Radovljica

Der kleine Ort gehört zu den schönsten und am besten erhaltensten, mittelalterlichen slowenischen Städten. Machen Sie einen Abstecher in die Stadt von Anton Tomaž Linhart und freuen Sie sich auf den Duft von Lebkuchen und anderer Spezialitäten.

Radovljica liegt ungefähr 6 km von Bled entfernt am Zusammenfluss beider Save-Flüsse. Die Gegend erfreut sich nicht nur eines ungeheuren Pflanzenreichtums (1.200 unterschiedliche Pflanzen wachsen hier), sondern auch vieler Wildtiere. So sind in der Umgebung nicht nur Braunbären zuhause, sondern auch Berghühner, der Schwarzmilan, Schneehühner, der Sperlingskauz und der Wanderfalke.

Blick auf die Umgebung
Die Region war frühbesiedelt und daher gibt es auch immer wieder reiche archäologische Funde. Bodenschätze, der Waldreichtum und die Flüsse führten wahrscheinlich dazu, dass sich bereits in der Hallstatt-Zeit hier erste Siedler niederließen. Das keltische Reich Noricum reichte bis in diese Gegend und war für die hervorragenden Eisenarbeiten bekannt. Kopa war schon damals ein Zentrum der Eisenerzeugung und seine hervorragenden Schmiede sorgten für Reichtum der Stadt bis lange Zeit später.

Während die Langobarden durch die Landschaft zogen ohne größere Spuren zu hinterlassen, begannen sich die Slaven im 7. Jahrhundert hier niederzulassen und wurden später dem Frankenreich im 9. Jahrhundert angeschlossen. Das Christentum setzte sich ebenso durch wie die Feudalherrschaft.

Im Schloss

Der Höhepunkt jener Zeit steht im Zusammenhang mit der Familie der Ortenburgs, die – aus Spittal an der Drau, in Kärnten kommend – hier Besitz nahmen und für die erste Erwähnung von Ratmansdorf im Jahre 1169 sorgten. Die adelige Familie besaß zwei weitere Burgen in der Region: Die Steinburg (Kamen Burg) in der Nähe von Begunje und die Wallenberg Burg in Lipnica, ihr eigentlicher Hauptsitz. Doch Radovljica entwickelte sich in dieser Zeit gut als Handelszentrum. Obwohl ein wenig abseits von den Hauptrouten gelegen, wurden hier die Pferde getauscht und Waren der Eisenproduktion von Kropa, Kamna Gorica und Kolnica wurden hier gehandelt. Zwischen 1273 und 1296 wurde nicht nur die weltliche Administration, sondern auch die kirchliche nach Radovljica übertragen und 1333 bekam die Stadt Marktrechte. Der Aufstieg begann. Hier wurde alles erzeugt, was man für das Überleben in der damaligen Zeit brauchte. Es wurde geflechtet und gegerbt, Schafe wurden geschoren und Wolle erzeugt, Schmiede verrichteten mit großer Kunst ihr Handwerk, Imkereien und damit auch Kerzenziehereien wurden gegründet.

Als der letzte männliche Ortenburg 1420 starb, übernahmen die Grafen von Celje den Besitz. Aber auch ihre männliche Linie endete nur drei Jahrzehnte später und so übernahmen die Habsburger die Herrschaft. Allerdings lief diese Übernahme nicht friedvoll ab und Ratmansdorf wurde belagert und teilweise nieder gebrannt.

Radovljica
Doch der neue Besitzer, Kaiser Friedrich III. erkannte die Bedeutung der Stadt und baute sie Schritt für Schritt weiter aus. 1465 zentralisierte er hier die lokale Gesetzgebung und eine paar Jahre später erneuerte er die Handelsprivilegien. Er erneuerte die Stadtmauern in Angesicht der Türkengefahr. Ein Verteidigungsring mit stolzen 16 Wachtürmern umschloss die Stadt, die um 1500 auch alle Stadtrechte erhielt.
Das 16. Jahrhundert brachte Naturkatastrophen und politisch schwierige Zeiten. 1511 sorgte ein schweres Erdbeben für den Zusammenbruch von Wallenberg und so übersiedelte möglicherweise auch diese Verwaltung nach Radovljica. Aufstände erschütterten das Land und der Protestantismus traf hier auf fruchtbaren Boden. Die adelige Familie zu Dietrichstein gehörte zu den ersten, die den „neuen“ Glauben annahmen, Jurij Dalmatin, einer der führenden Protestanten in Slowenien war oft zu Gast und auch Primož Trubar, der Gründer der protestantischen Kirche in Slowenien soll Radovljica besucht haben.

