Visegrád

Das kleine Städtchen mit kaum 1700 Einwohnern hat eine große und wichtige Geschichte. 40 Kilometer von Budapest entfernt wurde hier Europapolitik in ganz großem Stil gemacht.
Durch ein Tor fährt man in die kleine, verschlafene Stadt ein. Aus Budapest kommend hat man rechts einen wunderschönen Ausblick auf das Donauknie und die Donau, aber sie sollten auch den Blick nach links wenden: Hoch oben am Berg thront die Obere Burg und wer genau schaut, sieht auch den wiederaufgebauten Palast der unteren Burg hervorblinzeln.

Die Geschichte von Visegrád

Die Donau war auch hier wahrscheinlich der entscheidende Punkt eine Siedlung zu gründen. Sie ist schon immer Fischgrund, Verkehrsweg, Grenze zu anderen Völkern. So auch hier.

Blick auf die Donau

Die Gegend war schon zur Zeit der Urnenfelderkultur besiedelt, in der Nähe von Visegrád fand man einen der größten Friedhöfe dieser Kultur. Da damals allerdings mit Holz gebaut wurde, sind keine Bauten erhalten geblieben. Die ersten Steinbauten in der Gegend stammen daher von den Römern, die sich auch hier am Donauknie niederließen. Die Donau wurde nun zum Grenzfluss, zum Limes, der allerdings durch den Zickzack-Verlauf des Flusses ziemlich unübersichtlich und dadurch schwierig zu verteidigen war. Gute Befestigung war daher Pflicht, wollte man die Einfälle der germanischen Stämme abwehren. So baute man hier zwei römische Anlagen, eine für 100, die zweite für ungefähr 300 Legionäre, die bei Bedarf aus nahegelegenen Legionslagern rasch Unterstützung bekommen konnten.

Der Königspalast von Visegrád
Wie wichtig man die Verteidigung nahm, beweisen auch die acht Wachttürme, die man bis heute zwischen den beiden Lagern gefunden hat. Diese waren nicht alle gleichzeitig in Betrieb, sondern ersetzten meistens alte, desolat gewordene Vorgänger. Mit dem Zerfall des römischen Reiches zogen sich auch die Römer aus dieser Gegend geordnet zurück. Sie waren nicht in kriegerische Auseinandersetzungen verwickelt, oder wurden vertrieben, sondern zogen sich geordnet zurück. Die römische Festung blieb.

Im Königspalast von Visegrád
Slawische Volksgruppen, wahrscheinlich Urväter der heutigen Slowaken, kamen ins Land und nahmen die Festung und die Region in Besitz und gaben ihr den Namen Visegrád (hoch gelegene Burg). Der Name bezog sich damals allerdings nicht auf die Obere Burg, die es damals ja noch gar nicht gab, sondern auf die römische Festung.
Nach dem Untergang des Awarenreiches im 9. Jahrhunderts machte sich im Karpatenbecken ein großes Machtvakuum breit, während sich weiter südlich das byzantinische Reich festigte und in Mitteleuropa die Franken mehr und mehr die Herrschaft übernahmen.  

Ausstellung im Königspalast
Doch dann tauchte aus den Steppen Mittelasiens bald ein gefürchtetes Reitervolk auf, die Magyaren. Bis heute ist es ein Streitfall von wo genau sie kamen: auf Grund der Sprache nimmt man an, dass die südliche Ecke des Urals auf der asiatischen Seite ihr Ausgangspunkt ihrer Reise gewesen sein könnte.

Im Königspalast von Visegrád
Um 900 drangen sie an verschiedenen Stellen ins Karpatenbecken ein und nahmen durch kriegerische Auseinandersetzungen, aber auch mittels politischer Bündnisse bald das gesamte Gebiet relativ schnell ein. Hier fühlten sie sich sicher und unternahmen Einfälle nach Mitteleuropa. Die kampferprobten Reiter wurden zur Gefahr der umliegenden Ländereien, die Menschen zitterten vor ihren Reitertruppen. Der Spruch „Gott schütze uns, die Magyaren kommen“ ging um im restlichen Europa. Erst König Otto I. schaffte es schließlich größere Verbände zusammenzuschließen, stellte sich ihnen auf dem Lerchfeld bei Augsburg entgegen und bereitete ihnen eine schwere Niederlagen.

Im Palast von Visegrád
Der damalige Großfürst Geza änderte daraufhin seine Strategie: er ließ seinen Sohn Stephan taufen und verheiratete ihn mit einer bayrischen Prinzessin. Damit waren die Ungarn mit einem Schlag in der europäischen Aristokratie vertreten. Im Jahre 1000 wurde das Königreich Ungarn gegründet, das das ganze Karpatenbecken und damit einen Großteil des heutigen Rumäniens, die ganze Slowakei, das Burgenland und Teile von Serbien umschloss. Um das riesige Gebiet zu verwalten, teilte man es in Komitate, die römische Festung wurde in Visegrád wieder aufgebaut und als Zentrum des Komitats Visegrád eingesetzt. 1009 wird Visegrád erstmals urkundlich erwähnt. 240 Jahre lang erlebte man eine relativ friedliche Zeit – dann kamen die Mongolen. Alles, was sich ihnen entgegenstellte, wurde ausradiert und zunichte gemacht – so auch die römische Festung.

Blick auf den Herkulesbrunnen im Hof des Palastes
Um besseren Schutz vor solchen Einfällen zu haben, ließ schließlich Bela IV. ein Doppelburgsystem hier in Visegrád erbauen. Eine Mauer führte von der Oberen Burg, der Zitadelle bis hinunter an die Donau, auch der alte Salomonturm war ein Teil dieses Befestigungssystems, mit dem man ein System geschaffen hatte, das lange Zeit als uneinnehmbar galt und ein Rückzugsort für Bela IV. darstellen sollte. Visegrád war und blieb jedoch auch zu dieser Zeit bestenfalls Provinzhauptstadt.

