Wikinger! auf der SchallaburgWir alle kennen Wikie, aber waren die Wikinger wirklich so? Die Ausstellung auf der Schallaburg vom 28.3.-8.11.2015 räumt mit einigen Mythen über die Wikinger auf.

Hey, Wickie, hey – alle kennen das Lied und die Geschichten vom kleinen Wikinger, der mit Bravour alle seine Abenteuer besteht und selbst seinen Vater immer wieder retten kann. Die meisten von uns sind mit seinen Geschichten aufgewachsen. Sei es als Zeichentrickfilm oder im großen Remake von Michael Bully Herbig.

Aber wie waren die Wikinger wirklich? In Kooperation mit dem Swedish History Museum Stockholm, MuseumsPartner Innsbruck und dem Lokschuppen Rosenheim machte sich das Ausstellungsteam der Schallaburg auf die Suche nach den wahren Wikingern und nach mehr. Die Ausstellung wirft einen zeitgemäßen Blick auf die Wikinger, jenseits der Klischees und Stereotype, bezieht aktuelle archäologische und historische Forschungen mit ein und versucht uns so die Epoche zwischen ca 750 und 1100 n.Chr. näher zu bringen. Dabei wird mit etlichen Mythen aufgeräumt …

Die Schiffe der Wikinger im Hof der Schallaburg

Der Name

Die Wikinger nannten sich nie selbst so. Auf „viking“ gehen, bedeutete in ihrer Zeit eine weite Schiffsreise zu machen, diese konnte dem Handel, aber auch der Plünderung dienen. Die Bezeichnung stammt aus der Zeit der Romantik. Die Wikinger könnten aber auch die „Leute aus der Bucht“ (vik) sein. So ganz genau weiß man es auch heute noch nicht. Schließlich stammen fast alle Aufzeichnungen aus späterer Zeit. Auch die Runen sind nicht immer eindeutig zu entziffern: schließlich reduzierte sich das Runenalphabet von anfangs 24 „Buchstaben“ auf 16 während der Wikingerzeit – und wenn ein „a“ auch ein „o“ bedeuten kann, können schon gewisse Schwierigkeiten in der Interpretation entstehen.

Blick in die Ausstellung Wikinger!

Der Hörnerhelm

Auch dieser Helm ist ein Mythos, es gibt keinen einzigen Fund eines Helmes mit Hörnern. Außerdem waren Helme zu jener Zeit sehr teuer, ebenso wie Schwerter und Kettenhemden. Man geht davon aus, dass die meisten Wikinger wahrscheinlich ohne Helm und mit einer Axt, die Gebrauchsgegenstand war, gekämpft haben.

Der Hörnerhelm

Doch selbst wenn ein Wikinger einen Helm besessen hätte, dann bestimmt einen ohne Hörner. Schließlich sollte der Helm einen Schlag auf den Kopf abfangen und ableiten und sich nicht in den Hörnern verfangen und damit vielleicht noch zu einer Genickzerrung oder schlimmeren führen. In der Ausstellung erfährt man auch, wer der „Erfinder“ des Hörnerhelms sein könnte, obwohl es hier viele verschiedene Legenden gibt.

Das Schiff

Ihre Schiffe waren oft kampfentscheidend. Wenig Tiefgang – sodass es auch möglich war – in die Flussläufe hinein und hinaufzufahren. Segel gesetzt und los ging es. Dennoch: die meisten Darstellungen der Wikingerschiffe – auch am Plakat für die Ausstellung wird absichtlich ein falsches, aber gelerntes „Bild“ gezeigt – sind falsch. Die Wikinger waren Segler, keine Ruderer!!

Ein Wikingerschiff begrüßt die Besucher beim Eingang in die Ausstellung

Außerdem erreichten sie unter Wind eine Geschwindigkeit von 10-12 Knoten. Das konnte kein Ruderer wettmachen. Und während man sich mit der „Ruderei“ körperlich ziemlich verausgabt hätte, konnte man mit gestrafftem Segel relativ ausgeruht in den anstehenden Kampf ziehen. Es gibt aber noch einen weiteren Hinweis der gegen diese Abbildung spricht. Schilde und Ruder konnten nie zur gleichen Zeit verwendet werden, da die Schilde über den Ruderöffnungen steckten. Aber am besten man schaut sich das in der Ausstellung selbst an.