Nach der Gegenreformation und dem Ende der Türkenkriege konnten sich die Menschen endlich wieder einer friedlichen Periode erfreuen. 1616 kauften die Grafen von Thurn-Valsassina den Besitz von den Habsburgern und blieben hier bis zum Beginn des Zweiten Weltkrieges. In der Stadt gab es nun keine großen Veränderungen, allerdings wurden Handel und Landwirtschaft weiter ausgebaut. Das goldene Zeitalter der Eisenproduktion brach heran: Die Schmiedeeisen-Barone – die Mazzols und Grošeljs aus Kropa und die Kapus-Familie von Kamna Gorica waren die Vorläufer einer neuen Zeit, die den Untergang des Feudalen Systems einläutete. Der wichtigste Repräsentant dieser Zeit wurde 1756 in Radovljica geboren: der erste slowenische Schriftsteller, Pädagoge und Historiker Anton Tomaž Linhart.

Aussicht auf die Umgebung
Doch nun beginnt der langsame Abstieg der Stadt. 1787 verliert die Stadt ihre Eigenverwaltung und wird unter die direkte Herrschaft der Thurn-Valsassina Familie gestellt, erst 1840 kommt es zur Wiederherstellung einer regionalen Authorität in Radovljica. Während des Revolutionsjahres 1848 – dem sogenanntem Frühling der Nationen – unterschieden sich Ratmansdorf und Kropa in ihrem „für“ oder „gegen“ die slowenische Bewegung. Ein weiteres bedeutsames Ereignis für die Stadt ist der Bau der Eisenbahnlinie in Gorenjska. Die nationalistische Bewegung hält weiter an: es entstehen slowenische Klubs, Vereine und Kooperationen, die Wortgefechte werden nicht nur im Parlament, sondern auch vor Ort ausgetragen. Dr. Lovro Toman aus einer Familie der Eisenbarone in Kamna Gorica kämpft mit Erfolg für die Erweiterung der Rechte unter den Nationen der Habsburger Monarchie. Doch der Erste Weltkrieg bricht aus und bringt große Veränderungen und Slowenien – und damit auch Radovljica schließt sich, obwohl nicht alle nationalen Forderungen erfüllt werden, dem Königreich der Serben, Kroaten und Slowenen an.

Radovljica
Wieder beginnt eine ökonomische  und kulturelle Aufwärtsentwicklung und wieder wird sie durch einen Krieg beendet. Der Zweite Weltkrieg bricht aus. Nach der Kapitulation der königlichen jugoslawischen Armee im April 1941 wird die Gorenjska ans Deutsche Reich angeschlossen und Radovljica wird zum administrativen Zentrum der Region. Die slowenische Kultur und Sprache wird unterdrückt, im Sommer kommt es zum Aufstand, der niedergeschlagen wird. 11.500 Menschen werden von der Gestapo in Begunje interniert, 849 kommen ums Leben, über 1.700 werden in die verschiedenen Konzentrationslager überstellt. Im Zweiten Weltkrieg sterben fast zweimal so viele Menschen aus der Region als im Weltkrieg davor.

Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges gehört Radovljica zur Sozialistischen Föderalen Republik Jugoslawiens, im Juni 1991 wird die unabhängige und freie Republik Slowenien ausgerufen, eine Administrationsreform legt 1994 die heutigen Grenzen von Radovljica fest. Mit 1. Mai 2004 ist Slowenien Mitglied der EU.

Der kleine Ort gehört zu den schönsten und am besten erhaltensten, mittelalterlichen slowenischen Städten. Machen Sie einen Abstecher in die Stadt von Anton Tomaž Linhart und freuen Sie sich auf den Duft von Lebkuchen und anderer Spezialitäten.

Radovljica liegt ungefähr 6 km von Bled entfernt am Zusammenfluss beider Save-Flüsse. Die Gegend erfreut sich nicht nur eines ungeheuren Pflanzenreichtums (1.200 unterschiedliche Pflanzen wachsen hier), sondern auch vieler Wildtiere. So sind in der Umgebung nicht nur Braunbären zuhause, sondern auch Berghühner, der Schwarzmilan, Schneehühner, der Sperlingskauz und der Wanderfalke.

Blick auf die Umgebung
Die Region war frühbesiedelt und daher gibt es auch immer wieder reiche archäologische Funde. Bodenschätze, der Waldreichtum und die Flüsse führten wahrscheinlich dazu, dass sich bereits in der Hallstatt-Zeit hier erste Siedler niederließen. Das keltische Reich Noricum reichte bis in diese Gegend und war für die hervorragenden Eisenarbeiten bekannt. Kopa war schon damals ein Zentrum der Eisenerzeugung und seine hervorragenden Schmiede sorgten für Reichtum der Stadt bis lange Zeit später.