Detail des Brunnens
Der Beginn der 14. Jahrhunderts brachte dann weitreichende Änderungen. Die königliche Linie des Arpadengeschlechts war ausgestorben, Streitereien und Intrigen machten sich breit, wer nun der rechtmäßig den Thron ersteigen sollte. Zu guter Letzt einigte man sich auf einen sehr jungen Herrscher: Karl Robert von Anjou wurde König von Ungarn. Der neue König, der auch die ungarische Sprache beherrschte, reiste daher nach Ungarn, fühlte sich aber nirgends so richtig sicher. Erst als er das Doppelburgsystem sah, hatte er seinen Platz gefunden: Karl zog 1325 von Temesvár nach Visegrád, machte die Stadt zur Hauptstadt und sorgte für einen unheimlichen Aufschwung. Schließlich kam nicht nur der König in die Stadt, sondern auch seine komplette Entourage, Minister, Beamte, Adelige – alles was Rang und Namen hatte, wollte in der Nähe des Königs sein. Die Blütezeit von Visegrád begann…

Der Wohnbereich des Königs
Karl Robert von Anjou wohnte noch nicht im Palast, aber bereits in einem Haus mit Fußbodenheizung. Sein Nachfolger, der schon weitaus gefestigter im Sattel als König saß, begann dann mit dem Ausbau des Hauses zu einem Palast: der Rittersaal wurde gebaut und auch der Wohntrakt erweitert.

Vor dem Bad der Königin
Danach kam Sigismund von Luxemburg auf den ungarischen Thron und baute den Palast weiter aus. Schließlich war er nicht nur ungarischer König, sondern auch deutsch-böhmischer Kaiser. Visegrád wurde mit seiner Herrschaft Ende des 14. Jahrhunderts eines der politischen Zentren Europas, hier wurde europäische Spitzenpolitik betrieben. Allerdings zog sich Sigismund am Ende seiner Regentschaft nach Deutschland zurück und Visegrád verlor damit an Bedeutung.

Der Löwe vom Brunnen ...
Doch auch als 1408 Buda zur ungarischen Hauptstadt wurde, baute man Visegrád weiter aus und es behielt seine Bedeutung.

Doch noch einmal kehrte der ganze Glanz in die Stadt zurück: Matthias Corvinus Hunyadi wurde König von Ungarn und ließ sich von seiner Gattin Beatrix von Aragón dazu inspirieren, ab 1476 den Königspalast in Visegrád im spätgotischen Stil zu erneuern und zu einem prunkvollen Renaissancepalast zu erweitern. Corvinus war bekannt für sein Faible für Renaissancekünstler aus Italien, und auch hier – wie in Buda und auch in Wien – holte er italienische Künstler für die Arbeiten. Um 1480 kamen die Eheleute ein letztes Mal nach Viségrad, ins Paradies auf Erden, danach blieb Visegrád mit seinem Palast zwar noch die Sommerresidenz der Könige, verlor aber zunehmend an Einfluss.

Denkmal des Matthias Corvinus
Nach der Schlacht von Mohács, die den Ungarn eine schwere Niederlage zufügte, änderte sich die politische Lage. 1544 fiel nach einer längeren Belagerung die Zitadelle und die Osmanen raubten nicht nur die Burg aus, sondern nahmen auch aus dem Palast alles mit, das nicht niet- und nagelfest war. Schuld daran war ein sehr trockener Frühling gewesen, der dazu führte das die Zisterne leer wurde und austrocknete. Der Wassermangel sorgte nach langen Verhandlungen dafür, dass die Burg übergeben wurde, den Ungarn wurde freier Abzug zugesichert. Doch die Osmanen hielten sich nicht an das Abkommen. Sie schlachteten alle Ungarn bis auf den Span ab. Diesen schickten sie zum König, damit er ihm mitteilen sollte, dass sie so mit allen widerfahren würden, die sich ihnen widersetzten.

Die Kirche von Visegrád
Es gelang Österreichern und Ungarn zwar die Osmanen zu vertreiben, doch sie konnten die Gebiete auch wieder rückerobern. Erst 1685 wurden sie endgültig vertrieben. Visegrád fiel in die Bedeutungslosigkeit zurück.

Nach dem Abzug der Osmanen holte man im 18. Jahrhundert neue Siedler aus deutschen Gebieten (Donauschwaben) ins Land, um die entvölkerten Regionen wieder zu besiedeln. Das Burgschloss wurde von den neuen habsburgischen Herrschern aus Angst gesprengt, dass es der Ausgangspunkt einer Rebellion werden könnte. Die Neuankömmlinge benutzen auch in Visegrád beim Aufbau ihrer Häuser die Reste der Burgen und Paläste und so kann es heute sein, dass man in alten Bauten in Visegrád auch noch alte Teile der Burg, des Palastes oder der Zitadelle entdeckt.
Im 19. Jahrhundert entdeckten die Ungarn Visegrád neu: durch das erwachende Nationalbewusstsein wurde es ein Symbol der bedeutenden Geschichte des Landes.
Die wunderschöne landschaftliche Umgebung des Donauknies und des Pilis-Gebirges, die Nähe zu Budapest, die Thermalquellen machen heute Visegrád zu einem beliebten Ausflugsort für Ungarn und Touristen.

Die Visegráder Staaten

Diese lose Vereinigung ist auch heute wieder in aller Munde, haben sich doch Ungarn, Tschechien, die Slowakei und Polen auch in der Flüchtlingsfrage für ein gemeinsames Vorgehen geeinigt. In der Gegenwart sind sie als die Visegráder Staaten oder die Visegráder Vier bekannt. Die Geschichte der Zusammenarbeit begann hier in Visegrád mit Karl Robert von Anjou.

