta
Später lebte hier im Grenzlandgebiet der slawische Volksstamm der Neretvaner. Sie lebten von Landwirtschaft, Fischfang, waren aber auch Seeräuber, deren Reich sich vom Neretva-Delta bis nach Omiš erstreckte und zeitweise auch die Inseln Brač, Hvar, Korčula und Mljet mit einschloss. Vom 9.-11. Jahrhundert bedrohten die Neretvaner Piraten sogar den Handel der Venezianer und hoben von der Serenissima Zölle ein. Vom 12.-13.Jahrhundert herrschten die Fürsten Kačić aus Omiš über das Gebiet und unterhielten enge Kontakte zu den kroatisch-ungarischen Herrschern, bis das Fürstentum Ende des 13.Jahrhunderts zerfiel und der größte Teil des Gebietes an Venedig fiel.

Die Mündung ist ein beliebter Ort für Kite-Surfer, die sich hier am Wind und an den, für Kroatien unüblichen, Sandstränden erfreuen.

 

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