Michaela Lindinger: Mein Herz ist aus Stein Bücher und Filme über Sisi gibt es viele und nicht allzu viele bemühen sich um ein realistisches Bild der Person der Kaiserin.

Entweder wurde sie von den Autoren zur „Kitsch-Prinzessin“ erhoben oder als abgehobene, leicht Verrückte dargestellt. Mit Michaela Lindingers Buch liegt eine Beschreibung der Kaiserin und ihres Lebens vor, das nicht nur den vielen Facetten der Frau hinter Sisi gerecht wird, sondern auch beim aufmerksamen Lesen zeigt, wie viele Parallelen zur Gegenwart gezogen werden können.

Elisabeth
Hungerte wie Lady Di,
ritt und focht wie d’Artagnan,
turnte wie Jane Fonda,
wurde ermordet wie J.F. Kennedy,
und sah aus wie Romy Schneider. (Hans Bankl, 1940 – 2004, Prosektor, Buchautor)

Diese Worte, die am Anfang des Buches mit anderen Zitaten stehen, zeigen schon eindeutig den Bezug den Sisi zur Gegenwart hatte. Ihr Körperkult, ihre Diäten, ihre romantische Liebe gepaart mit ihrem Freiheitswillen und wie sie sich schließlich von der Welt der „Bösen“ unverstanden und vielleicht auch ein wenig hochmütig abwendet, - viele diese Eigenschaften und Charakterzüge waren auch bei Lady Diana oder Romy Schneider zu finden. Alle drei standen in der Öffentlichkeit, wurden bewundert aber auch angefeindet, alle drei liebten auf der einen Seite die Öffentlichkeit (die Medien) und spannten sie gerne für ihre Zwecke ein, pochten aber dann vehement auf die Privatsphäre, die immer wieder überschritten wurde.

Michaela Lindinger zeigt in ihrem Buch die Seiten der Kaiserin ab ihrem 40. Lebensjahr: jene Zeit, in der sie beschließt für immer „schön“ zu bleiben, aus der Zeit als keine Abbildungen mehr von ihr gemacht werden dürfen, sie mit Fächern in der Öffentlichkeit ihr Gesicht bedeckt und sie sich immer mehr aus der Öffentlichkeit ins Private zurückzieht. Hätte es zu ihrer Zeit bereits Schönheitschirurgen gegeben, wäre Sisi wahrscheinlich eine gute Kundin geworden: ihre Schönheit, ihre Figur, ihre Haare waren das, was die Leute auf der Straße (und natürlich auch der Kaiser) bewunderten – sie, die als junges Mädchen bereits dem Hofzeremoniell unterworfen wurde, konnte nur mit und durch ihre Schönheit etwas erreichen. Damit sind wir wieder in der Gegenwart angekommen: unzählige Fitnessstudios, Kosmetikindustrie, Diätpläne, Modemagazine und vieles mehr versprechen heute den Jugendlichen, dass sie dadurch Erfolg, Anerkennung und ihren Traumjob erreichen können. Sisi war vielleicht die erste Repräsentantin dieser Entwicklung.

Das Buch zeigt aber auch die Dichterin Sisi - ihr Faible für Mystik und Verfall, Geisterkrankheiten und Totenkulte. Es schildert auch ihre Sehnsüchte und wie sie insgeheim zu Titania wird, der Feenkönigin. Sie schreibt Gedichte (einige davon sind im Buch auch abgedruckt) und versucht in spirituellen Kontakt mit Heinrich Heine, ihren Lieblingsdichter zu kommen.

Auch bei mancher Kurpfuscherin war Sisi ein gern gesehener Gast und man könnte meinen, erste Anfänge jener – jetzt wieder aktuellen Theorien – Menschen können sich von Luft und Licht allein ernähren, seien von ihr erprobt worden.

Natürlich geht das Buch auch auf die – ihr vom Kaiser geschenkte – Hermesvilla ein, die eigentlich ihr Refugium werden sollte und mit der der Kaiser wahrscheinlich hoffte, sie stärker an Wien binden zu können. Wie wenig die Eheleute jedoch anscheinend gemeinsam hatten, zeigt sich hier aber auch dadurch, dass die Einrichtung in seinem Stil (wenn auch wahrscheinlich in der besten Absicht) und nicht im Geschmack von Elisabeth bestellt wurde.

All jene, die an der Geschichte und dem Leben Elisabeths und ihrer Zeit interessiert sind, werden Spaß an dem Buch haben und auch wieder ein Stückchen mehr über diese ungewöhnliche Frau erfahren. Interessant fand ich aber wirklich die Parallelen mit der Gegenwart. Die Autorin weist den Leser nicht darauf hin, aber wer sich mit diesem Buch beschäftigt, wird schnell Parallelen zur heutigen Gesellschaft feststellen können, die sich wenig bis gar nicht von damaligen Ansichten unterscheiden. Erwähnenswert ist auch, dass das Buch mit über 100, großteils bislang unveröffentlichte Abbildungen glänzen kann.

Auf jeden Fall: lesenswert!

Michaela Lindinger: Mein Herz ist aus Stein. Die dunkle Seite der Kaiserin Elisabeth
Amalthea
ISBN 978-3-85002-821-9

Bewertung insgesamt (0)

0 von 5 Sternen

Kommentare

  • Keine Kommentare gefunden
Kommentar hinzufügen

Buchtipps

Melden Sie sich hier zu unserem Newsletter an:
captcha 
Zum Seitenanfang