Die Schiffe der Wikinger

Das Begräbnis und die Götterwelt

Wie auch die Präsentation eines Geisterschiffes, von dem nur die Nieten übrig geblieben sind, da das Holz verrottete. Es gibt zugleich auch einen Einblick in die Bestattungsriten: so wurden Herr oder Herrin (Reichtum vorausgesetzt) in einem Schiff begraben, das in die Erde gegraben wurde.

Das Geisterschiff - nur die Nieten haben sich erhalten.

Bei so einem Begräbnis wurden auch die Sklaven der Herrschaft getötet und mit ins Grab gegeben, ebenso Tiere. Manchmal waren es sogar Pferde oder Jagdvögel. Ganz sicher waren aber immer ein Hund, eine Katze und ein Huhn dabei. Warum? Die Antwort findet sich in der Mythologie und natürlich auch auf der Schallaburg.

Die Familie

Außerdem erfährt man wie die Menschen damals gelebt und gewohnt haben und was sie gegessen hatten. Die Lebenserwartung war nicht sehr hoch: Die Hälfte der Kinder starb schon bis 10 Jahren und auch die Erwachsenen erreichten oft nicht mehr als 20 Jahre an Lebenszeit. Obwohl viele durch ihre Plünderungen und den Handel sehr reich wurden, waren viele schlecht ernährt.

Die Wikinger (Foto © Martina Siebenhandl)
Es gab freie und unfreie Personen. Selbst bei den Sklaven wurde noch unterschieden, wo ein solcher geboren wurde. Die freie Frau galt als Hüterin von Haus und Herd, sie hatte als Statussymbol einen Schlüssel aus Bronze um den Hals, der oft auch noch kleinen Mädchen umgehängt wurde. Dennoch kann man sie nicht als „Heimchen am Herd“ bezeichnen, manche fuhren mit auf „viking“ und einige durften auch auf den Gerichtsversammlungen sprechen, was normalerweise dem freien Mann vorbehalten war. Er durfte Waffen tragen und war zuständig für Ackerbau, Viehzucht und Fischfang.

Die Schlüssel der Hausherrin
Die Ausstellung zeigt auch eines ihrer Häuser, allerdings auch mit einem kleinen Schönheitsfehler: der Lichteinfall, der auf der Projektion zu sehen ist, ist falsch. Wikinger-Häuser waren sehr düster, denn sie besaßen keine Fenster, die einzige Öffnung war der Rauchabzug. Licht kam vom Herdfeuer, vielleicht von Kerzen oder bei den Reichen von Öllampen. Aber es gab bereits Bänke, auf denen man auch schlafen konnte, Tische, Stühle und freistehende Betten. All das weiß man heute aus den Grabbeigaben, wo man auch wunderschöne bunte Wandteppiche fand.

Mitmach-Stationen

Außerdem gibt es noch jede Menge interaktive Mitspiel-Möglichkeiten:

So kann man einen Wikinger bekleiden, den Sagen und Geschichten lauschen, eine Zeitreise machen und einiges über Walhall lernen, sich an einer Ausgrabung beteiligen oder ein spezielles Wikinger-Menü zusammenstellen. Es ist bestimmt für jeden – egal ob groß oder klein - etwas dabei…

Hier noch eine kleine Auswahl besonderer Ausstellungsstücke:

Brustschmuck aus Perlen und Anhänger mit Perlentrennern

Der Halsschmuck besteht aus 110 verschiedenfarbigen Glasperlen, 19 Anhängern in Form eines Fischschwanzes und Kettenhalter aus Bronze. Er wurde einer Frau auf Gotland mit ins Grab gegeben..

Brustschmuck aus Perlen und Anhänger mit Perlentrennern (Foto © Gabriel Hildebrand, The Swedish History Museum)

Thorshammer (Anhänger)

In der altnordischen Mythologie gibt es zahlreiche Götter. Das wichtigste Göttergeschlecht ist das der Asen, zu denen Odin und sein Sohn Thor zählen. Thorshammer erfreuten sich bei den Wikingern großer Beliebtheit. Archäologen finden häufig Miniatur-Thorshammer. Einige davon sind in der Ausstellung zu sehen. Dieses hier ist einzigartig: Neben anderen Gold- und Silberobjekten war es Teil eines Schatzfundes. Der Anhänger hat die Form eines Hammers und zeigt ein Gesicht. Er ist mit feinster Filigranarbeit verziert.