Während die Langobarden durch die Landschaft zogen ohne größere Spuren zu hinterlassen, begannen sich die Slaven im 7. Jahrhundert hier niederzulassen und wurden später dem Frankenreich im 9. Jahrhundert angeschlossen. Das Christentum setzte sich ebenso durch wie die Feudalherrschaft.

Im Schloss

Der Höhepunkt jener Zeit steht im Zusammenhang mit der Familie der Ortenburgs, die – aus Spittal an der Drau, in Kärnten kommend – hier Besitz nahmen und für die erste Erwähnung von Ratmansdorf im Jahre 1169 sorgten. Die adelige Familie besaß zwei weitere Burgen in der Region: Die Steinburg (Kamen Burg) in der Nähe von Begunje und die Wallenberg Burg in Lipnica, ihr eigentlicher Hauptsitz. Doch Radovljica entwickelte sich in dieser Zeit gut als Handelszentrum. Obwohl ein wenig abseits von den Hauptrouten gelegen, wurden hier die Pferde getauscht und Waren der Eisenproduktion von Kropa, Kamna Gorica und Kolnica wurden hier gehandelt. Zwischen 1273 und 1296 wurde nicht nur die weltliche Administration, sondern auch die kirchliche nach Radovljica übertragen und 1333 bekam die Stadt Marktrechte. Der Aufstieg begann. Hier wurde alles erzeugt, was man für das Überleben in der damaligen Zeit brauchte. Es wurde geflechtet und gegerbt, Schafe wurden geschoren und Wolle erzeugt, Schmiede verrichteten mit großer Kunst ihr Handwerk, Imkereien und damit auch Kerzenziehereien wurden gegründet.

Als der letzte männliche Ortenburg 1420 starb, übernahmen die Grafen von Celje den Besitz. Aber auch ihre männliche Linie endete nur drei Jahrzehnte später und so übernahmen die Habsburger die Herrschaft. Allerdings lief diese Übernahme nicht friedvoll ab und Ratmansdorf wurde belagert und teilweise nieder gebrannt.

Radovljica
Doch der neue Besitzer, Kaiser Friedrich III. erkannte die Bedeutung der Stadt und baute sie Schritt für Schritt weiter aus. 1465 zentralisierte er hier die lokale Gesetzgebung und eine paar Jahre später erneuerte er die Handelsprivilegien. Er erneuerte die Stadtmauern in Angesicht der Türkengefahr. Ein Verteidigungsring mit stolzen 16 Wachtürmern umschloss die Stadt, die um 1500 auch alle Stadtrechte erhielt.
Das 16. Jahrhundert brachte Naturkatastrophen und politisch schwierige Zeiten. 1511 sorgte ein schweres Erdbeben für den Zusammenbruch von Wallenberg und so übersiedelte möglicherweise auch diese Verwaltung nach Radovljica. Aufstände erschütterten das Land und der Protestantismus traf hier auf fruchtbaren Boden. Die adelige Familie zu Dietrichstein gehörte zu den ersten, die den „neuen“ Glauben annahmen, Jurij Dalmatin, einer der führenden Protestanten in Slowenien war oft zu Gast und auch Primož Trubar, der Gründer der protestantischen Kirche in Slowenien soll Radovljica besucht haben.

Nach der Gegenreformation und dem Ende der Türkenkriege konnten sich die Menschen endlich wieder einer friedlichen Periode erfreuen. 1616 kauften die Grafen von Thurn-Valsassina den Besitz von den Habsburgern und blieben hier bis zum Beginn des Zweiten Weltkrieges. In der Stadt gab es nun keine großen Veränderungen, allerdings wurden Handel und Landwirtschaft weiter ausgebaut. Das goldene Zeitalter der Eisenproduktion brach heran: Die Schmiedeeisen-Barone – die Mazzols und Grošeljs aus Kropa und die Kapus-Familie von Kamna Gorica waren die Vorläufer einer neuen Zeit, die den Untergang des Feudalen Systems einläutete. Der wichtigste Repräsentant dieser Zeit wurde 1756 in Radovljica geboren: der erste slowenische Schriftsteller, Pädagoge und Historiker Anton Tomaž Linhart.

