Buschenschank

Wien und der Wein ist eine alte Liebesbeziehung: besungen in vielen Wienerliedern, gefeiert in den vielen Heurigen der Stadt. Heurigenlieder, Heurigenmusik sind in der ganzen Welt bekannt. Schließlich ist Österreichs Bundeshauptstadt auch die einzige Hauptstadt der Welt mit einem eigenen nennenswerten Weinbaugebiet. Grinzing und Neustift haben in den Ohren der Besucher klingende Namen, doch inzwischen machen auch die weniger bekannten Gebiete – Mauer, Strebersdorf, Stammersdorf oder Jedlersdorf durch hervorragende Qualität auf sich aufmerksam. Der „Brünner Straßler“ bekommt eine neue Dimension…

Am Bisamberg

Ein bisschen Geschichte…

Die Böden Wiens und das Klima, durch die Donau und den nahen Wienerwald beeinflusst, sind wie geschaffen für den Weinbau, - schon in frühgeschichtlicher Zeit wuchs hier die Wildrebe, Kulturreben wurden bereits 750 v. Chr. in Wien angepflanzt wie durch archäologische Funde nachgewiesen werden konnte. Auch unter Kelten, Illyrer und Römer spielte der Weinbau eine Rolle: so veranlasste Kaiser Probus, dass die römische Legionäre Weingärten in und um Wien anlegten. Ein Liter Wein pro Tag wurde den römischen Soldaten zugeteilt. Noch im Mittelalter war selbst der größte Teil der späteren Wiener Bezirke voll von Weingärten und es wurde zu dieser Zeit kräftig getrunken: Schätzungen besagen, dass in Wien der Weinverbrauch während des späten Mittelalters etwa sechsmal so hoch war wie heute. Allein in den Buschenschänken wurden gegen Ende des 16. Jahrhunderts durchschnittlich 120 Liter pro Kopf der Wiener Bevölkerung getrunken. Danach gingen Weinbaufläche und Weinkonsum immer stärker zurück, im Jahr 1815 tranken die Wiener „Nur“ noch 87 Liter pro Kopf und Nase.

Kellergasse in Stammersdorf

Heute erreichen die Weinbaugebiete innerhalb der Stadtgrenzen ein Ausmaß von nahezu 700 Hektar. Neben dem feinen Tropfen, der dort Jahr für Jahr entsteht, sind sie ein beliebtes Ausflugs- und Wanderziel der Wiener Bevölkerung.

Die Rebensorten und der Gemischte Satz

Rund 330 Weinbauern produzieren 2 bis 2,5 Millionen Liter Wein im Jahr. Die Hauptsorten beim Weißwein sind Grüner Veltliner, Rheinriesling, Weißburgunder, Chardonnay und Welschriesling. Die Sorten Blauer Zweigelt, Blauer Burgunder, Blauburgunder, Cabernet Sauvignon und St. Laurent dominieren die Rotweine.

Mehr und mehr Winzer besinnen sich auch wieder einer weiteren Wiener Weißwein Spezialität mit uralter Tradition: dem „Gemischten Satz“, der heute schon fast wieder Kultcharakter besitzt. Der „Gemischte Satz“ ist ein Wein, der sich aus unterschiedlichen Rebsorten zusammensetzt. Diese werden aber – im Gegensatz zur Cuvée, der auch ein Verschnitt ist – gemeinsam in einem Weingarten angebaut und nicht erst im Weinkeller vermischt. Mindestens drei, manchmal aber auch bis zu 15 Rebsorten werden gemeinsam ausgepflanzt, geerntet und gekeltert. Der Grundgedanke dafür war ursprünglich, die Jahrgangsschwankungen bei der Reifung der Traube ausgleichen zu können: So harmonieren früher reifende Sorten mit wenig Säure und spät reifende mit mehr Aromen und meist auch mehr Säure, perfekt. Über Jahrhunderte galt der Spruch: „Eine Rebsorte in einem Weingarten ist eine Geige, der Gemischte Satz aber ein Orchester.“

Im Garten beim Schilling
In früheren Jahrhunderten wurde in Europa nur in seltenen Ausnahmefällen sortenrein angebaut, doch mit dem stärkeren Aufkommen der sortenreinen Weine Ende des 19. Jahrhunderts erlitt der Gemischte Satz einen sozialen Abstieg. Damals begann sein Schattendasein als einfacher Schank- und Heurigenwein.

Blick auf den Bisamberg

Einige Wiener Winzer haben sich zur Gruppe der WienWein-Winzer zusammengeschlossen und widmen sich der Pflege und Bekanntmachung des Gemischten Satzes und des Wiener Weins weit über die Landesgrenzen der Stadt. Sie unterscheiden zwei Arten:
Der klassische Wiener Gemischte Satz, der aus mindestens drei Sorten Reben besteht und über maximal 12,5 vol% Alkoholgehalt verfügt, sowie der Wiener Gemischte Satz Lagenwein, der komplexer und gehaltvoller ausgebaut ist und mindestens 12,5 vol% Alkohol besitzt. Die Rebstöcke müssen mindestens 20 Jahre alt sein und die Trauben stammen aus einer einzigen Lage.