Eigentlich waren es anfangs nur drei Staaten: Ungarn, Böhmen (in der Gegenwart kam durch die Trennung der Tschechoslowakei die Slowakei dazu) und Polen. Immer wieder gab es zwischen den einzelnen Herrscherhäusern Streitigkeiten, die kriegerisch ausgetragen wurden. Karl Robert von Anjou erkannte, dass sie alle dadurch aber immer weiter ins Hintertreffen in der Entwicklung gegenüber den anderen Staaten gelangen würden, wenn sie ihre Unstimmigkeiten nicht friedlich belegen könnten.

So berief er 1335 das Visegráder Königstreffen ein, um die Differenzen ein für alle Mal beizulegen. Ein riesiges Zeltlager entstand in Visegrád und es muss eine große logistische Leistung gewesen sein, die Könige und ihre Gefolgschaft zu versorgen. So berichten Chroniken, dass alleine die böhmische Gesandtschaft an einem Tag 1600 Laib Brot und über 2000 Liter Wein konsumierte. Es war ein riesiger Tross, der sich hier in Visegrád eingefunden hatte, aber der Ausgang des Treffens kann als erfolgreich bezeichnet werden.
In der Gegenwart erinnerten sich die Staaten wieder an das damalige Treffen und haben dieses zum Anlass genommen, um den losen Staatenbund wieder auferstehen zu lassen.

Das kleine Städtchen mit kaum 1700 Einwohnern hat eine große und wichtige Geschichte. 40 Kilometer von Budapest entfernt wurde hier Europapolitik in ganz großem Stil gemacht.
Durch ein Tor fährt man in die kleine, verschlafene Stadt ein. Aus Budapest kommend hat man rechts einen wunderschönen Ausblick auf das Donauknie und die Donau, aber sie sollten auch den Blick nach links wenden: Hoch oben am Berg thront die Obere Burg und wer genau schaut, sieht auch den wiederaufgebauten Palast der unteren Burg hervorblinzeln.

Die Geschichte von Visegrád

Die Donau war auch hier wahrscheinlich der entscheidende Punkt eine Siedlung zu gründen. Sie ist schon immer Fischgrund, Verkehrsweg, Grenze zu anderen Völkern. So auch hier.

Blick auf die Donau

Die Gegend war schon zur Zeit der Urnenfelderkultur besiedelt, in der Nähe von Visegrád fand man einen der größten Friedhöfe dieser Kultur. Da damals allerdings mit Holz gebaut wurde, sind keine Bauten erhalten geblieben. Die ersten Steinbauten in der Gegend stammen daher von den Römern, die sich auch hier am Donauknie niederließen. Die Donau wurde nun zum Grenzfluss, zum Limes, der allerdings durch den Zickzack-Verlauf des Flusses ziemlich unübersichtlich und dadurch schwierig zu verteidigen war. Gute Befestigung war daher Pflicht, wollte man die Einfälle der germanischen Stämme abwehren. So baute man hier zwei römische Anlagen, eine für 100, die zweite für ungefähr 300 Legionäre, die bei Bedarf aus nahegelegenen Legionslagern rasch Unterstützung bekommen konnten.

Der Königspalast von Visegrád
Wie wichtig man die Verteidigung nahm, beweisen auch die acht Wachttürme, die man bis heute zwischen den beiden Lagern gefunden hat. Diese waren nicht alle gleichzeitig in Betrieb, sondern ersetzten meistens alte, desolat gewordene Vorgänger. Mit dem Zerfall des römischen Reiches zogen sich auch die Römer aus dieser Gegend geordnet zurück. Sie waren nicht in kriegerische Auseinandersetzungen verwickelt, oder wurden vertrieben, sondern zogen sich geordnet zurück. Die römische Festung blieb.

Im Königspalast von Visegrád
Slawische Volksgruppen, wahrscheinlich Urväter der heutigen Slowaken, kamen ins Land und nahmen die Festung und die Region in Besitz und gaben ihr den Namen Visegrád (hoch gelegene Burg). Der Name bezog sich damals allerdings nicht auf die Obere Burg, die es damals ja noch gar nicht gab, sondern auf die römische Festung.
Nach dem Untergang des Awarenreiches im 9. Jahrhunderts machte sich im Karpatenbecken ein großes Machtvakuum breit, während sich weiter südlich das byzantinische Reich festigte und in Mitteleuropa die Franken mehr und mehr die Herrschaft übernahmen.  

Ausstellung im Königspalast
Doch dann tauchte aus den Steppen Mittelasiens bald ein gefürchtetes Reitervolk auf, die Magyaren. Bis heute ist es ein Streitfall von wo genau sie kamen: auf Grund der Sprache nimmt man an, dass die südliche Ecke des Urals auf der asiatischen Seite ihr Ausgangspunkt ihrer Reise gewesen sein könnte.

Im Königspalast von Visegrád
Um 900 drangen sie an verschiedenen Stellen ins Karpatenbecken ein und nahmen durch kriegerische Auseinandersetzungen, aber auch mittels politischer Bündnisse bald das gesamte Gebiet relativ schnell ein. Hier fühlten sie sich sicher und unternahmen Einfälle nach Mitteleuropa. Die kampferprobten Reiter wurden zur Gefahr der umliegenden Ländereien, die Menschen zitterten vor ihren Reitertruppen. Der Spruch „Gott schütze uns, die Magyaren kommen“ ging um im restlichen Europa. Erst König Otto I. schaffte es schließlich größere Verbände zusammenzuschließen, stellte sich ihnen auf dem Lerchfeld bei Augsburg entgegen und bereitete ihnen eine schwere Niederlagen.