Aussicht auf die Umgebung
Doch nun beginnt der langsame Abstieg der Stadt. 1787 verliert die Stadt ihre Eigenverwaltung und wird unter die direkte Herrschaft der Thurn-Valsassina Familie gestellt, erst 1840 kommt es zur Wiederherstellung einer regionalen Authorität in Radovljica. Während des Revolutionsjahres 1848 – dem sogenanntem Frühling der Nationen – unterschieden sich Ratmansdorf und Kropa in ihrem „für“ oder „gegen“ die slowenische Bewegung. Ein weiteres bedeutsames Ereignis für die Stadt ist der Bau der Eisenbahnlinie in Gorenjska. Die nationalistische Bewegung hält weiter an: es entstehen slowenische Klubs, Vereine und Kooperationen, die Wortgefechte werden nicht nur im Parlament, sondern auch vor Ort ausgetragen. Dr. Lovro Toman aus einer Familie der Eisenbarone in Kamna Gorica kämpft mit Erfolg für die Erweiterung der Rechte unter den Nationen der Habsburger Monarchie. Doch der Erste Weltkrieg bricht aus und bringt große Veränderungen und Slowenien – und damit auch Radovljica schließt sich, obwohl nicht alle nationalen Forderungen erfüllt werden, dem Königreich der Serben, Kroaten und Slowenen an.

Radovljica
Wieder beginnt eine ökonomische  und kulturelle Aufwärtsentwicklung und wieder wird sie durch einen Krieg beendet. Der Zweite Weltkrieg bricht aus. Nach der Kapitulation der königlichen jugoslawischen Armee im April 1941 wird die Gorenjska ans Deutsche Reich angeschlossen und Radovljica wird zum administrativen Zentrum der Region. Die slowenische Kultur und Sprache wird unterdrückt, im Sommer kommt es zum Aufstand, der niedergeschlagen wird. 11.500 Menschen werden von der Gestapo in Begunje interniert, 849 kommen ums Leben, über 1.700 werden in die verschiedenen Konzentrationslager überstellt. Im Zweiten Weltkrieg sterben fast zweimal so viele Menschen aus der Region als im Weltkrieg davor.

Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges gehört Radovljica zur Sozialistischen Föderalen Republik Jugoslawiens, im Juni 1991 wird die unabhängige und freie Republik Slowenien ausgerufen, eine Administrationsreform legt 1994 die heutigen Grenzen von Radovljica fest. Mit 1. Mai 2004 ist Slowenien Mitglied der EU.

Sehenswürdigkeiten

Sehenswürdigkeiten

Die ganze Stadt wurde vor ungefähr 10 Jahren restauriert und renoviert. Das Ensemble der alten Häuser bietet heute eine wunderschöne Atmosphäre – im Sommer sicher noch mehr, als im Jänner, als wir die Stadt besuchten. Die meisten Häuser stammen aus dem 15. und 16. Jahrhundert. Der ehemalige Entwurf mit Verwaltungsgebäuden auf der einen Seite und Handwerks- und Handelsgebäuden auf der anderen Seite des Marktes ist heute noch erkennbar. Mit dem Höhepunkt der Stadtentwicklung an der Wende vom 15. Zum 16. Jahrhundert bekommt die Stadt eine Mauer mit 16 Wehrtürme und einem Wehrgraben. Der Stadtwehrgraben, der teilweise geschmälert und überbaut wurde, ist der einzig erhaltene Stadtgraben im slowenischen Raum.

Im Schloss
Am besten Sie starten Ihren Rundgang durch die alte Stadt beim Tourismuszentrum am Linhardov trg 9 und gehen dann durch das frühere Untere Stadttor zum alten Stadtzentrum und werfen Sie noch einen Blick in den Stadtgraben.

Das Geburtshaus von Anton Tomaž Linhart

Gleich zu Beginn unserer kleinen Tour kommen wir beim Geburtshaus des wohl berühmtesten Kindes der Stadt vorbei: Anton Tomaž Linhart. Linhart war der Sohn tschechischer Einwanderer und gilt als einer der wichtigsten Vertreter der Aufklärung in der slowenischen Geschichte. Er studierte in Wien Finanz- und Wirtschaftswissenschaften, hatte aber bereits früh ein Faible für die Schriftstellerei. Bereits in Wien veröffentliche er seinen ersten Gedichtband: „Blumen aus Krain“, den er noch in deutscher Sprache verfasste. Nach seinem Studium wurde er Archivar des Bischofs in Laibach, dann erhielt er 1789 den Posten eines Kreisschulinspektors. Linhart setzte sich sehr für die Gründung von Grundschulen ein, besonders in ländlichen Gegenden. In Laibach engagierte er sich für die Gründung einer öffentlichen Studienbibliothek aus der später die Slowenische National- und Universitätsbibliothek entstand. Sein erstes Drama, das 1790 entstand hieß Miss Jenny Love und war auch noch in deutscher Sprache abgefasst. In den nächsten Jahren traf sich Linhart oft mit wichtigen Vertretern der slowenischen Aufklärung und begann sich mehr und mehr für die slowenische Sprache, die Kultur und die Geschichte zu interessieren. Ta veseli dan ali Matiček se ženi (Dieser fröhliche Tag oder Matiček heiratet) und Županova Micka (Die Micka des Bürgermeisters) schrieb er bereits in slowenischer Sprache. Diese Werke gelten als die ersten Komödien in slowenischer Sprache und nahmen großen Einfluss auf die weitere Entwicklung der slowenischen Literatur.