Thorshammer - Anhänger (Foto © Gabriel Hildebrand, The Swedish History Museum)

Thor, der Gott des Donners, beschützt andere Götter und die Menschen. Mit seinem Hammer Mjölnir tötet er Riesen, Ungeheuer und gefährliche Kreaturen und bekämpft das Chaos. Der Hammer kehrt von selbst wie ein Bumerang immer zu Thor zurück, wenn er geschleudert wird. Das Original stammt aus Schonen, Schweden, in der Ausstellung ist eine Nachbildung zu sehen.

Kamm

Kämme aus Knochen wurden während der Wikingerzeit in großer Zahl hergestellt. Dies zeigt, dass beide Geschlechter auf die Haarpflege und das Äußere durchaus Wert gelegt haben. In fast jedem wikingerzeitlichen Grab fand man Kämme, Waschschälchen, Ohrlöffel, Pinzetten und sogar gläserne Spiegel. Vor Eitelkeit waren anscheinend auch die Wikinger nicht gefeit.

Kamm (Foto © Gabriel Hildebrand, The Swedish History Museum)

Anhänger

Bildliche Darstellungen von Göttern und mythologischen Wesen sind rar, daher sind diese Funde (in der Ausstellung sehen wir eine Nachbildung, das Original stammt aus einem Grabfund aus Aska, Östergötland, Schweden) außergewöhnlich. Dieser kreisförmige Anhänger stammt aus einem besonders reich ausgestatteten Frauengrab.

Anhänger, Nachbildung (Foto © Gabriel Hildebrand, The Swedish History Museum)

Möglicherweise stellt er eine schwangere Frau dar, deren Hände im Schoß ruhen. Sie trägt ein Häubchen, ein Kleid mit horizontalen Streifen und darüber einen Mantel. Ihre Brust ist mit sechs Perlenschnüren geschmückt, ihr Hals mit einer Brosche. Vermutlich handelt es sich um eine Darstellung der Fruchtbarkeitsgöttin Freya – dafür spricht jedenfalls die angedeutete Schwangerschaft.

Und dann wäre da ja noch …

Treffpunkt Ich und Wir

… die Frage: Was blieb von den Wikingern und was bleibt vielleicht einmal von uns? Wer sich mit diesen Überlegungen auseinandersetzen will, der sollte auf jeden Fall beim Treffpunkt „Wir und Ich“ vorbeischauen.

Beim Treffpunkt

Saisonkarte

Das ist eine gute Idee! Heuer erstmalig wird das Tagesticket – bei rechtzeitiger Vorbestellung (mindestens drei Tage vor dem Besuch) zum Saisonticket. Und damit kann man dann die Ausstellung, Restaurant, Shop und Burgrundgang so oft wie man will besuchen. Achtung! Schon entwertete Tickets können nicht mehr als Saisonkarte umgewandelt werden. Also am besten gleich unter www.schallaburg.at anfordern. Dann liegt die Karte beim Besuch schon abholbereit bei der Kassa für Sie auf. 

Wikinger auf der Schallaburg (Foto © Martina Siebenhandl)

Öffentliche Anreise

Neu ist heuer auch, dass die Wachau Buslinie WL1 den Bahnhof Melk mit der Schallaburg viermal täglich während der gesamten Ausstellungssaison verbindet. Außerdem bietet das ÖBB Kombiticket Kulturgenuss die Bahnfahrt zum Bahnhof Melk und retour, ein Ticket für die Wachau-Buslinie W1 hin und retour sowie den Eintritt zur Schallaburg ab 23 Euro pro Person. Auch die Aktion „Hunger auf Kunst und Kultur“ ist auf der Schallaburg gültig.

Ticket für das ÖBB Kombiticket können Sie hier online buchen: http://kombitickets.railtours.at/kombitickets-kulturgenuss/oesterreich/schallaburg/renaissanceschloss-schallaburg.html

Blick in die Ausstellung

Mehr über die Schallaburg finden Sie hier auf askEnrico.

Renaissanceschloss Schallaburg
3382 Schallaburg 1
Tel: + 43 2754 6317-0
Email: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!
www.schallaburg.at

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