Im Palast von Visegrád
Der damalige Großfürst Geza änderte daraufhin seine Strategie: er ließ seinen Sohn Stephan taufen und verheiratete ihn mit einer bayrischen Prinzessin. Damit waren die Ungarn mit einem Schlag in der europäischen Aristokratie vertreten. Im Jahre 1000 wurde das Königreich Ungarn gegründet, das das ganze Karpatenbecken und damit einen Großteil des heutigen Rumäniens, die ganze Slowakei, das Burgenland und Teile von Serbien umschloss. Um das riesige Gebiet zu verwalten, teilte man es in Komitate, die römische Festung wurde in Visegrád wieder aufgebaut und als Zentrum des Komitats Visegrád eingesetzt. 1009 wird Visegrád erstmals urkundlich erwähnt. 240 Jahre lang erlebte man eine relativ friedliche Zeit – dann kamen die Mongolen. Alles, was sich ihnen entgegenstellte, wurde ausradiert und zunichte gemacht – so auch die römische Festung.

Blick auf den Herkulesbrunnen im Hof des Palastes
Um besseren Schutz vor solchen Einfällen zu haben, ließ schließlich Bela IV. ein Doppelburgsystem hier in Visegrád erbauen. Eine Mauer führte von der Oberen Burg, der Zitadelle bis hinunter an die Donau, auch der alte Salomonturm war ein Teil dieses Befestigungssystems, mit dem man ein System geschaffen hatte, das lange Zeit als uneinnehmbar galt und ein Rückzugsort für Bela IV. darstellen sollte. Visegrád war und blieb jedoch auch zu dieser Zeit bestenfalls Provinzhauptstadt.

Detail des Brunnens
Der Beginn der 14. Jahrhunderts brachte dann weitreichende Änderungen. Die königliche Linie des Arpadengeschlechts war ausgestorben, Streitereien und Intrigen machten sich breit, wer nun der rechtmäßig den Thron ersteigen sollte. Zu guter Letzt einigte man sich auf einen sehr jungen Herrscher: Karl Robert von Anjou wurde König von Ungarn. Der neue König, der auch die ungarische Sprache beherrschte, reiste daher nach Ungarn, fühlte sich aber nirgends so richtig sicher. Erst als er das Doppelburgsystem sah, hatte er seinen Platz gefunden: Karl zog 1325 von Temesvár nach Visegrád, machte die Stadt zur Hauptstadt und sorgte für einen unheimlichen Aufschwung. Schließlich kam nicht nur der König in die Stadt, sondern auch seine komplette Entourage, Minister, Beamte, Adelige – alles was Rang und Namen hatte, wollte in der Nähe des Königs sein. Die Blütezeit von Visegrád begann…

Der Wohnbereich des Königs
Karl Robert von Anjou wohnte noch nicht im Palast, aber bereits in einem Haus mit Fußbodenheizung. Sein Nachfolger, der schon weitaus gefestigter im Sattel als König saß, begann dann mit dem Ausbau des Hauses zu einem Palast: der Rittersaal wurde gebaut und auch der Wohntrakt erweitert.

Vor dem Bad der Königin
Danach kam Sigismund von Luxemburg auf den ungarischen Thron und baute den Palast weiter aus. Schließlich war er nicht nur ungarischer König, sondern auch deutsch-böhmischer Kaiser. Visegrád wurde mit seiner Herrschaft Ende des 14. Jahrhunderts eines der politischen Zentren Europas, hier wurde europäische Spitzenpolitik betrieben. Allerdings zog sich Sigismund am Ende seiner Regentschaft nach Deutschland zurück und Visegrád verlor damit an Bedeutung.

Der Löwe vom Brunnen ...
Doch auch als 1408 Buda zur ungarischen Hauptstadt wurde, baute man Visegrád weiter aus und es behielt seine Bedeutung.

Doch noch einmal kehrte der ganze Glanz in die Stadt zurück: Matthias Corvinus Hunyadi wurde König von Ungarn und ließ sich von seiner Gattin Beatrix von Aragón dazu inspirieren, ab 1476 den Königspalast in Visegrád im spätgotischen Stil zu erneuern und zu einem prunkvollen Renaissancepalast zu erweitern. Corvinus war bekannt für sein Faible für Renaissancekünstler aus Italien, und auch hier – wie in Buda und auch in Wien – holte er italienische Künstler für die Arbeiten. Um 1480 kamen die Eheleute ein letztes Mal nach Viségrad, ins Paradies auf Erden, danach blieb Visegrád mit seinem Palast zwar noch die Sommerresidenz der Könige, verlor aber zunehmend an Einfluss.

Denkmal des Matthias Corvinus
Nach der Schlacht von Mohács, die den Ungarn eine schwere Niederlage zufügte, änderte sich die politische Lage. 1544 fiel nach einer längeren Belagerung die Zitadelle und die Osmanen raubten nicht nur die Burg aus, sondern nahmen auch aus dem Palast alles mit, das nicht niet- und nagelfest war. Schuld daran war ein sehr trockener Frühling gewesen, der dazu führte das die Zisterne leer wurde und austrocknete. Der Wassermangel sorgte nach langen Verhandlungen dafür, dass die Burg übergeben wurde, den Ungarn wurde freier Abzug zugesichert. Doch die Osmanen hielten sich nicht an das Abkommen. Sie schlachteten alle Ungarn bis auf den Span ab. Diesen schickten sie zum König, damit er ihm mitteilen sollte, dass sie so mit allen widerfahren würden, die sich ihnen widersetzten.