Das Linhart-Geburtshaus
1787 heiratet er und wird Vater zweier Töchter. Linhart beginnt an einem ersten vollständigen Werk über die slowenische Geschichte zu schreiben. 1795 beginnt er mit dem Bau eines Hauses, während der Bauarbeiten erleidet er jedoch einen Schlaganfall und stirbt im Alter von nur 38 Jahren.

Sein Geburtshaus wurde durch einen Brand im Jahr 1835 stark beschädigt, aber wieder aufgebaut und renoviert. Eine Gedenkplatte neben der Tür macht Besucher auf den großen Mann der Stadt aufmerksam. Die Reliefverzierung ist ein Werk des Bildschnitzers Matej Goričnik aud dem Jahr 1835 und zeigt die Schönen Künste.

Eine Gedenktafel erinnert an den prominenten Bürger
Auch der zentrale Platz im historischen Stadtkern (Linhartov trg) und die zentrale Kultureinrichtung (Linhart-Saal) sind ebenso nach ihm benannt wie die Grundschule und die Bibliothek. Außerdem gibt es in der Stadt auch noch den Chor, eine Theatergruppe und eine Zeitung, die seinen Namen trägt. Sein Geburtstag, der 11. Dezember ist ein Gemeindefeiertag.

Sein Denkmal befindet sich in der Gorenjska cesta, gegenüber der Fachschule für Betriebswirtschaft und dem Gymnasium. Das Bronzedenkmal, das die Form einer Bühne und eines Buches ha, in welchem ein Bild von Linhart ausgeschnitten ist, ist das Werk des Bildhauers Stane Kolman und des Architekten Marko Smrekar.

Im Stadmuseum Radovljica, das im Schloss untergebracht ist, kann man die Dauerausstellung Anton Tomaž Linhart besuchen: „Jetzt denke ich darüber nach, wie ich bekannt werden könnte.“

Das Vidic Haus

Ein Stückchen weiter auf derselben Seite wie das Linharthaus finden wir auf Nr. 3 das Vidic Haus aus 1634, ein wunderschönes Beispiel eines Renaissance-Gebäudes. Das Portal stammt aus dem Jahre 1822. Sehenswert ist der Erker und die Bemalung.

Das Vidic-Haus mit seiner Bemalung und dem Erker

Das Lectar Haus (Lebkuchen-Museum, Gasthaus, Pension)

Gleich daneben über das schmale Gässchen ist die Gostilna Lectar. Die Geschichte des Hauses begann 1766, in dem Jahr kam Jakob Krivic nach Radovljica, heiratete, brachte sein Zertifikat für das Lebkuchen backen mit und eröffnete hier die Lebkuchenbäckerei und eine Kerzenzieherei. Im 18. und 19. Jahrhundert war das Lebkuchen backen in Slowenien ein weit verbreitetes Handwerk. Es gab mehr Lebzelter als Schmiede und daher wurde es bald mittels Lizenzen geregelt. Jakob wurde 90 Jahre alt und sein Sohn übernahm danach die Geschäfte. Er eröffnete hier auch eine Gaststätte.

Beim Lectar in der Lebkuchen Werkstatt
Auch heute werden hier noch die Lebkuchen nach dem alten Rezept gebacken. Mehl, Honig und sonst „fast“ gar nichts. Mehr kann man natürlich nicht erfahren, denn das Rezept ist geheim, aber Besucher können in Workshops entweder selbst Lebkuchen backen und ihre eigenen Figuren und Herzen kreieren oder die schon vorgebackenen Lebkuchen verzieren. Obwohl diese Lebkuchen als Souvenir und daher nicht als Essen eingestuft werden, sind sie aber natürlich – zumindest sechs Monate lang – essbar. Vier Mädels backen und verzieren die Lebkuchen hier und es macht wirklich Spaß das Museum zu besuchen und sich am Verzieren zu versuchen. Allerdings gleich vorab eine kleine Warnung: Es sieht leichter aus als es ist. Aber dennoch ist man stolz, wenn man sein verziertes Herz anschließend mit nach Hause nehmen kann.

