Christine Casapicola: Nächstes Jahr im KüstenlandJa, Österreich lag einst am Meer! Lange Zeit zog es die sogenannte bessere Gesellschaft nicht nur in die Berge, auf den Semmering oder nach Bad Ischl, wo seine Majestät „urlaubte“, sondern auch ans Meer.

Heute können wir alle mit Christine Casapicola in der Gegenwart auf den Spuren der Vergangenheit wandeln ...

Ob es deshalb so viele Wiener ans Meer zieht? Lange gehörte das Gebiet zwischen dem nördlichen Isonzotal und Triest zum Habsburgerreich, um die Jahrhundertwende wurde Grado nicht nur von den Sezessionisten gerne besucht und wandelte sich vom Fischerdörfchen in ein mondänes Seebad, Görz galt damals als das Nizza von Österreich; die Kriegsmarine – ja, auch die gab es in der Österreich-Ungarischen Monarchie war im heutigen Pula stationiert. Das Offiziers-Casino erinnert dort heute noch daran, doch soweit reist Christine Casapicola nicht mit ihren Lesern …

Nach dem Großen Krieg wurde das Küstenland zuerst Italien zugesprochen, nach dem Zweiten Weltkrieg gingen Teile (Istrien) an Jugoslawien, die Grenzen wurden teilweise willkürlich gezogen und Österreich verlor seinen Anschluss ans Meer. Heute wachsen die alten Gebiete langsam wieder zusammen – die EU öffnete die Grenzen, man erinnert sich wieder an gemeinsame alte Zeiten.

Christine Casapicola erzählt Geschichtchen und Geschichten von den Menschen dieser Region, von längst vergangenen Zeiten und von der Gegenwart. Sie nimmt den Leser mit auf ihrer Reise in die Vergangenheit und zeigt ihm was noch heute davon erhalten geblieben ist. Vor dem geistigen Auge entstehen die Bilder von einst, man taucht in alte Familiengeschichten ein, bekommt Anregungen für das Besuchens- und Sehenswerte der Region. Dabei kommt auch der Genuss nicht zu kurz: sind doch dem Cuguluf, den Oliven, dem Wein und einigen Spezialitäten mehr kleine Kapitel gewidmet. Der Leser kann sich so auf den Spuren der Vergangenheit auf eine Reise in die Gegenwart begeben. All das macht das Buch lesenswert.
Viele schöne Abbildungen, alte Jugendstil-Plakate, alte Postkarten rufen die Zeit von einst wieder ins Gedächtnis. Vieles hat mich an die Ausstellung im Wienmuseum „Die Österreichische Riviera – Wien entdeckt das Meer“ erinnert. Wem diese Ausstellung gefallen hat, der wird auch dieses Buch mit Vergnügen lesen.

Wer also mehr über die Geschichte des Küstenlandes, über Grado, Görz, Triest, die Brda, den Collio oder das Isonzotal, um nur einige Blickwinkel des Buches zu nennen, erfahren möchte, ist hier genauso richtig, wie jener Leser, der sich auf den Spuren der Vergangenheit ins heutige Italien oder Slowenien begeben möchte und einige ausgefallene Reisetipps sucht.

Christine Casapicola: Nächstes Jahr im Küstenland
Edizioni Braitan
ISBN: 978-8886950176

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Personen in dieser Konversation

  • Georg Beil

Kommentare (1)

  • Gast - Georg Beil

    Das Buch ist eine wunderbare Homage an eine zunächst nur auf dem ersten Blick allein geographisch verortete Region.Wichtiger ist der Geist des Buches, der für die heutige "EU" lehrreich sein könnte.

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