Mikulčice - Slawischer Burgwall

Slawischer Burgwall

Mikulčice (slaw. Burgwall)Hier war im 8. und 9. Jahrhundert der Mittelpunkt der slawischen Welt. Heute auf der Liste der Top-Ausflugsziele war es in der Zeit des Großmährischen Reiches das geistige und kulturelle Machtzentrum der Westslawen. Ein Magnatenpalast, 12 Steinkirchen, mehr als 2500 freigelegte Gräber und über 250.000 Fundgegenstände zeugen von der einstigen Größe.

In Mikulčice wird Geschichte groß geschrieben: entstand doch in der Nähe des kleinen Ortes eine einzigartige archäologische Ausgrabungsstätte, die mit ihren 10 Hektar zu den größten in Europa zählt.

Das Großmährische Reich war das erste Staatsgebilde der Westslawen und spielte eine wichtige Rolle in der Geschichte Mitteleuropas, - auch als ein Vorläufer des frühmittelalterlichen, böhmischen Premysliden-Staates. Um das Jahr 833 eroberte Mojmír I., der erste historisch belegte Herrscher Großmährens die Stadt Nitra – in der heutigen Slowakei gelegen – und verband dieses Gebiet mit seinen Besitzungen an der March zu einem neuen Staat. Seine Nachfolger erweiterten das Gebiet, das um 894 seine größte Ausdehnung erfuhr. Rostislav gründete hier eine eigene Kirchenorganisation und bat deshalb den byzantinischen Kaiser Michal III. um Hilfe, der die als Slawenapostel bekannten Cyrill und Method 863 nach Mähren entsandte. Sie schufen eine neue slawische Schrift, die Glagoliza und erreichten auch, dass das Altkirchenslawisch zur Liturgiesprache erhoben wurde. Ob Mikulčice wirklich der Sitz von Rostislav war ist nicht 100%ig geklärt, auf Grund der Funde ist auf jeden Fall aber anzunehmen, dass hier ein Fürstensitz bestand.

Mikulčice (slaw. Burgwall)In der Nähe der heutigen Stadt Mikulčice befand sich damals, auf zwei Inseln in der March, die Ansiedlung, die von einer Mauer geschützt war. Auf der mit 5 Hektar größeren der beiden befand sich die Akropolis mit der befestigten Burg und dem Fürstenpalast, mehreren Kirchen und weiteren Gebäuden, die kleinere diente für die Vorburg und hier waren die Soldaten des Fürsten untergebracht. In der Kirche auf der Akropolis wurden die vornehmsten Bewohner bestattet, vor allem Angehörige der herrschenden fürstlichen Dynastie. Die Reste der mächtigen Befestigung und auch andere Funde lassen darauf schließen, dass hier in der Blütezeit an die 2000 Menschen gelebt haben müssen. Mikulčice gilt als einzigartig, war es doch Fürstensitz und Kirchenzentrum zugleich. Eine weitere Theorie lautet, dass der Heilige Method in der hiesigen Basilika bestattet sein könnte. Sie ist mit mehr als 35 Meter Länge, 11 Meter breite und einer geschätzten Höhe von 15 Metern die größte Kirche aus der großmährischen Epoche, die nördlich der Alpen bislang gefunden wurde. Links des Altars wurden einige Gräber entdeckt. Da die Legende besagt, dass der Slawenapostel Method in der Hauptkirche Großmährens bestattet wurde, liegt die Vermutung nahe, dass wir hier seinen Bestattungsort zu Recht vermuten.

Mikulčice (slaw. Burgwall)Während der Ausgrabungen, die von 1954 – 1992 dauerten, wurden die Fundamente von zwölf Kirchen mit ihren Friedhöfen freigelegt. Außerdem fanden sich Reste der mächtigen Befestigung, die die Akropolis und die Vorburgen umgab. Beeindruckend ist allerdings nicht nur die Größe des Areals, sondern auch der einzigartige Erhaltungszustand der Fundgegenstände. Über 600 Schmuckstücke, Waffen, Reitzubehör und Gegenstände des täglichen Lebens berichten vom geistlichen und weltlichen Leben der damaligen Zeit.

In zwei Pavillons sind Ausstellungen untergebracht, die die archäologischen Funde präsentieren. Eine konzentriert sich auf die Ergebnisse der archäologischen Grabung, während die andere eine moderne Informationsschau ist, die die Besucher mit der Geschichte des Mikulčicer Burgwalls und der Sakralbauten vertraut macht. Sehenswert sind in jedem Fall die sogenannten Monoxyle, acht bis neun Meter lange Einbäume, die aus einem ausgehöhlten Eichenstamm geschnitzt wurden. Sie sind fast 1200 Jahre alt und – wie auch einige andere Holzgegenstände - durch den Schlamm der March erhalten geblieben.

Mikulčice (slaw. Burgwall)Wer einen Ausflug nach Mikulčice plant, sollte auf jeden Fall einen Ausflug in die umliegenden Auwälder einplanen. Der slawische Burgwall grenzt an das Naturreservat Skařiny, eines der letzten Überreste der ursprünglichen Auwälder Südmährens, wo man Kolonien des Hausstorchs, der Graureiher, aber auch Biber und viele andere interessante Vertreter der Fauna und Flora sehen kann.

Wer lieber zu Rad als per pedes unterwegs ist, findet in der Gegend auch immer besser ausgebaute und auch gekennzeichnete Radwege vor. Dennoch empfiehlt es sich nach wie vor die Strecke vorher genau zu planen und eventuell Erkundigungen einzuholen.

Auf der slowakischen Seite – in Kopčany – liegt die Margareta Kirche, die ebenfalls aus der Zeit des Großmährischen Reiches stammt und die einzige, bis heute erhaltene Kirche darstellt. Sie gehört ebenfalls zum länderübergreifenden Konzept des Archäopark Mikulčice-Kopčany, das die Aufnahme auf die Liste des Weltkulturerbes der UNESCO anstrebt.

Öffnungszeiten

Mikulčice (slaw. Burgwall)1.April bis 31. Oktober täglich außer montags, an Werktagen von 9:00 bis 16:30 Uhr, an Samstagen, Sonn- und Feiertagen bis 17:30, um Juli und August bis 19:30 Uhr. Die Museumspavillons können mit einem Führer besucht werden, es gibt auch deutschsprachige Führer. Ebenso sind Texte in Englisch und Deutsch und ein Audioguide in Bulgarisch, Deutsch und Englisch erhältlich. Das Ausgrabungsgelände kann auf den Besucherwegen individuell besucht werden.

In der Wintersaison (1.11.-20.12. und 5.1. bis 31.3.) ist an Werktagen Montag bis Freitag von 10:00 – 15:00 Uhr geöffnet. Es empfiehlt sich aber vorher nochmals kurz nachzufragen.

Slawischer Burgwall in Mikulčice
Niederlassung beim Masaryk Museum in Hodonín
696 19 Mikulčice – Valy
Tel.. +420 518 357 293, +420 604 384 410
E-Mail: f.Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! oder Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

Mikulčice (slaw. Burgwall)Das Parken innerhalb des Areals ist gratis, an der Rezeption gibt es Informationsmaterial, Erfrischungen und kleine Snacks zu kaufen.

Weitere Informationen finden Sie unter www.masaryk.info  (Deutsch, Englisch, Italienisch, Polnisch, Tschechisch) Die fremdsprachigen Informationen umfassen nicht alle Inhalte der Website.

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