Mein selbst verziertes Herz
Das Gasthaus gilt als das älteste der Stadt und wenn alles so gut schmeckt wie der Birnenschnaps, der Speck und die Brötchen, die wir als Stärkung nach unserem „Kreativworkshop“ bekamen, dann kann ich nur empfehlen, Radovljica nicht ohne einen Besuch und ein Mahl im Lectar zu verlassen. Es war einfach köstlich. Und da die Familie im Haus auch noch Zimmer vermietet, können Sie bedenkenlos ein Schnapserl oder ein Glas Wein probieren.

Eine Stärkung nach dem Verzieren der Lebkuchenherzen
Wenn Sie Glück haben, holt der Besitzer Jože Andreaš seine Mundharmonika hervor und spielt eines seiner Lieblingsstücke – und manchmal stimmen seine Gäste mit ein und es entsteht eine richtige Musiker-Session zum Abschluss eines schönen Abends. Das Lied zu Ehren der Dampflock hat mir besonders gut gefallen:



Unter www.lectar.com finden Sie weitere Informationen über die Gaststätte, die Pension, das Museum und die Lebkuchen Werkstatt.

Schloss und Kirche

Das Schloss (Graščina)

Hier stand neben dem ursprünglichen, mittelalterlichen Turm das Gebäude der Familie Ortenburg, das leider beim großen Erdbeben von 1511 zerstört wurde. Graf Dietrichstein, der nächste Besitzer der Herrschaft baute jedoch am gleichen Platz wieder ein Schloss auf, das dann später von den Grafen von Thurn-Valsassina erweitert wurde. Das Schloss beeindruckt mit seiner schönen Fassade, dem Portal und der eindrucksvollen Stuckatur. Eine vornehme Treppe führt empor in den ersten Stock. Heute kann man im Barocksaal ein Konzert besuchen, hier ist die Musikschule untergebracht und es werden hier Ausstellungen gezeigt. Außerdem kann man das weltberühmte Imkereimuseum und das Stadtmuseum mit der Dauerausstellung von Anton Tomaž Linhart besuchen.

Das Schloss von Radovljica

Das Imkereimuseum

Das Museum zeigt die reiche Tradition der slowenischen Imkerei, die im 18. und 19. Jahrhundert einen wichtigen Wirtschaftsbereich darstellte. Früher betrieben die Imker jedoch immer nur über dem Sommer die Bienenzucht  und zerstörten durch das Einsammeln des Honigs  den Bienenstock. Es war es ein Slowene, der die Imkerschule in Wien am Hof von Maria Theresia mit seinem Wissen möglich machte und neue Ideen in die Imkerei einbrachte.

Der Eingang des Schlosses
Die Sammlung des Imkereimuseum besteht aus drei Hauptbereichen: der Geschichte der Imkerei in Slowenien mit weltbekannten Imkern, den bemalten Bienenstockstirnbrettern und der Krainer Biene. Der Besucher sieht die typischen Bienenstöcke und Imkerwerkzeuge, im Biologiezimmer kann man sehen, wie die autochthone Kärntner oder Krainer Biene lebt und arbeitet und im Kunstbereich kann man eine Besonderheit der slowenischen Volkskultur bewundern: die bemalten Bienenstockstirnbretter, darunter befindet sich auch das älteste bis jetzt erhaltene Stirnbrett aus dem Jahr 1758. Im Sommer kann man die Bienen auch in einem Schaubienenstock beobachten und Videofilme über Bienen und Imker sehen. Die Ausstellung ist in slowenischer, englischer, deutscher und italienischer Sprache erlebbar.
Weitere Informationen finden Sie unter www.muzeji-radovljica.si

Das Stadtmuseum Radovljica

Im Stadtmuseum ist eine Ausstellung dem berühmtesten Bürger der Stadt Anton Tomaž Linhart gewidmet. Unter dem Titel „Jetzt denke ich darüber nach, wie ich bekannt werden könnte“ wird auf unterhaltsame Weise das Zeitalter der Aufklärung und der aufständische Geist von Anton Tomaž Linhart dem Besucher näher gebracht. Die Dauerausstellung widmet sich auch den Änderungen im Denken, in der Politik und auf dem gesellschaftlichen Gebiet. Der Ausstellung kann man in slowenischer und englischer Sprache folgen, ein kurzer Präsentationstext steht in italienischer Sprache zur Verfügung.
Radovljica, unsere Stadt durch Jahrhunderte zeigt anhand von Zeichnungen die Stadtentwicklung von Radovljica vom 14. bis zum 19. Jahrhundert. Slowenische und englische Texte begleiten die Exponate der Ausstellung.