Die Kirche von Visegrád
Es gelang Österreichern und Ungarn zwar die Osmanen zu vertreiben, doch sie konnten die Gebiete auch wieder rückerobern. Erst 1685 wurden sie endgültig vertrieben. Visegrád fiel in die Bedeutungslosigkeit zurück.

Nach dem Abzug der Osmanen holte man im 18. Jahrhundert neue Siedler aus deutschen Gebieten (Donauschwaben) ins Land, um die entvölkerten Regionen wieder zu besiedeln. Das Burgschloss wurde von den neuen habsburgischen Herrschern aus Angst gesprengt, dass es der Ausgangspunkt einer Rebellion werden könnte. Die Neuankömmlinge benutzen auch in Visegrád beim Aufbau ihrer Häuser die Reste der Burgen und Paläste und so kann es heute sein, dass man in alten Bauten in Visegrád auch noch alte Teile der Burg, des Palastes oder der Zitadelle entdeckt.
Im 19. Jahrhundert entdeckten die Ungarn Visegrád neu: durch das erwachende Nationalbewusstsein wurde es ein Symbol der bedeutenden Geschichte des Landes.
Die wunderschöne landschaftliche Umgebung des Donauknies und des Pilis-Gebirges, die Nähe zu Budapest, die Thermalquellen machen heute Visegrád zu einem beliebten Ausflugsort für Ungarn und Touristen.

Die Visegráder Staaten

Diese lose Vereinigung ist auch heute wieder in aller Munde, haben sich doch Ungarn, Tschechien, die Slowakei und Polen auch in der Flüchtlingsfrage für ein gemeinsames Vorgehen geeinigt. In der Gegenwart sind sie als die Visegráder Staaten oder die Visegráder Vier bekannt. Die Geschichte der Zusammenarbeit begann hier in Visegrád mit Karl Robert von Anjou.

Eigentlich waren es anfangs nur drei Staaten: Ungarn, Böhmen (in der Gegenwart kam durch die Trennung der Tschechoslowakei die Slowakei dazu) und Polen. Immer wieder gab es zwischen den einzelnen Herrscherhäusern Streitigkeiten, die kriegerisch ausgetragen wurden. Karl Robert von Anjou erkannte, dass sie alle dadurch aber immer weiter ins Hintertreffen in der Entwicklung gegenüber den anderen Staaten gelangen würden, wenn sie ihre Unstimmigkeiten nicht friedlich belegen könnten.

So berief er 1335 das Visegráder Königstreffen ein, um die Differenzen ein für alle Mal beizulegen. Ein riesiges Zeltlager entstand in Visegrád und es muss eine große logistische Leistung gewesen sein, die Könige und ihre Gefolgschaft zu versorgen. So berichten Chroniken, dass alleine die böhmische Gesandtschaft an einem Tag 1600 Laib Brot und über 2000 Liter Wein konsumierte. Es war ein riesiger Tross, der sich hier in Visegrád eingefunden hatte, aber der Ausgang des Treffens kann als erfolgreich bezeichnet werden.
In der Gegenwart erinnerten sich die Staaten wieder an das damalige Treffen und haben dieses zum Anlass genommen, um den losen Staatenbund wieder auferstehen zu lassen.

Der Königspalast

Der Königspalast

Benutzt man die Durchzugstrasse durch Visegrád, um nach Esztergom zu kommen und lenkt man seinen Blick nicht rechtzeitig nach links, wird man kaum bemerken, welcher Schatz hier am Berghang verborgen liegt. Vielleicht nimmt man noch die Burg hoch oben am Berg wahr, aber der Palast entzieht sich den Blicken der vorbeifahrenden Autos ein wenig. Doch er ist Grund genug, hier einen längeren Stopp einzulegen.

Am besten beginnen Sie die Besichtigung im Touristenzentrum, wo sie weitere Informationen erhalten oder einen Führer buchen können und dann geht es über den Parkplatz wenige Meter zum Eingang des Palastes. Bereits hier ist man von der Größe der Anlage beeindruckt. Neben der großen Renaissancetreppe geht es in den Palast zum Rundgang.

Der Königspalast von Visegrád
Obwohl Visegrád eine beeindruckende Geschichte vorweisen konnte, war der Palast verschwunden. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts wusste man nicht einmal mehr, wo er gestanden war. Erst 1934, bei Arbeiten in einem Obstgarten wurden zufällig, beim Ausgraben der Obstbäume, größere Mauerreste entdeckt.

Der Herkulessaal

Dieser Raum hat seinen Namen nach dem Herkulesbrunnen, dessen Nachbildung man heute im Innenhof sehen kann. Der Herkulesbrunnen ist ein typischer Renaissancebrunnen, der Ende des 15. Jahrhunderts, in der Zeit von Matthias Corvinus hier eingebaut wurde. Corvinus hatte ein Faible für die italienischen Künstler der Renaissance und es war sein Verdienst, diese Strömung auch außerhalb von Italien zu fördern und mit Arbeiten zu beauftragen. Corvinus ließ damals alle Brunnen entfernen und durch Renaissancebrunnen ersetzen. Der Herkulesbrunnen zeigt die typische Symbolik der Renaissance. Eigentlich war Corvinus „nur“ aus niedrigem Adel, er musste sich seinen Status als König und als rechtschaffender Mann erst durch Taten erkämpfen und immer wieder beweisen, ähnlich wie Herkules. Herkules war auch „nur“ ein Halbgott, der sich ebenfalls durch seine Taten seine Stellung erkämpfen musste. Corvinus hat sich daher auch gerne mit Herkules verglichen.

Der Herkulesbrunnen
Es waren aber nicht nur die Brunnen, die die damalige Welt und auch uns heute noch in Staunen versetzen, sondern das ganze Wasserleitungssystem des Palastes, der als Paradies auf Erden bezeichnet wurde.