Fuchs

Von der in Italien angesiedelten Slow-Food-Stiftung für Biodiversität wurde der „Wiener Gemischte Satz“ in die „Arche des Geschmacks“ aufgenommen und als so genanntes „Präsidio“-Produkt ausgezeichnet. Diese Auszeichnung wurde erst an rund 300 Lebensmittel weltweit verliehen und soll hochwertige und traditionell hergestellte Lebensmittel vor der Gefährdung durch industrielle Landwirtschaft und Nahrungsmittelindustrie schützen und für zukünftige Generationen erhalten.

Der Wiener Heurige

Heuriger Bernreiter
Ein Großteil des Wiener Weins wird direkt an die Konsumenten verkauft – vor allem beim weltberühmten Wiener Heurigen. Der Name kommt vom besonders spritzigen, leichten und fruchtigen „Heurigen Wein“ der letzten Ernte. Über 140 der Wiener Weinbaubetriebe haben einen Heurigen angeschlossen. Ein klassischer Wiener Heurige schenkt ausschließlich Wein aus eigenem Anbau aus. Der echte Wiener Heurige ist so bekannt wie das Riesenrad, die Sängerknaben oder die Lipizzaner, er steht für Wiener Gemütlichkeit, aber auch Melancholie, und zahlreiche Lieder wurden ihm gewidmet. Das heutige Buschenschankrecht geht auf eine Verordnung Kaiser Josefs II. aus dem Jahre 1784 zurück, in der den Winzern erlaubt wurde, Wein aus eigener Erzeugung auszuschenken. Man erkennt ihn am Föhrenbusch und der Tafel mit dem Wort „Ausg’steckt“, die gleichzeitig anzeigt, wann das Lokal geöffnet ist. „Heuriger“ bezeichnet allerdings nicht nur das Lokal, sondern auch den aktuellen Wein, der traditionell bis zum 11. November (Martini) so genannt werden darf und dann zum „Altwein“ wird. Heute finden Sie aber neben dem offenen Schankwein auch ein reiches Sortiment an feinen Bouteillenweinen. Lauschige Gärten, heimelige Stuben und die Heurigenmusik sorgen für die richtige Stimmung. Bei einem „echten“ Heurigen suchen Sie Bier und Kaffee vergeblich. Dafür aber ein reichlich ausgestattetes „Heurigenbuffet“, das mit lokalen Spezialitäten glänzt: ob Backhendl oder Schmalzbrot, Wiener Schnitzel oder Schweinsbraten, unterschiedliche Salate, Aufstriche, frisches Brot oder Weckerl – ein Besuch lohnt sich auf jeden Fall.

Schilling in Strebersdorf

Der Wiener Heurigenexpress

Wo früher die Wiener mit der Zahnradbahn zum Heurigen pilgerten, fährt heute der Vienna Heurigen Express. Seine Fahrt führt durch malerische Weinorte, vorbei an Weingärten und Winzerhäusern und öffnet den Blick auf das einzigartige Stadtpanorama. Von Nussdorf führt die Tour über den Kahlenberg nach Grinzing und wieder zurück, vorbei an prunkvollen Villen, uralten Bauernhäusern, am Beethovenhaus und –museum. Der Fahrgast hat die Möglichkeit am Kahlenberg oder in Grinzing aus- und wieder einzusteigen. Der Vienna Heurigen Express fährt von Anfang April bis Ende Oktober täglich von 12.00 bis 18.00 Uhr.

Strauch in Strebersdorf

Wie schon erwähnt gibt es mehr Orte als Grinzing und Neustift, die für Ihre Heurigentradition bekannt und beliebt sind. Hier eine Aufzählung: Oberlaa, Hernals, Neustift, Heiligenstadt, Sievering, Grinzing, Nussdorf, Mauer, Stammersdorf Strebersdorf, Jedlersdorf, Bisamberg. Besonders die Gebiete jenseits der Donau sind noch nicht so bekannt, überzeugen aber durch Qualität und Ursprünglichkeit. Hier ein paar Tipps, wo Sie das „Goldene Wienerherz“ beim Heurigenbesuch sicher antreffen werden und Wein und Kulinarik in hervorragender Qualität genießen können: Bitte beachten Sie, dass diese Betriebe nicht immer geöffnet haben – im Internet oder telefonisch erfahren Sie, ob „Ausg’steckt“ ist oder nicht.


Peter Bernreiter

21., Jedlersdorf, Amtsstraße 24–26, Tel. 292 36 80
www.bernreiter.at

Christ
In ungeraden Monaten tgl. ab 15.00 Uhr
21., Amtsstraße 10-14, Tel. 292 51 52
www.weingut-christ.at

Göbel
21., Stammersdorf, Stammersdorfer Kellergasse 151, Tel. 294 84 20
www.weinbaugoebel.at


K+K Fuchs

21., Jedlersdorf, Jedlersdorfer Platz 29, Tel. 292 35 67
www.heuriger.co.at

Schilling
Während der Aussteckzeiten: Mo-Fr 16.00 - 24.00 Uhr, Sa, So, Feiertag 15.00 - 24.00 Uhr
21., Langenzersdorfer Straße 54, Tel. 292 41 89
www.weingut-schilling.at

Wieninger
21., Stammersdorfer Straße 78, Tel. 292 41 06
www.heuriger-wieninger.at

Weitere Informationen:

www.heurigenexpress.at
www.wien.info
www.wienerwein.at

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