Im Inneren des Schlosses

Radovljiški barvarji (Die Färber von Radovljica) zeigt die Geschichte der einheimischen Färber im 18. und 19. Jahrhundert und der Familie Wagner, die ihre Werkstatt erst zu Beginn der 90er Jahre des vorangehenden Jahrhunderts geschlossen hat.

Die Pfarrkirche des Heiligen Petrus

Am Ende des Platzes steht die Kirche der Stadt, die dem Heiligen Petrus geweiht ist, das Pfarrhaus mit einem spätgotischen Arkadenhof aus dem 16. Jahrhundert und einer gotischen Taverne aus dem 15. Jahrhundert.
Die Kirche ist eine gotische Saalkirche, die durch kunstvoll gestaltete Wölbungen, einem Engelstern und einem Altar aus schwarzem Marmorstein geschmückt wird. Schon im 10. Jahrhundert stand hier wahrscheinlich eine schlichte Holzkapelle, wahrscheinlich das einzige Gebäude damals auf dem Naturvorsprung. Mit der positiven Entwicklung der Stadt wuchs auch die Kirche. Im 13. Jahrhundert war die Stadt so reich und einflussreich, dass man den Sitz der Erzdiözese aus Rodine hierher versetzt wurde. Aus der romanischen Basilika mit drei Kirchenschiffen entstand um 1500 eine gotische Kirche.

Die Pfarrkriche des Heiligen Petrus
Heute ist die Kirche ein typisches Beispiel einer spätgotischen Saalkirche: das Hauptschiff ist von den Seitenschiffen nicht mit Übergängen getrennt, sodass alle Kirchenschiffe gleich hoch sind. Beim Umbau wurde zuerst das hohe, sternförmig gewölbte Presbyterium mit figuralen Schlusssteinen gebaut und gleichzeitig die Maria-Kapelle errichtet. Danach wurde der Saal mit den drei Kirchenschiffen umgebaut. Drei Paare achteckiger Pfeile tragen eine Rippenwölbung aus achtzackigen Sternen. Die Schlusssteine sind größtenteils einfache Rosetten, einige bestehen aus Figuren. Das Mittelschiff wird von einem Engelstern geschmückt.
Die Kirche und das Pfarrhaus sind bereits seit dem 14. Jahrhundert mit einer Mauer umgeben. Das Pfarrherrenhaus mit einem Arkadeninnenhof stammt aus dem 16. Jahrhundert. An der nördlichen Seite befindet sich eine gotische Taverne und die Mauer um die Kirche gilt als der älteste Teil der Stadtmauer und zeigt noch Reste der ehemaligen Wehrtürme. Unter einem dieser Türme (Sakristeiturm) war während des Zweiten Weltkrieges ein deutscher Bunker, der später in die Kapelle der Heiligen Edith Stein umgebaut wurde.

Platz bei der Peterskirche
Im Inneren sind die Altäre sehenswert. Den ursprünglich gotischen Hauptaltar ersetzte man im 18. Jahrhundert durch einen Altar aus schwarzem Marmor, den Lodovico Bombassi aus Ljubljana gestaltete. Wahrscheinlich wurde er 1713 nach einem venezianischen Vorbild für den Dom in Laibach geschaffen, doch der Propst, der gleichzeitig auch Pfarrer in Radovljica war, sorgte dafür, dass bei der Renovierung des Doms der Altar in die Stadt kam. An den Seiten stehen Statuen des Heiligen Leopold und des Heiligen Nikolaus, die von Angelo Pozza geschaffen wurde. Der Altar im Presbyterium, der den Kirchenbesuchern zugewandt ist, stammt vom slowenischen Bildhauer Janez Jarm.

Das Tabernakel des Hauptaltars schuf Ivan Vurnik aus Radovljica und seine Frau Helena Vurnik stattete es mit Bildern aus.

Eingang zur Kirche
Sehenswert ist vor allem der weiße Altar der Heiligen Maria, der von Janez Vurnik, dem Jüngeren aus dem Jahre 1898 stammt. Die Statuen der Rosenkranz-Maria, des Heiligen Dominik und des Heiligen Josefs in den Seitennischen schmücken den Altar ebenso wie eine Kreuzigungsszene. Die Seitenaltäre schmücken Bilder des Heiligen Rochus, des Heiligen Sebastian und der Heiligen Katharina aus dem 17. Jahrhundert.
Am Ende des 19. Jahrhunderts wurde die Kirche erneut gotisiert und die Fassade, die bemalten Fenster, die Eingangsportale und die Verzierungen ebenso erneuert wie die Bemalung der Kirchenwölbungen. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurde auch das Dach erneuert.