Der Brunnen im Königspalast
Springbrunnen brauchen Wasser und Druck, daher wurde das Wasser oberhalb des Palastes in einer Zisterne gesammelt und versorgte so alle Brunnen. Es war ein so ausgeklügeltes System, dass man an Festtagen aus den Musenbrunnen aber auch Rot- oder Weißwein sprudeln lassen konnte.

Das Bad des Königs
Die Burg hatte auch ein eigenes Badezimmer, das auf der einen Seite mit Kaltwasser durch das Leitungssystem, aber auch mit Warmwasser versorgt werden konnte. Dazu wurde in einer Kammer daneben von einem königlichen Bediensteten ein Wasserbehälter aufgeheizt, sodass der König beim Bad jeweils zwischen Kalt- und Warmwasser wählen konnte.
Auch die königliche Toilette wurde damals schon „gespült“, um Geruchsbelästigungen zu vermeiden.

Der Brunnen im Königspalast

Doch zurück zum Herkulesbrunnen. Es scheint als hätten die Osmanen bei ihrem Rückzug alles was möglich war, mitgenommen. So fehlt z.B. vom Musenbrunnen jede Spur. Man nimmt an, dass sie beim Abtransport des Herkulesbrunnen gestört wurden, denn das Fundament wurde an einem anderen Ort gefunden als die Brunnenschale und einige andere Teile. Leider ist der Brunnen aber nicht mehr ganz vollständig.

Die Königliche Wohnebene

Die Königliche Wohnebene

Der König stand über dem Volk und diese Stellung sollte sich natürlich auch im Gebäude ausdrücken. Daher liegt die königliche Wohnebene auch einen Stock über dem sonstigen Volk. Während im Untergeschoss die Küche, Lagerräume und Quartiere für höherstehende Beamte untergebracht sind, war das Obergeschoss der königlichen Familie vorbehalten. Im Süden lagen die Gemächer für den König: ein offizielles Besuchszimmer für Audienzen, ein Schreibzimmer und schließlich sein Schlafzimmer. Genau auf der gegenüber liegende Seite befanden sich die Gemächer der Königin und dazwischen Zimmer der Prinzen und das königliche Wohnzimmer.

Die Küche

Die Küche des Königs im Palast

Hier werkte ein ganz besonders wichtiger Mann und Vertrauter des Königs. Der Koch wurde nicht nur geschätzt, weil er schmackhafte Speisen zubereiten konnte, er musste auch das Vertrauen des Königs genießen und ging auch mit ihm auf die Reise. Schließlich kam es ja immer wieder vor, dass Gegner, aber auch Verwandte oder Vertraute versuchten, den Herrscher mit Gift ins Jenseits zu befördern. Dies konnte einen schnellen Tod bedeuten, aber auch ein langsames Dahinsiechen: je nach der Dosierung und dem verwendeten Gift. Kräuter wurden aber auch dazu benutzt, um die für den Erhalt benötigten Nachkommen zu verhindern. Manch eine Fehlgeburt wurde durch den Einsatz bestimmter Kräuter ausgelöst.

In der Küche des Königspalast

Auch einige Bräuche und Sprichwörter, die wir heute noch verwenden, stammen aus der Küche der damaligen Zeit.

Das Anstoßen
Der Brauch des Anstoßens geht ebenfalls auf die Angst vergiftet zu werden, zurück. Um sicher zu gehen, dass der Trunk nicht vergiftet war, versuchte man so kräftig anzustoßen, dass aus seinem eigenen Glas die Flüssigkeit in das Glas des anderen überschwappte. Trank dieser dann ohne Probleme daraus, konnte man annehmen, dass der Inhalt nicht vergiftet war. Zögerte der andere jedoch danach einen Schluck aus seinem Glas oder Pokal zu nehmen, war Vorsicht für das eigene Leben geboten.

Alles in Butter
Hochgestellte Personen wie König oder Hochadel aßen nicht auf Holzschüssel oder mit Holzbesteck, sondern erfreuten sich des feinen Porzellans. Dieses musste allerdings oft weit transportiert werden, um an seinen Einsatzort, die königliche Tafel, zu kommen. Wie sollte man es aber verschicken, ohne dass es am Lieferort in 1000 Stücken zerbrochen ankam? Am besten in Butter. Fett wurde heiß und damit flüssig gemacht, und darin wurde nun das kostbare Porzellan hineingegeben. Die Butter wurde fest und das Porzellan war darin gut aufgehoben. Am Bestimmungsort wurde die Butter wieder flüssig gemacht und die guten Stücke unversehrt herausgenommen. Alles in Butter eben …

Einen Zahn zulegen
In der Küche hing der Topf mit dem zuzubereitenden Essen über dem Feuer. Um die Hitze verschieden stark dosieren zu können, gab es gezahnte Halterungen, in die man die Ketten der Töpfe einhängen konnte. Ein Zahn mehr nach unten, brachte damit den Topf näher zum Feuer und die Speise wurde schneller gegart – sie legte eben einen Zahn zu …

Einen Zahn zulegen

Der Löwenbrunnen

Corvinus ließ nicht nur die Brunnen erneuern, er legte auch verschiedene prächtige Gärten an. Um den Löwenbrunnen entstand so auch ein kleiner Garten, der als Rückzugsmöglichkeit für den König gedacht war. Matthias liebte Granatapfelbäume, die hier angeblich gepflanzt waren. Außerdem gab es von hier aus einen direkten Zugang in die Kapelle.