Mali, Šivec Haus, Brunnen

Mali Haus

Wir spazieren wieder zurück in Richtung Touristeninformation und kommen am Mali Haus vorbei. Das Haus stammt aus der Gotik- und Renaissancezeit und gefällt durch ihren Erker. Interessant ist hier die Bank, die zwischen den beiden Säulen zu finden ist. Sie wird Schmähbank oder Strafbank genannt und ist eine Art Pranger, da auf ihr all jene Platz nehmen mussten, die leichte Straftaten begangen hatten und hier den Schmähungen der Bevölkerung ausgesetzt wurden. Seit dem 18. Jahrhundert war hier eine Gerberei untergebracht.

Die Sünderbank beim Mali Haus

Das Šivec Haus

Auch dieses Gebäude stammt aus dem 16. Jahrhundert und zeichnet sich durch seine sehr gute Erhaltung aus. Im gewölbten Erdgeschoss ist eine Galerie untergebracht und im Obergeschoss befindet sich ein zentrales Wohnzimmer, das als eines der am schönsten erhaltenen Räume der slowenischen bürgerlichen Architektur des 16. Jahrhunderts gilt, eine Küche und ein Getreidespeicher. Das Wohnzimmer bietet heutzutage eine wunderschöne Atmosphäre für Hochzeiten und in der Galerie kommen Kunstliebhaber auf ihre Rechnung. In einer Dauerausstellung werden Original-Illustrationen slowenischer IllustratorInnen im ersten Obergeschoss gezeigt, während in der Galerie im Erdgeschoss heimische und internationale bildende Künstler ihre Werke ausstellen.

Das Šivec Haus
Bemerkenswert ist die Fassade mit ihrem schönen Fresko aus dem 17. Jahrhundert

Das Josipina Hočevar Denkmal

Fast am Ende des Hauptplatzes, wo früher ein hölzerner Brunnen war, steht heute das Denkmal für eine wichtige Bürgerin der Stadt: Josipina Hočevar, das Josip Pavlin 1908 erschaffen hat. Es ist eines der wenigen Denkmäler, die für Frauen errichtet wurden und – es wurde noch zu Lebzeiten von Josipina aufgestellt. Der Brunnen soll an die Wohltaten erinnern, die diese Frau der Stadt und ihren Kindern angedeihen ließ: Josipina, die kinderlos blieb, unterstützte vor allem Kinder, damit sie eine entsprechende Schulbildung bekamen, aber sie kam auch für Bücher und Kleidung auf. Außerdem spendete sie der Stadt Geld, um die Wasserversorgung von Radovljica zu ermöglichen. Bei der Renovierung des Platzes von 10 Jahren erneuerte man auch den Boden und entdeckte einen ehemaligen Brunnen, der 23 Meter in die Tiefe reicht. So scheint es, dass auch schon hier früher jener Platz war, wo man sich beim Wäsche waschen traf, wo getratscht und geklatscht und Neuigkeiten ausgetauscht wurden.

Das Josipina Hočevar Denkmal

Das Haus, in dem heute ein Hostel und ein Café (laut einem Tipp unserer Führerin mit dem besten Eis der Stadt) untergebracht ist, diente früher als eine Art Rathaus, von dem der Bürgermeister den waschenden Frauen auch gleich die Neuheiten der Stadt verkünden konnte.

Tipp:

Jeden Dienstag um 10:00 Uhr organisiert der Tourismusverband Radovljica eine kostenlose Führung durch die historische Altstadt.

Mehr über Slowenien erfahren Sie in Altösterreich Revisited von Josef Wallner und Norbert Eisner und über die Bedeutung der Farben und des Spiegels bei den Lebkuchen erzählt unser Blog. 

Weitere Lesetipps:

Reisen in der Untersteiermark|Štajerska (zoppelberg Verlag 2011)
Unbekanntes Slowenien. Reisen auf Altösterreichs Spuren in Krain und Laibach. (zoppelberg Verlag 2012)
Geliebtes Görz. Von den Alpen zur Adria. Eine Reise durch das altösterreichische Küstenland. (Verlag Ferdinand Berger & Söhne 2013)

Weitere Informationen erhalten Sie im Tourismusbüro:

TIC-Tourismus
Radovljica, Linhartov trg 9
Tel: +386 8 205 13 88
Mobil: +386 51 430 970
Email: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!
www.radolca.si

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