Der Löwenbrunnen

Die Kapelle

Die meisten Kapellen sind nach Ost-West ausgerichtet, die Kirche im Palast von Visegrád jedoch nach Nord-Süd. Dieser Umstand ist dem Hang geschuldet, der es unmöglich machte, die Kapelle anders auszurichten, sie wäre sonst irgendwann einmal abgesackt.
Natürlich gab es auch hier wieder einen eigenen Zugang für den König, um sich vom Volk abzuheben.

Die Renaissancetreppe

Am Ende des Rundgangs gelangt man zur Renaissancetreppe, die wieder zum Ausgangspunkt zurückführt. Auch hier kann man die Symbolik wieder ganz stark erleben, auch sie symbolisiert den Status des Königs. Beim Herabschreiten kann man kaum das Ende der Treppe sehen, soweit ist das Volk entfernt, aber auch umgekehrt ist es genauso: über mehrere Etappen merkt man beim Hinausschreiten, wie weit der König vom Volk entfernt ist.

Die internationalen Palastspiele

Am Platz neben der Treppe finden an zwei Wochenenden im Juli die internationalen Palastspiele statt, die – in Anwesenheit des Königs und der Königin – viele Touristen in die Stadt ziehen. Lassen Sie sich das Spektakel keinesfalls entgehen.
Der Königliche Palast ist Dienstag bis Sonntag von 9:00 bis 17:00 Uhr geöffnet.

Folgende Dauerausstellungen können besucht werden: Lapidarium, Archäologische Ausstellung, Zimmer aus der Zeit von Sigismund, Die Geschichte des Palastes – Kurzfilm, Küche, Das herzogliche Appartement zurzeit von Matthias, Das Bad der Königin, Palastkapelle, Palastgarten, Herkulesbrunnen

Der Königliche Palast (Ungarisches Nationalmuseum, König Matthias Museum)
2025 Visegrád, Fő utca 23
Tel: +36 25 597 010
www.visegradmuzeum.hu

König Matthias – Historischer Spielplatz

Gegenüber des Palastes findet sich ein Historischer Spielplatz, der ihre Kinder sicher erfreuen wird. Er ist ebenfalls von Dienstag bis Sonntag und an Feiertagen von 10:00 bis 18:00 Uhr geöffnet

Der König Matthias Spielplatz vis à vis vom Königspalast
König Matthias Spielplatz
2025 Visegrád, Fő utca 6/a
Tel: +36 26 597 010
www.visegradmuszeum.hu

Obere und Untere Burg

Die Zitadelle und die Obere Burg

Die Zitadelle wurde als der obere Teil des Burgsystems im Auftrag von König Béla in den 1250er Jahren errichtet. Die Obere Burg auf dem Hügel war, nicht nur wegen des Ausblicks der wichtigste Teil der Verteidigungssystems. Die Burgmauern umschlossen einen dreieckigen Grundriss auf fünf Terrassen und hatten drei Ecktürme. Unter der Herrschaft von Sigismund von Luxemburg und Matthias Corvinus wurde sie ständig erweitert und renoviert. Die Stephanskrone wurde hier im Burgfried von 1323 bis zur türkischen Herrschaft aufbewahrt. Während der Kämpfe in der Türkenzeit wurde die Festungsanlage zerstört und verlor danach ihre militärische Bedeutung.

Blick auf die Zitadelle
Heute genießen Besucher vor allem den wunderbaren Ausblick auf das Donauknie und die Umgebung.
In der Zitadelle kann man mehrere Ausstellungen besuchen: über die Heilige Stephanskrone, über die Geschichte der Burg, Panoptikum, über mittelalterliche Waffen und über die Jagd.

Zitadelle
2025 Visegrád, Fekete-hegy
Tel: +36 26 398 101
www.pakerdo.hu

Die Untere Burg und der Salomon Turm

Auch der Salomon-Turm war Teil der Burganlage, die Béla IV. in Visegrád errichten ließ. Der monumentale, sechseckige Wohnturm gilt in ganz Mitteleuropa als einzigartig. Er erhielt seinen Namen auf Grund einer falschen Überlieferung nach dem König Salomon, der allerdings bereits 200 Jahre vor dem Bau des Turms in Visegrád inhaftiert war. Die Untere Burg hatte die Aufgabe, den Handelsweg zwischen Buda und Esztergom zu überwachen. Im Türkensturm brach der südliche Teil des Turms zusammen und wurde erst in den 1870ern wieder aufgebaut, wobei die Renovierung erst in den 1960ern fertig gestellt wurde. Im Turm befindet sich ein Museum, das die Geschichte von Visegrád präsentiert und die Brunnen des königlichen Palastes in der Anjou-Zeit beleuchtet.

Der Salomon Turm
Der Turm ist im Sommer von Mittwoch bis Sonntag von 9:00 bis 17:00 Uhr geöffnet

Salomon Turm (Ungarisches Nationalmuseum, König Matthias Museum)
2025 Visegrád, Salamon-torony utca
Tel: +36 26 597 010
www.visegradmuzeum.hu

Mittelalterliche Ritterspiele

Die Eröffnung der mittelalterlichen Ritterspiele

Heute kann man auf der Terrasse neben dem Turm, wo in der Zeit Ludwig des Großen eine Glockengießer-Werkstatt stand, an Ritterspielen teilnehmen. Diese sind eine Vorführung des St. Georg Ritterordens. Auf dem Programm stehen Bogenschießen, Wurfstern- und Speerwerfen, eine kleine Falknershow und spannende, manchmal auch mit Humor gewürzte Ritterzweikämpfe. Im Winter finden sie jeden Samstag, in der Hauptsaison an jeden Mittwoch und Samstag um 12:00 Uhr statt.

Mitelalterliche Ritterspiele beim Salomon Turm
Mittelalterliche Ritterspiele beim Salomon Turm
Tel: +36 20 398 081
Email: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!
www.renvisegrad.hu (Englisch und Ungarisch, nicht erschrecken – es erscheint die Website des Renaissance Restaurant, wo aber auch die Ritterspiele gebucht werden können)

Das Görgei-Haus

Artúr Görgei war ein ungarischer General während der Revolution 1848-1849. Militärisch äußerst begabt feierte er anfangs große Siege und stieg sogar bis zum Kriegsminister auf. Seine Auseinandersetzungen mit Kossuth hatten aber keinen guten Einfluss auf die weitere Entwicklung der Revolution. Außerdem wollte er den Zaren von Russland die ungarische Krone antragen. Nach einer verhängnisvollen Niederlage der russischen Armee, forderte Görgei Kossuth aus, abzudanken und ihm die Macht zu übertragen, was auch geschah. Zwei Tage später ergab sich Görgei in Vilagos den russischen Truppen. Görgei wurde nach seiner Kapitulation begnadigt und in Klagenfurt interniert. Bis 1867 arbeitete er dort in einer Tuchfabrik, dann kehrte er nach Ungarn zurück und wurde 1872 bei der Siebenbürgischen Ostbahn angestellt.

Schon zu seinen Lebzeiten waren sich die Ungarn nicht einig, ob er ein Held oder ein Verräter der ungarischen Sache sei, und so zwiespältig wurde er auch bis zu seinem Tod 1916 behandelt. Die Ausstellung im Haus präsentiert sein Leben und seine Tagen und überlässt es dem Besucher, sich selbst eine Meinung zu bilden.

Pálinkamuseum

Das Pálinkamuseum

Die Schnapsbrennerei blickt auch in Ungarn auf eine lange wechselvolle Geschichte zurück. Als Aqua Vitae (als Wasser des Lebens) wurde er schon im 13. Jahrhundert erwähnt und im 16. Jahrhundert galt der Branntwein eigentlich als Medikament, das gegen die Pest, zum Desinfizieren gegen Hunde- und Schlagenbisse, aber auch gegen Bauch-, Ellbogen- oder Knieschmerzen, gegen Magenbeschwerden, Erkältung und Grippe wurde er ebenso eingesetzt wie gegen Zahnschmerz oder gegen Bluthochdruck. Heutzutage steht eher der Genuss im Mittelpunkt. Wie heißt es so schön? Es kommt immer auf die Dosis an.

Das Pálinkamuseum in Visegrád
Kein Wunder also, dass in einer geschichtsträchtigen Stadt wie Visegrád auch dem Pálinka gehuldigt wird. Bei einer kleinen Verkostung (auf die Dosis kommt es an!), kann man die verschiedenen Sorten (mir war eigentlich nur Marille, Kirsch und Birne bekannt, aber weit gefehlt) Pálinka verkosten und viel Wissenswertes über Schnapsbrennerei und die Herstellung der Obstbrände im Besonderen erfahren.

Das Pálinkamuseum in Visegrád
Kleine Brennereien gab es in Ungarn zahlreich und auch für den Hausgebrauch wurde gebrannt. Doch dann kam für die Ungarn der Schock: nach dem Ersten Weltkrieg wurden die meisten Hausbrennereien liquidiert, es wurde verboten Alkohol zu brennen und auch zu konsumieren, um das „brüderliche Proletariat nicht zu vergiften“. Verschiedene Zwischenstufen von erlaubt und verboten, mit Steuern und ohne Steuern folgten, aber auch hier waren die Ungarn alle Jahre recht kreativ. Es wurde eben schwarz gebrannt und vom Schnellkochtopf über die Milchkanne wurden allerlei Töpfe und Reindln umgebaut, um an den köstlichen Pálinka, der ja schließlich zu medizinischen Zwecken verwendet wurde, zu kommen. 2010 kam dann die Erlösung: ab diesem Zeitpunkt dürfen Privatpersonen jedes Jahr für den eigenen Genuss ohne Steuerzahlung 50 Liter Schnaps brennen. Das ist doch ein Wort!

Im Pálinkamuseum in Visegrád
Im Schnapsmuseum wird man aber auch in den ehemaligen Eiskeller geführt und der Herr des Hauses zeigt den interessierten Besuchern, was passieren konnte, wenn man beim Schnapsbrennen nicht aufgepasst hat. Dann geht es ab in das gemütliche Probierzimmer, in dem in Vitrinen die verschiedenen Gerätschaften untergebracht sind.

Achtung beim Schwarzbrennen
Im Pálinkamuseum kann man die verschiedensten Sorten Pálinka verkosten (und natürlich auch käuflich erwerben und mitnehmen): Apfel, Marille, Zwetschke, Sauerkirsch, Himbeere, Weintraube und Quitten (den sollten Sie unbedingt probieren!). Beim Blick auf den Preis sollten Sie folgendes bedenken: erstens der Pálinka ist ein Naturprodukt – er besteht aus Obst und sonst gar nichts und zweitens es bedarf 10-12 kg Obst (bei der Quitte sogar 25 kg) um einen Liter Pálinka herzustellen.

Es wird im Kessel gebrannt ...
Außerdem ist wirksame Medizin immer etwas teurer.
Viel Spaß daher beim Verkosten, verpassen Sie bei ihrem Ausflug nach Visegrád nicht im Pálinkamuseum vorbeizuschauen, zu probieren und die eine oder andere Köstlichkeit (es gibt auch köstliche Schokokugeln mit Pálinka gefüllt) mit nach Hause zu nehmen.

Zugfőzde – Pálinkamuseum
2025 Visegrád, Rév u.1
Tel: +36 26 597 026 oder +36 20 939 1790
Email: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!
www.palinkamuzeumvisegrad.hu (Ungarisch)

 

Hier finden Sie auch noch einen Übernachtungs- und einen Restaurant-Tipp.

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